Tatjana Kruse bezeichnet sich gern als
„prickelndes Jahrgangsgewächs aus bester süddeutscher Hanglage“, dabei
weiß ich genau, dass sie in einem fahrenden Zug geboren wurde und in
Schwäbisch Hall, der Stadt zur Bausparkasse, aufgewachsen ist: beides
keine Orte, die für ihren Wein berühmt wären ...
Schon als Kind hat sie nichts als Kriminalromane gelesen, vorzugsweise Agatha Christie, wozu sie sich – wir sprechen ja quasi von der Mitte des vorigen Jahrhunderts, da galten Krimis als jugendgefährdend – verbotenerweise in die Erwachsenenabteilung der Stadtbibliothek Schwäbisch Hall schleichen musste, dort dreimal ertappt wurde und zeitweise Hausverbot erhielt. Der Weg in die Kriminalität war damit vorgezeichnet.
Als Spätberufene zog es Tatjana Kruse im reifen Alter von vierzig Jahren schließlich zur Schriftstellerei. Sie hat ja lange als Literaturübersetzerin gearbeitet und beim Übersetzen, wie sie sagt, des öfteren gedacht: „Das kann ich auch, vermutlich besser.“ Eines Tages hat sie es versucht und wurde gleich für ihren ersten Kurzkrimi mit dem „Marlowe“ der Raymond Chandler Gesellschaft ausgezeichnet. Zwar hat sie seitdem nie wieder einen renommierten Preis erhalten, aber damals hat sie Blut geleckt, und deshalb sattelte sie um auf
professionelle Krimiautorin.
Ihre erste Serienheldin war die "Wuchtbrumme" (Goldmann), eine taffe Dicke, die "so bleiben will, wie sie ist" und als sexy 100-Kilo-Single Männerherzen erobert und Mörder überführt. Tatjana hat eine Vorliebe für derart schräge Helden, davon zeugen der stickende Ex-Kommissar Siegfried Seifferheld (Knaur), die hyperneugierige Opernsängeirn Pauline Miller mit ihrem narkoleptischen Terrier Radames (Haymon - und als Hörbuch hier auf dieser Seite) sowie die beiden greisen Schnüffelschwestern Konny und Kriemhild mit Nacktkater Amenhotep und dem toten Kommodore in der Urne (Insel).
Was klar bei der vorangegangenen Aufzählung klar wird: Die Frau hat offenbar kein Privatleben, deswegen schreibt sie nicht nur mindestens einen Roman pro Jahr, sondern auch noch jeden Monat einen Kurzkrimi, weshalb es fast keine deutsche Krimi-Anthologie ohne die Kruse gibt.
Regelmäßig ist sie auch als Auftragsmörderin (alias Krimistadtschreiberin) unterwegs, unter anderem einen Sommer lang in Flensburg sowie in der Villa Clementine in Wiesbaden. Oder sie reist recherchierend durch die Lande, für die Pauline-Miller-Reihe beispielsweise zu den Festspielen in Salzburg und Bayreuth.
Auf ihren zahlreichen Lesereisen besticht sie als Performerin ihrer Texte.
Angstattacken muss man bei der Lektüre eines Kruse-Krimis nicht befürchten, eher schon Zwerchfellmuskelkater – Monty Python trifft Coen-Brüder, wie die Kritik schrieb. Sie selbst nennt ihre Bücher „Krimödien“, das Kind der Liebe aus Krimi und Komödie.
Ich kann bestätigen, die Frau ist im wahren Leben ebenso heiter und augenzwinkernd unterwegs wie in ihren Büchern: eine lebende Einheit von Fakt und Fiktion!
Ursula-Erika de Emmen ist eine Freundin und Intima von Tatjana Kruse - und eine "Krusekennerin"Tatjana Kruse ist Tatort-Schreibtisch-Autorin und liest in der Reihe "Tatort-Scheibtisch: Autoren live" ihren Krimi "Glitzer, Glamour, Wasserleiche". Mehr Informationen zum Hörbuch "Glitzer, Glamour, Wasserleiche"
Autorenfoto: Michele Corleone