Tatort-Schreibtisch-Autor der Woche
Ohne Buch aus dem Haus gehen? „Niemals“, sagt Peter Godazgar mit gespielter Empörung. Ebenso erstaunlich wie der vorgebrachte Umstand selbst, ist die Begründung, die er nachliefert: „Falls ich mal entführt werde. Damit die Geiselhaft nicht so langweilig wird.“
Peter Godazgar meint viele Dinge, die er sagt, nicht allzu ernst. Man könnte auch sagen: Er ist nicht nur ein äußerst sympathischer, sondern auch ein ziemlich lustiger Typ. Ich sage das nicht nur, weil er mein Mann ist. Doch seine ständigen Witzeleien führen nicht nur dazu, dass man – will man die Konversation mit ihm als gleichwertiger Partner überstehen – einen äußerst ausgeprägten Sinn für Ironie, fein gesetzte Pointen und bissige Bonmots benötigt.
Dabei haben sie durchaus einen ernsten Hintergrund: Der Mann war früher mal sehr schüchtern. Was man, wenn man ihn auf einer seiner sehenswerten, eher an Kabarett erinnernden Lesungen erlebt, kaum glauben mag. Doch schon als Kind hat Peter Godazgar seine leicht soziophobischen Züge erfolgreich als Klassenclown überspielt.
Das war auch gut so. Sonst hätte er womöglich niemals aus der behüteten Enge seines katholischen Heimatstädtchen Hückelhoven am Niederrhein herausgefunden. Dort unternahm er zwar auch erste Schreibübungen, tat sich ansonsten jedoch vor allem durch – echt wahr – Bibeltreue hervor und als Messdiener sowie Betreuer bei kirchlichen Jugend-Freizeiten.
Als das Leben und der Zufall ihn nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium an der RWTH Aachen in den Ostteil der neu sortierten Bundesrepublik schickte, blieb er glatt dort hängen. Nach vielen Jahren als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung schreibt er inzwischen die Reden für den Oberbürgermeister von Halle (Saale), einer notorisch unterschätzten Stadt, deren stellvertretender Pressesprecher er nun ebenfalls ist, und in der er mit Frau, Kindern und einem Schafpudel lebt.
Ein alter Kontakt in seine frühere niederrheinische Heimat war es, durch den Godazgar Ende der 1990er Jahre sogar fast schon ein bisschen berühmt wurde. Denn sein Jugendfreund Thomas Jahn drehte mit dem Schauspieler Til Schweiger den Erfolgsfilm „Knockin’ on heaven’s door“ – Peter Godazgar schrieb zwar nicht das Drehbuch, aber den Roman zum Film – oder, wie Godazgar sagt, „das Buch für alle jene, die den Film nicht verstanden hatten und noch mal nachlesen mussten“.
Seinen ersten eigenen Kriminalroman schrieb er einige Jahre später – im Zug. Jeden Morgen im Regionalexpress, auf dem Weg zur Arbeit. Und abends, auf dem Heimweg. Doch seine eingangs erwähnte Schüchternheit sorgte erst einmal dafür, dass das Werk für mehrere Jahre in einer Schreibtischschublade verschwand.
Erst durch gutes Zureden seiner Frau (also durch mich) fasste er schließlich den Mut, es an einen Verlag zu schicken. Der griff prompt zu. 2004 erschien das Buch „Unter Schweinen“ beim Dortmunder Grafit-Verlag und bildete den Auftakt für insgesamt drei Romane mit dem schusselig-chaotisch-neurotischen Privatermittler Markus Waldo. Einer Figur, die Godazgar irgendwie ziemlich ähnlich war und ist.
Neben einem Exkurs in das Genre Liebesroman sowie zwei kriminalistischen Gemeinschaftsprojekten mit sieben weiteren Autorenkollegen sind inzwischen etliche schwarzhumorige Krimi-Kurzgeschichten entstanden. Eine davon wurde 2017 für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Es sind vor allem diese Kurzgeschichten, die ein Dilemma offenbaren, das der Autor seit langem mit sich herumträgt: Er mag eigentlich keine Krimis. Und er mag auch keine epischen Schilderungen ausgeklügelter Foltermethoden, keine Metzeleien, keine bestialisch ausgeführten Morde und keine megacoolen Ermittler, die noch im größten Chaos einen lockeren Spruch aus der Hüfte schießen. Deshalb geht es bei ihm immer eher lustig zu.
Die Akteure, die bei Peter Godazgar zum Mörder werden, sind oft kleine Leute, ewige Verlierer, die irgendwie unverschuldet in eine blöde Situation geraten sind. Oft sind es liebe Kerle, denen man als Leser dort am liebsten selbst wieder heraushelfen möchte: Dirk, der Hartz-IV-Empfänger, der nachts in ein Einfamilienhaus einsteigt, und dabei einen Hexenschuss erleidet, zählt ebenso in diese Kategorie wie Georg Diepenbrock, der sozial und intellektuell benachteiligte ehemalige Kleinkriminelle, der sich als unfreiwillig komisches Michael-Jackson-Double durchs Leben schlägt.
All diese Geschichten und ihre Akteure mögen für Fans reiner Spannungsromane nicht unbedingt der geeignete Lesestoff sein. Wer jedoch Spaß an ulkigen Charakteren und Situationskomik hat, der kommt bei Godazgar voll auf seine Kosten. Übrigens: Die Geschichten werden umso besser, wenn der Autor sie selbst vorliest. Denn durch die vielen Auftritte vor Publikum hat er inzwischen nicht nur seine Schüchternheit abgelegt. Hinter ihr tritt außerdem etwas hervor, das sonst womöglich verschüttet geblieben wäre: Der Mann besitzt ein untrügliches Gefühl für Timing. Versprochen!
Ines Godazgar ist Journalistin und Ehefrau von Peter Godazgar
Peter Godazgar ist Tatort-Schreibtisch-Autor und liest in der Reihe "Tatort-Scheibtisch: Autoren live" seinen Krimi "Der tut nix, der will nur morden!"
Mehr Informationen zum Hörbuch "Der tut nix, der will nur morden!"
Peter Godazgar: Der Ex-Schüchterne mit dem ausgeprägten Gespür für Timing
Von Ines GodazgarOhne Buch aus dem Haus gehen? „Niemals“, sagt Peter Godazgar mit gespielter Empörung. Ebenso erstaunlich wie der vorgebrachte Umstand selbst, ist die Begründung, die er nachliefert: „Falls ich mal entführt werde. Damit die Geiselhaft nicht so langweilig wird.“
Peter Godazgar meint viele Dinge, die er sagt, nicht allzu ernst. Man könnte auch sagen: Er ist nicht nur ein äußerst sympathischer, sondern auch ein ziemlich lustiger Typ. Ich sage das nicht nur, weil er mein Mann ist. Doch seine ständigen Witzeleien führen nicht nur dazu, dass man – will man die Konversation mit ihm als gleichwertiger Partner überstehen – einen äußerst ausgeprägten Sinn für Ironie, fein gesetzte Pointen und bissige Bonmots benötigt.
Dabei haben sie durchaus einen ernsten Hintergrund: Der Mann war früher mal sehr schüchtern. Was man, wenn man ihn auf einer seiner sehenswerten, eher an Kabarett erinnernden Lesungen erlebt, kaum glauben mag. Doch schon als Kind hat Peter Godazgar seine leicht soziophobischen Züge erfolgreich als Klassenclown überspielt.
Das war auch gut so. Sonst hätte er womöglich niemals aus der behüteten Enge seines katholischen Heimatstädtchen Hückelhoven am Niederrhein herausgefunden. Dort unternahm er zwar auch erste Schreibübungen, tat sich ansonsten jedoch vor allem durch – echt wahr – Bibeltreue hervor und als Messdiener sowie Betreuer bei kirchlichen Jugend-Freizeiten.
Als das Leben und der Zufall ihn nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium an der RWTH Aachen in den Ostteil der neu sortierten Bundesrepublik schickte, blieb er glatt dort hängen. Nach vielen Jahren als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung schreibt er inzwischen die Reden für den Oberbürgermeister von Halle (Saale), einer notorisch unterschätzten Stadt, deren stellvertretender Pressesprecher er nun ebenfalls ist, und in der er mit Frau, Kindern und einem Schafpudel lebt.
Ein alter Kontakt in seine frühere niederrheinische Heimat war es, durch den Godazgar Ende der 1990er Jahre sogar fast schon ein bisschen berühmt wurde. Denn sein Jugendfreund Thomas Jahn drehte mit dem Schauspieler Til Schweiger den Erfolgsfilm „Knockin’ on heaven’s door“ – Peter Godazgar schrieb zwar nicht das Drehbuch, aber den Roman zum Film – oder, wie Godazgar sagt, „das Buch für alle jene, die den Film nicht verstanden hatten und noch mal nachlesen mussten“.
Seinen ersten eigenen Kriminalroman schrieb er einige Jahre später – im Zug. Jeden Morgen im Regionalexpress, auf dem Weg zur Arbeit. Und abends, auf dem Heimweg. Doch seine eingangs erwähnte Schüchternheit sorgte erst einmal dafür, dass das Werk für mehrere Jahre in einer Schreibtischschublade verschwand.
Erst durch gutes Zureden seiner Frau (also durch mich) fasste er schließlich den Mut, es an einen Verlag zu schicken. Der griff prompt zu. 2004 erschien das Buch „Unter Schweinen“ beim Dortmunder Grafit-Verlag und bildete den Auftakt für insgesamt drei Romane mit dem schusselig-chaotisch-neurotischen Privatermittler Markus Waldo. Einer Figur, die Godazgar irgendwie ziemlich ähnlich war und ist.
Neben einem Exkurs in das Genre Liebesroman sowie zwei kriminalistischen Gemeinschaftsprojekten mit sieben weiteren Autorenkollegen sind inzwischen etliche schwarzhumorige Krimi-Kurzgeschichten entstanden. Eine davon wurde 2017 für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Es sind vor allem diese Kurzgeschichten, die ein Dilemma offenbaren, das der Autor seit langem mit sich herumträgt: Er mag eigentlich keine Krimis. Und er mag auch keine epischen Schilderungen ausgeklügelter Foltermethoden, keine Metzeleien, keine bestialisch ausgeführten Morde und keine megacoolen Ermittler, die noch im größten Chaos einen lockeren Spruch aus der Hüfte schießen. Deshalb geht es bei ihm immer eher lustig zu.
Die Akteure, die bei Peter Godazgar zum Mörder werden, sind oft kleine Leute, ewige Verlierer, die irgendwie unverschuldet in eine blöde Situation geraten sind. Oft sind es liebe Kerle, denen man als Leser dort am liebsten selbst wieder heraushelfen möchte: Dirk, der Hartz-IV-Empfänger, der nachts in ein Einfamilienhaus einsteigt, und dabei einen Hexenschuss erleidet, zählt ebenso in diese Kategorie wie Georg Diepenbrock, der sozial und intellektuell benachteiligte ehemalige Kleinkriminelle, der sich als unfreiwillig komisches Michael-Jackson-Double durchs Leben schlägt.
All diese Geschichten und ihre Akteure mögen für Fans reiner Spannungsromane nicht unbedingt der geeignete Lesestoff sein. Wer jedoch Spaß an ulkigen Charakteren und Situationskomik hat, der kommt bei Godazgar voll auf seine Kosten. Übrigens: Die Geschichten werden umso besser, wenn der Autor sie selbst vorliest. Denn durch die vielen Auftritte vor Publikum hat er inzwischen nicht nur seine Schüchternheit abgelegt. Hinter ihr tritt außerdem etwas hervor, das sonst womöglich verschüttet geblieben wäre: Der Mann besitzt ein untrügliches Gefühl für Timing. Versprochen!
Ines Godazgar ist Journalistin und Ehefrau von Peter Godazgar
Peter Godazgar ist Tatort-Schreibtisch-Autor und liest in der Reihe "Tatort-Scheibtisch: Autoren live" seinen Krimi "Der tut nix, der will nur morden!"
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