Herzlich willkommen!
Sie schreiben ein Buch oder ein Theaterstück? Sie arbeiten an einem Drehbuch oder an einer Kurzgeschichte? Glückwunsch! Schreiben ist eines der schönsten Dinge der Welt! Aber es ist auch eine der einsamsten und schwierigsten Beschäftigungen, wenn man alleine vor seinem Text sitzt, ohne Hilfe, ohne Unterstützung.Das will Tatort-Schreibtisch ändern!
Von den Profis lernen – das ist die Logline unserer Autoreninitiative. Erfahrene und erfolgreiche Schreib-Profis berichten auf dieser Webseite von ihrer Arbeit und verraten Ihnen Tipps und Tricks, mit denen Sie auf dem Buchmarkt oder im Drehbuchgeschäft erfolgreich sind.
Das Herz unserer Initiative ist das Autorenpaten-Programm. Hier bieten Ihnen über 40 renommierte und professionell schreibende Autorinnen und Autoren an, Sie und Ihr Schreibprojekt mit ihrem Wissen und ihrem Rat zu begleiten.
Mit unserem Autorenpaten-Programm sind wir Partner des innovativen Verlagsprojektes Woobooks. Alle Manukripte, für die bei einem unserer Autorenpaten und -patinnen eine Manuskripteinschätzung gebucht wurde, haben die Chance auf eine Verlagsveröffentlichung.
In unserer Rubrik "Tatort -Schreibtisch: Ausgezeichnet!" präsentieren wir preisgekrönte oder preisnominierte Kurzgeschichten, die den jeweiligen Autoren große Beachtung verschafft haben - zum Nachlesen und zum Mut machen.
Ergänzt wird unsere Seite durch verschiedene Rubriken: zum Beispiel die "Frage der Woche", die "Schreibregel der Woche" oder auch der "Tatort der Woche", in der bekannte Autoren ihren Arbeitsplatz vorstellen.
In der Rubrik Über Tatort-Schreibtisch erklären wir kurz, wie die Webseite funktioniert, in der Rubrik FAQ beantworten wir alle Fragen zu unserem Autorenpaten-Programm.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr
Markus Stromiedel

Markus Stromiedel ist Autor und Drehbuchautor und Initiator von "Tatort-Schreibtisch"
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Profiautoren als Ratgeber
Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Autorenpaten-Programm
Das Programm und die Preise im Detail
Das sind die Autorenpaten
Manuskript für das Autorenpatenprogramm einreichen
Hilfe durch das Autorenpaten-Programm
Im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch haben Sie die Möglichkeit, sich für Ihr aktuelles Schreibprojekt eine professionelle Autorin oder einen erfolgreichen Autor als Ratgeber an Ihre Seite zu holen. Das Angebot reicht vom Info-Gespräch über die fachliche Einschätzung Ihres Manuskriptes bis zur Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agentur-Bewerbung. Alle Autorenpaten sind erfahrene Schreib-Profis, die ihre Texte erfolgreich in Verlagen veröffentlichen, häufig preisgekrönt sind und z.T. auch als Dozenten lehren. Tatort-Schreibtisch ist Partner von Woobooks.Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
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Autorenpate der Woche
Hendrik Berg hat das Handwerk des Schreibens von Grund auf gelernt: Nach seinem Germanistikstudium in Hamburg und Madrid...
Hendrik Berg
Autorenpate für Prosa und DrehbuchHendrik Berg hat das Handwerk des Schreibens von Grund auf gelernt: Nach seinem Germanistikstudium in Hamburg und Madrid...
arbeitete er zunächst als
Werbe- und PR-Texter, dann als Journalist und als Autor preisgekrönter
Computerspiele sowie als Gagschreiber für Radio und TV. Danach startete
er als Drehbuchautor durch. Seit über zwanzig Jahren schreibt er
Drehbücher für zahlreiche sehr erfolgreiche TV-Serien. Inzwischen ist
Hendrik Berg auch als Prosaautor erfolgreich, mit Krimis und Thrillern,
die an der Grenze zum Mystischen kratzen, sowie - unter Pseudonym - mit
humoristischen Büchern. Neben seiner Autorenarbeit lehrte er mehrere
Jahre Drehbuchschreiben als Dozent an der Macromedia Hochschule in Köln
und München.
Hendrik Berg ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Küstenfluch, Goldmann
Lügengrab, Goldmann
Dunkle Fluten, Goldmann
Das Friedmann-Haus (unter Pseudonym Peter Martin), Bastei Lübbe
Drehbuch
In aller Freundschaft – die jungen Ärzte
In aller Freundschaft
SoKo Leipzig
Die Wache
Alles was zählt
Sturm der Liebe
Rote Rosen
Als Drehbuchautor war Hendrik Berg Mitglied in vielen Writer-Rooms und arbeitete als Head- und Entwicklungsautor sowie als Story- und Script-Editor für diverse langlaufende Serien.
zum Autorenpaten-Programm
Hendrik Berg ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Küstenfluch, Goldmann
Lügengrab, Goldmann
Dunkle Fluten, Goldmann
Das Friedmann-Haus (unter Pseudonym Peter Martin), Bastei Lübbe
Drehbuch
In aller Freundschaft – die jungen Ärzte
In aller Freundschaft
SoKo Leipzig
Die Wache
Alles was zählt
Sturm der Liebe
Rote Rosen
Als Drehbuchautor war Hendrik Berg Mitglied in vielen Writer-Rooms und arbeitete als Head- und Entwicklungsautor sowie als Story- und Script-Editor für diverse langlaufende Serien.
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Tatort der Woche
Ich und die Schreiborte, das ist so eine Sache. Ich habe zwar auch einen Schreibtisch, an dem ich recherchiere, korrigiere, überarbeite, feile und mit der Sprache spiele – doch das ist nicht alles...
Tee und Federn
von Mischa BachIch und die Schreiborte, das ist so eine Sache. Ich habe zwar auch einen Schreibtisch, an dem ich recherchiere, korrigiere, überarbeite, feile und mit der Sprache spiele – doch das ist nicht alles...
Dort ist nicht der Ort, wo meine Geschichten entstehen und meine Figuren
geboren werden. Wenn ich mich auf die Suche nach neuen Ideen begebe,
wenn ich zum ersten Mal meine Netze auswerfe, um eine Geschichte
einzufangen, dann tue ich das – im Bett. Morgens, noch halb zwischen
Traum und Wachen, fern ab vom Trubel des Alltags bin ich ganz nah an
meinen Figuren dran und kann ihnen um so tiefer in ihre Welten hinein
folgen. Mit einer Kanne Tee mindestens eine Stunde ungestört zu
schreiben, das ist für mich der perfekte Start in den Tag.
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Die Frage der Woche

Franz Kafka, um mit einem ganz berühmten Beispiel zu beginnen, erzählt nahezu ausschließlich aus Sicht einer einzigen Person in der jeweiligen Geschichte. Nehmen Sie etwa seinen Roman Der Prozess: Erzählt wird in der dritten Person, jedoch in strenger Anbindung an K., seiner Hauptfigur. Allein dessen Erleben bestimmt das, was wir Leser über die Geschichte erfahren. Damit sind wir dem unverständlichen Apparat genauso hilflos ausgeliefert wie K. selbst. Figur und Geschichte, beides kommt uns sehr nah, und wir können gar nicht anders, wir müssen uns mit K. identifizieren.
Ähnlich ausgeprägte Anbindungen an eine einzige Figur in der Geschichte findet man bei Ich-Erzählungen, denn naturgemäß kann so ein Ich-Erzähler nur von seinem Kenntnisstand aus und aus seiner Sicht heraus berichten. Naheliegend, dass viele Ich-Erzähler ihre eigene Geschichte erzählen, also zugleich die Hauptfigur sind: Thomas Manns Felix Krull schreibt in Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull seine eigenen Memoiren, während Nell Zinks Tiffany in The Wallcreeper (deutsch: Der Mauerläufer) ganz ohne einen solchen Schreib-Vorwand aus ihrer Sicht ihre Geschichte erzählt.
Eine scheinbar eindeutige Antwort auf die Frage, wessen Geschichte von wem erzählt wird, ist der Anfang von Hermann Melvilles Moby Dick: „Nennt mich Ismael“, lautet der erste Satz des Romans. Allerdings ist Ismael, der Ich-Erzähler, hier nicht die Hauptfigur, sondern ein Zeuge oder Betroffener der Geschichte. Deren Verlauf jedoch bestimmt Kapitän Ahab mit seiner Gier, sich am weißen Wal Moby Dick zu rächen. Diese Aufteilung „Hauptfigur dort, Ich-Erzähler hier“ kennen Krimifans natürlich bestens – nämlich von Sir Arthur Conan Doyles fiktionalem Duo Sherlock Holmes (Hauptfigur) und Dr. Watson (Ich-Erzähler). Dennoch bleiben auch diese Varianten monoperspektivisch, denn alles, was erzählt wird, entspricht nur dem Blickwinkel des jeweiligen Erzählers, der über die inneren Motive der Hauptfigur (und aller anderen Figuren) genau wie der Leser nur spekulieren kann.
Die Möglichkeit, eine Geschichte aus Sicht verschiedener Figuren zu erzählen – also multiperspektivisch, aus verschiedenen Erzählperspektiven – und dabei die Weltsichten der Figuren unmittelbar aufeinander prallen zu lassen, dürfte mit zu den zentralen Bausteinen des Schreibhandwerks gehören, der einen Text aus Autoren- wie Lesersicht reizvoll macht.
Manches lässt sich nur multiperspektivisch erzählen: etwa wie unterschiedlich wir alle die Welt wahrnehmen und wie oft uns nicht mal in den Sinn kommt, dass andere die Sache anders sehen könnten. Im realen Leben mag das häufig zu unangenehmen Missverständnissen führen. In der Literatur kann das zum Quell für Komik und Ironie, aber auch tiefere Erkenntnis werden. Die Geschichte von Ratte, dem Junkie mit Helfersyndrom, und der verdeckten Ermittlerin Charlie mitsamt ihren manischen Zügen hätte ich jedenfalls nie aus nur einer Sicht erzählen können. Denn in meinem Roman Rattes Gift geht es darum, dass die beiden die brenzlige Situation, in der sie stecken, nur überleben können, wenn sie zusammenarbeiten – und dafür müssen sie lernen, wie der andere die Welt sieht. Okay, und kapieren, dass sie sich verliebt haben, müssen sie auch. Denn Liebe ist ja ebenfalls etwas, das aus Sicht jedes Beteiligten sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann ... Kurzum: Ein Roman, in dem es um gegenseitiges Sehen geht und in dem die Beziehung zwischen den Figuren essentiell ist, lässt sich oft im Wechsel der entsprechenden Figurenperspektiven am besten erzählen.
Kleiner Tipp am Rande: Wenn man nicht sicher ist, ob einem das multiperspektivische Erzählen liegt, kann man es ja einfach mal für ein, zwei Kapitel ausprobieren. Und dann kann man auch gleich testen, ob man seine Figurenperspektiven lieber in der dritten Person gestalten möchte oder ob es zwei Ich-Erzähler sein müssen. In meinem Debüt, der Kriminalnovelle Der Tod ist ein langer, trüber Fluss, war das die Lösung. Nur, indem ich Ophelia, die Frau ohne Gedächtnis, die die Toten hört, und ihren toten 'Begleiter' Raffael als Ich-Erzähler auftreten lasse, kann ich dem Leser die Freiheit lassen, wie er diese nun, sagen wir, nicht ganz alltägliche Situation deutet. Wenn ein „ich“ spricht, geht es um die Erfahrungen und Ansichten eines Individuums, um etwas radikal Subjektives. Der Autor tritt still und leise hinter den Ansichten und Wahrnehmungen der Figur zurück, und der Leser ist gefordert, sich selbst seinen Reim darauf zu machen.
Die Möglichkeit, einerseits aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen und mit dem darin enthaltenen Potenzial für komische, tragische, ironische und andere Missverständnisse zu spielen, und andererseits komplett hinter seinen Geschöpfen zurückzutreten und obendrein dem Ganzen auch noch den Anstrich von Authentizität, ja 'Realität' zu geben, dürfte der Grund sein, warum das multiperspektivische Erzählen im ausgehenden 18.Jahrhundert mit einer ganz besonderen Gattung begann – nämlich als Briefroman.
Der Briefroman hat den Vorteil, dass sich auf der einen Seite das Material des Romans gewissermaßen selbst erklärt – zwei oder mehr Menschen schreiben einander Briefe und schildern darin ihr Erleben mit ihrer hoffentlich jeweils individuellen Sprache und aus ihrem ganz eigenen, jeweils begrenzten Blickwinkel. Auf der anderen Seite lässt das Raum für allerlei Verwechslungen (insbesondere, wenn Briefe verlorengehen), und haben wir es mit mehr als zwei Briefschreibern zu tun, lassen sich allein dadurch, wer wem was wie sagt oder eben auch verschweigt, ganz hervorragend Intrigen und andere fiese Machenschaften darstellen – siehe etwa Choderlos de Laclos Liasions dangereux (deutsch: Gefährliche Liebschaften - wobei ich hier natürlich das Buch und nicht die eine oder andere Verfilmung meine). Außerdem zeichnet sich der Briefroman durch besonders große Unmittelbarkeit aus, wie man etwa an der teils schon hysterischen, teils sogar tödlichen Begeisterung von Goethes Zeitgenossen für dessen Briefroman Die Leiden des jungen Werther sehen kann. Vermutlich hat das Gefühl, als Leser direkt dabei zu sein, dem Briefschreiber sozusagen über die Schulter zu spähen, auch dem Erfolg von Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind nicht geschadet.
Grundvoraussetzung für einen gelungenen Briefroman, ob nun altmodisch auf Papier, als E-Mail-Variante oder Whatsapp-Gruppe der literarischen Art konzipiert ist, dass jede, aber auch jede schreibende Figur eine eigene Sprache und einen eigenen Blickwinkel hat. Das heißt, gerade beim multiperspektivischen Roman ist es essentiell, dass ich als Autor ganz genau weiß, welche Figur was wann weiß und wer welcher falschen Fährte wann folgt.
Das gilt unabhängig davon, ob ich meinem Leser gegenüber mit dem Rahmen eines Briefromans die Situation, in der meine jeweiligen Ich-Erzähler schreiben, ganz klar vor Augen führe oder meine Ich-Erzähler ohne solches 'Stützwerk' abwechselnd berichten lasse. In seinem furiosen Du bist zu schnell lässt Zoran Drvenkar die verschiedenen Sichtweisen von Theo, Marek und vor allem der psychotischen Val unmittelbar aufeinanderkrachen. Was Realität, was Psychose, was Drogen geschuldet ist oder einfach nur eine Fehlinterpretation aufgrund fehlenden Wissens ist, gleich auf drei verschiedene Achterbahnen wird der Leser hier im Wechsel gesetzt - die natürlich am Ende ein Ganzes ergeben.
Drvenkar überschreibt seine Kapitel noch mit dem Namen des jeweiligen Ich-Erzählers. Bei meinem Roman Stimmengewirr, das den Leser ins Innenleben einer Multiplen Persönlichkeit mitnimmt, schien mir das weder passend noch nötig. So, wie die einzelnen Persönlichkeiten sich immer wieder nach den Zeitlücken, die durch das Switchen untereinander entstehen, orientieren müssen, lernt auch der Leser, meine sieben Ich-Erzähler immer schneller und leichter zu unterscheiden. Allerdings hat diesen Effekt zu erzeugen mich eine Menge Zeit und Arbeit gekostet. Ich musste dafür in die Entwicklung jeder einzelnen Figur, die auch als Ich-Erzähler auftritt, noch mehr Zeit stecken als sonst - und ich habe das fertige Manuskript gleich zwei Mal komplett zerlegt, um mir die Geschichte aus den jeweiligen Einzel-Ich-Ansichten noch einmal anzuschauen und gründlich zu überarbeiten: War die Geschichte jedes Ich-Erzählers in sich stimmig? Blieb jeder während seines Berichts in seinem jeweiligen Wissensstand und, vor allem, in seiner ganz eigenen, individuellen Sicht- und Sprechweise? Kein Wunder, dass bei dem Buch über zehn Jahre zwischen dem ersten Satz und dem Erscheinen lagen ...
Nun könnte man meinen, wenn man multiperspektivisch in der dritten Person schreibt, gäbe es keine Orientierungsprobleme, weil man dann einfach jeden personalen Erzähler, jede Perspektivfigur beim Namen nennen kann. Und außerdem, so könnte man weiterdenken, sei man damit einer Schwierigkeit enthoben, die bei Texten aus Sicht nur einer einzigen Figur auftreten: dass diese nicht immer alles wissen kann, was wir als Autoren gerade meinen, unseren Lesern erzählen zu müssen. Wer hier nicht weiter nachdenkt, tappt schnell in eine Falle, die gute Ideen zu schlechten Büchern machen kann.
Wenn ich mir Standard-Thriller und -Krimis anschaue, habe ich oft den Eindruck, die Autoren wollen es sich einerseits leicht und andererseits ihr Buch besonders spannend machen, indem sie nach Gusto zwischen Ermittlerteam, Opfern, Zeugen, falschen Verdächtigen und gern auch dem (anonymisierten) Täter hin und her springen. Wenn es gut gemacht ist, kann das die Leser mitnehmen. Aber das funktioniert nur dann, wenn der Autor nicht nur seine Geschichte, sondern vor allem seine Figuren ganz besonders gut kennt und sich sicher im Plot bewegt. Denn damit ich als Leser mitfiebern kann, muss ich nicht nur orientiert bleiben zwischen all den Figurenperspektiven, es müssen mich auch idealerweise alle Figuren emotional berühren. Und dafür muss sich der Autor die Mühe machen, sich auf alle Figuren, aus deren Sicht er erzählen will, auch wirklich einzulassen. Sonst bleibt das Ganze eine oberflächliche Scharade, ein bisschen wie Kasperletheater für Erwachsene, bei denen der Leser immer mal wieder das Krokodil kommen sieht oder den Polizisten, bevor das Sepperl oder die Gretel das auch nur ahnen.
Aber wenn sich jemand die Mühe macht, aus all den einzelnen Figurenperspektiven ein Ganzes (also eine Perspektivstruktur) zu entwickeln, dann können multiperspektivische Erzählungen auch und erst recht in der dritten Person nicht nur Bestseller werden (wie die Thriller von Sebastian Fitzek oder Dan Brown), sondern hohe Kunst sein. Achten Sie einfach mal bei den nächsten Büchern, die Sie lesen, darauf, wer die Hauptfigur ist und aus wessen Sicht erzählt wird – und eben darauf, ob es sich um mono- oder multiperspektivisches Erzählen handelt.
Und weil man am besten von den Besten lernt, zum guten Schluss hier noch zwei Buchtipps:
The Taking of Pelham One Two Three (1973), der Thriller um die Entführung einer New Yorker U-Bahn, den Morton Freedgood unter dem Pseudonym John Godey veröffentlichte, kennen die meisten vermutlich aus einer der verschiedenen Verfilmung. Der an sich schon spannenden Geschichte fügt der Roman (deutsche Übersetzung: Abfahrt Pelham 1 Uhr 23) über die Perspektivstruktur noch ein weiteres Element hinzu: Als Leser kennen wir nur die Alias-Namen der Täter im Zug, wir wissen nicht, wie sie aussehen. Obwohl wir erleben, dass sie da sind, und erfahren, was sie vorhaben, wissen wir nicht, wer wer ist. Das heißt, hier gelingt es über den Mix aus Figurenperspektiven den Leser einerseits tief in die Gedanken und Pläne der (Täter-) Figuren blicken zu lassen und ihnen doch so ausgeliefert zu sein wie die Geiseln bzw. ein den Ermittlern ähnliches Problem bei deren Identifizierung zu haben.
Wer es literarischer mag, dem sei Virginia Woolfs Roman The Waves (deutsch: Die Wellen) aus dem Jahr 1931 empfohlen. Mithilfe der Gedankenströme von sechs Figuren, allesamt Freunde, wird nicht nur das Wesen dieser sechs Individuen und ihrer Freundschaft erkundet, es wird zugleich die Geschichte eines abwesenden siebten, der selbst nie zum aktiven Sprecher wird, erzählt. Ein meisterhaftes und poetisches Verfahren.
Haben Sie Vergnügen beim Lesen! Von dem Sie sich zu eigenen Experimenten inspirieren lassen sollten. Denn, Sie wissen ja: Schreiben lernt man nur durchs Schreiben ...
Was bedeutet „multiperspektivisches Erzählen“?
von Mischa Bach

Bevor wir uns diese Frage widmen können, müssen wir erst eimal
definieren, was Perspektive in Bezug auf eine Erzählung meint. Eine
Geschichte zu erzählen (oder zu schreiben), bedeutet immer, dies aus
einem bestimmten Blickwinkel, einer bestimmbaren Perspektive heraus zu
tun. Dabei geht es nicht darum, von welchem Standpunkt man sich als
Autor der Sache nähert (selbst ein allwissender oder auktorialer
Erzähler, über den wir an anderer Stelle noch zu reden haben werden, ist
nicht einfach ein Abbild des realen Autors im Text). Es geht um die
Perspektiven der Erzählung selbst: Wessen Geschichte ist es und wer
erzählt sie – das ist die Frage, die man sich vor dem Schreiben stellen
und beantworten muss.
Franz Kafka, um mit einem ganz berühmten Beispiel zu beginnen, erzählt nahezu ausschließlich aus Sicht einer einzigen Person in der jeweiligen Geschichte. Nehmen Sie etwa seinen Roman Der Prozess: Erzählt wird in der dritten Person, jedoch in strenger Anbindung an K., seiner Hauptfigur. Allein dessen Erleben bestimmt das, was wir Leser über die Geschichte erfahren. Damit sind wir dem unverständlichen Apparat genauso hilflos ausgeliefert wie K. selbst. Figur und Geschichte, beides kommt uns sehr nah, und wir können gar nicht anders, wir müssen uns mit K. identifizieren.
Ähnlich ausgeprägte Anbindungen an eine einzige Figur in der Geschichte findet man bei Ich-Erzählungen, denn naturgemäß kann so ein Ich-Erzähler nur von seinem Kenntnisstand aus und aus seiner Sicht heraus berichten. Naheliegend, dass viele Ich-Erzähler ihre eigene Geschichte erzählen, also zugleich die Hauptfigur sind: Thomas Manns Felix Krull schreibt in Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull seine eigenen Memoiren, während Nell Zinks Tiffany in The Wallcreeper (deutsch: Der Mauerläufer) ganz ohne einen solchen Schreib-Vorwand aus ihrer Sicht ihre Geschichte erzählt.
Eine scheinbar eindeutige Antwort auf die Frage, wessen Geschichte von wem erzählt wird, ist der Anfang von Hermann Melvilles Moby Dick: „Nennt mich Ismael“, lautet der erste Satz des Romans. Allerdings ist Ismael, der Ich-Erzähler, hier nicht die Hauptfigur, sondern ein Zeuge oder Betroffener der Geschichte. Deren Verlauf jedoch bestimmt Kapitän Ahab mit seiner Gier, sich am weißen Wal Moby Dick zu rächen. Diese Aufteilung „Hauptfigur dort, Ich-Erzähler hier“ kennen Krimifans natürlich bestens – nämlich von Sir Arthur Conan Doyles fiktionalem Duo Sherlock Holmes (Hauptfigur) und Dr. Watson (Ich-Erzähler). Dennoch bleiben auch diese Varianten monoperspektivisch, denn alles, was erzählt wird, entspricht nur dem Blickwinkel des jeweiligen Erzählers, der über die inneren Motive der Hauptfigur (und aller anderen Figuren) genau wie der Leser nur spekulieren kann.
Die Möglichkeit, eine Geschichte aus Sicht verschiedener Figuren zu erzählen – also multiperspektivisch, aus verschiedenen Erzählperspektiven – und dabei die Weltsichten der Figuren unmittelbar aufeinander prallen zu lassen, dürfte mit zu den zentralen Bausteinen des Schreibhandwerks gehören, der einen Text aus Autoren- wie Lesersicht reizvoll macht.
Manches lässt sich nur multiperspektivisch erzählen: etwa wie unterschiedlich wir alle die Welt wahrnehmen und wie oft uns nicht mal in den Sinn kommt, dass andere die Sache anders sehen könnten. Im realen Leben mag das häufig zu unangenehmen Missverständnissen führen. In der Literatur kann das zum Quell für Komik und Ironie, aber auch tiefere Erkenntnis werden. Die Geschichte von Ratte, dem Junkie mit Helfersyndrom, und der verdeckten Ermittlerin Charlie mitsamt ihren manischen Zügen hätte ich jedenfalls nie aus nur einer Sicht erzählen können. Denn in meinem Roman Rattes Gift geht es darum, dass die beiden die brenzlige Situation, in der sie stecken, nur überleben können, wenn sie zusammenarbeiten – und dafür müssen sie lernen, wie der andere die Welt sieht. Okay, und kapieren, dass sie sich verliebt haben, müssen sie auch. Denn Liebe ist ja ebenfalls etwas, das aus Sicht jedes Beteiligten sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann ... Kurzum: Ein Roman, in dem es um gegenseitiges Sehen geht und in dem die Beziehung zwischen den Figuren essentiell ist, lässt sich oft im Wechsel der entsprechenden Figurenperspektiven am besten erzählen.
Kleiner Tipp am Rande: Wenn man nicht sicher ist, ob einem das multiperspektivische Erzählen liegt, kann man es ja einfach mal für ein, zwei Kapitel ausprobieren. Und dann kann man auch gleich testen, ob man seine Figurenperspektiven lieber in der dritten Person gestalten möchte oder ob es zwei Ich-Erzähler sein müssen. In meinem Debüt, der Kriminalnovelle Der Tod ist ein langer, trüber Fluss, war das die Lösung. Nur, indem ich Ophelia, die Frau ohne Gedächtnis, die die Toten hört, und ihren toten 'Begleiter' Raffael als Ich-Erzähler auftreten lasse, kann ich dem Leser die Freiheit lassen, wie er diese nun, sagen wir, nicht ganz alltägliche Situation deutet. Wenn ein „ich“ spricht, geht es um die Erfahrungen und Ansichten eines Individuums, um etwas radikal Subjektives. Der Autor tritt still und leise hinter den Ansichten und Wahrnehmungen der Figur zurück, und der Leser ist gefordert, sich selbst seinen Reim darauf zu machen.
Die Möglichkeit, einerseits aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen und mit dem darin enthaltenen Potenzial für komische, tragische, ironische und andere Missverständnisse zu spielen, und andererseits komplett hinter seinen Geschöpfen zurückzutreten und obendrein dem Ganzen auch noch den Anstrich von Authentizität, ja 'Realität' zu geben, dürfte der Grund sein, warum das multiperspektivische Erzählen im ausgehenden 18.Jahrhundert mit einer ganz besonderen Gattung begann – nämlich als Briefroman.
Der Briefroman hat den Vorteil, dass sich auf der einen Seite das Material des Romans gewissermaßen selbst erklärt – zwei oder mehr Menschen schreiben einander Briefe und schildern darin ihr Erleben mit ihrer hoffentlich jeweils individuellen Sprache und aus ihrem ganz eigenen, jeweils begrenzten Blickwinkel. Auf der anderen Seite lässt das Raum für allerlei Verwechslungen (insbesondere, wenn Briefe verlorengehen), und haben wir es mit mehr als zwei Briefschreibern zu tun, lassen sich allein dadurch, wer wem was wie sagt oder eben auch verschweigt, ganz hervorragend Intrigen und andere fiese Machenschaften darstellen – siehe etwa Choderlos de Laclos Liasions dangereux (deutsch: Gefährliche Liebschaften - wobei ich hier natürlich das Buch und nicht die eine oder andere Verfilmung meine). Außerdem zeichnet sich der Briefroman durch besonders große Unmittelbarkeit aus, wie man etwa an der teils schon hysterischen, teils sogar tödlichen Begeisterung von Goethes Zeitgenossen für dessen Briefroman Die Leiden des jungen Werther sehen kann. Vermutlich hat das Gefühl, als Leser direkt dabei zu sein, dem Briefschreiber sozusagen über die Schulter zu spähen, auch dem Erfolg von Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind nicht geschadet.
Grundvoraussetzung für einen gelungenen Briefroman, ob nun altmodisch auf Papier, als E-Mail-Variante oder Whatsapp-Gruppe der literarischen Art konzipiert ist, dass jede, aber auch jede schreibende Figur eine eigene Sprache und einen eigenen Blickwinkel hat. Das heißt, gerade beim multiperspektivischen Roman ist es essentiell, dass ich als Autor ganz genau weiß, welche Figur was wann weiß und wer welcher falschen Fährte wann folgt.
Das gilt unabhängig davon, ob ich meinem Leser gegenüber mit dem Rahmen eines Briefromans die Situation, in der meine jeweiligen Ich-Erzähler schreiben, ganz klar vor Augen führe oder meine Ich-Erzähler ohne solches 'Stützwerk' abwechselnd berichten lasse. In seinem furiosen Du bist zu schnell lässt Zoran Drvenkar die verschiedenen Sichtweisen von Theo, Marek und vor allem der psychotischen Val unmittelbar aufeinanderkrachen. Was Realität, was Psychose, was Drogen geschuldet ist oder einfach nur eine Fehlinterpretation aufgrund fehlenden Wissens ist, gleich auf drei verschiedene Achterbahnen wird der Leser hier im Wechsel gesetzt - die natürlich am Ende ein Ganzes ergeben.
Drvenkar überschreibt seine Kapitel noch mit dem Namen des jeweiligen Ich-Erzählers. Bei meinem Roman Stimmengewirr, das den Leser ins Innenleben einer Multiplen Persönlichkeit mitnimmt, schien mir das weder passend noch nötig. So, wie die einzelnen Persönlichkeiten sich immer wieder nach den Zeitlücken, die durch das Switchen untereinander entstehen, orientieren müssen, lernt auch der Leser, meine sieben Ich-Erzähler immer schneller und leichter zu unterscheiden. Allerdings hat diesen Effekt zu erzeugen mich eine Menge Zeit und Arbeit gekostet. Ich musste dafür in die Entwicklung jeder einzelnen Figur, die auch als Ich-Erzähler auftritt, noch mehr Zeit stecken als sonst - und ich habe das fertige Manuskript gleich zwei Mal komplett zerlegt, um mir die Geschichte aus den jeweiligen Einzel-Ich-Ansichten noch einmal anzuschauen und gründlich zu überarbeiten: War die Geschichte jedes Ich-Erzählers in sich stimmig? Blieb jeder während seines Berichts in seinem jeweiligen Wissensstand und, vor allem, in seiner ganz eigenen, individuellen Sicht- und Sprechweise? Kein Wunder, dass bei dem Buch über zehn Jahre zwischen dem ersten Satz und dem Erscheinen lagen ...
Nun könnte man meinen, wenn man multiperspektivisch in der dritten Person schreibt, gäbe es keine Orientierungsprobleme, weil man dann einfach jeden personalen Erzähler, jede Perspektivfigur beim Namen nennen kann. Und außerdem, so könnte man weiterdenken, sei man damit einer Schwierigkeit enthoben, die bei Texten aus Sicht nur einer einzigen Figur auftreten: dass diese nicht immer alles wissen kann, was wir als Autoren gerade meinen, unseren Lesern erzählen zu müssen. Wer hier nicht weiter nachdenkt, tappt schnell in eine Falle, die gute Ideen zu schlechten Büchern machen kann.
Wenn ich mir Standard-Thriller und -Krimis anschaue, habe ich oft den Eindruck, die Autoren wollen es sich einerseits leicht und andererseits ihr Buch besonders spannend machen, indem sie nach Gusto zwischen Ermittlerteam, Opfern, Zeugen, falschen Verdächtigen und gern auch dem (anonymisierten) Täter hin und her springen. Wenn es gut gemacht ist, kann das die Leser mitnehmen. Aber das funktioniert nur dann, wenn der Autor nicht nur seine Geschichte, sondern vor allem seine Figuren ganz besonders gut kennt und sich sicher im Plot bewegt. Denn damit ich als Leser mitfiebern kann, muss ich nicht nur orientiert bleiben zwischen all den Figurenperspektiven, es müssen mich auch idealerweise alle Figuren emotional berühren. Und dafür muss sich der Autor die Mühe machen, sich auf alle Figuren, aus deren Sicht er erzählen will, auch wirklich einzulassen. Sonst bleibt das Ganze eine oberflächliche Scharade, ein bisschen wie Kasperletheater für Erwachsene, bei denen der Leser immer mal wieder das Krokodil kommen sieht oder den Polizisten, bevor das Sepperl oder die Gretel das auch nur ahnen.
Aber wenn sich jemand die Mühe macht, aus all den einzelnen Figurenperspektiven ein Ganzes (also eine Perspektivstruktur) zu entwickeln, dann können multiperspektivische Erzählungen auch und erst recht in der dritten Person nicht nur Bestseller werden (wie die Thriller von Sebastian Fitzek oder Dan Brown), sondern hohe Kunst sein. Achten Sie einfach mal bei den nächsten Büchern, die Sie lesen, darauf, wer die Hauptfigur ist und aus wessen Sicht erzählt wird – und eben darauf, ob es sich um mono- oder multiperspektivisches Erzählen handelt.
Und weil man am besten von den Besten lernt, zum guten Schluss hier noch zwei Buchtipps:
The Taking of Pelham One Two Three (1973), der Thriller um die Entführung einer New Yorker U-Bahn, den Morton Freedgood unter dem Pseudonym John Godey veröffentlichte, kennen die meisten vermutlich aus einer der verschiedenen Verfilmung. Der an sich schon spannenden Geschichte fügt der Roman (deutsche Übersetzung: Abfahrt Pelham 1 Uhr 23) über die Perspektivstruktur noch ein weiteres Element hinzu: Als Leser kennen wir nur die Alias-Namen der Täter im Zug, wir wissen nicht, wie sie aussehen. Obwohl wir erleben, dass sie da sind, und erfahren, was sie vorhaben, wissen wir nicht, wer wer ist. Das heißt, hier gelingt es über den Mix aus Figurenperspektiven den Leser einerseits tief in die Gedanken und Pläne der (Täter-) Figuren blicken zu lassen und ihnen doch so ausgeliefert zu sein wie die Geiseln bzw. ein den Ermittlern ähnliches Problem bei deren Identifizierung zu haben.
Wer es literarischer mag, dem sei Virginia Woolfs Roman The Waves (deutsch: Die Wellen) aus dem Jahr 1931 empfohlen. Mithilfe der Gedankenströme von sechs Figuren, allesamt Freunde, wird nicht nur das Wesen dieser sechs Individuen und ihrer Freundschaft erkundet, es wird zugleich die Geschichte eines abwesenden siebten, der selbst nie zum aktiven Sprecher wird, erzählt. Ein meisterhaftes und poetisches Verfahren.
Haben Sie Vergnügen beim Lesen! Von dem Sie sich zu eigenen Experimenten inspirieren lassen sollten. Denn, Sie wissen ja: Schreiben lernt man nur durchs Schreiben ...
Mischa Bach alias Dr. Michaela Bach ist nicht nur Autorin und Drehbuchautorin, sondern auch Dramatikerin, Übersetzerin und Sachbuchautorin. Ihre einfühlsamen und präzisen Texte wurden mit dem Martha-Saalfeld-Preis ausgezeichnet und für den Glauser-Preis nominiert. Die promovierte Filmwissenschaftlerin arbeitet außerdem als Dozentin und als Lektorin, unterrichtet Literaturwissenschaft an der Universität Essen und gibt immer wieder Schreibkurse für werdende Autoren.
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Tatort-Schreibtisch-Buch der Woche
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln"
Der erfolgreiche Roman- und Drehbuchautor Jan Schröter verrät in diesem höchst vergnüglichen Schreibratgeber 22 Regeln, die ihm auf dem Weg zum Autor geholfen haben...Das ist nicht nur für werdende Autoren interessant, sondern auch
für alle, die mehr von der Welt erfahren möchten, in der sich Autoren
bewegen. Denn Schröter gibt nicht nur Schreibtipps, sondern er ergänzt
seine Ratschläge mit augenzwinkernden Berichten aus seinem Arbeitsleben.
Absolut lesenswert!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Der ultimative Bericht aus der Autorenpraxis - amüsant und lehrreich!
ISBN 9783946312154
136 Seiten
Print-Ausgabe: 12 € (A: 12,40 €)
E-Book: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESEPROBE
Vor einiger Zeit bat mich mein Verleger um einen kurzen Text darüber, wie ich ein Autor geworden bin. Er wusste damals bereits, dass ich diesbezüglich einige schillernde Geschichten zu bieten hatte. Und als ich meinen Text ablieferte, war uns beiden klar: Dies kann nur das erste Kapitel eines Romans sein.
Das wurde es dann auch. Der Roman „Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte … ich als russischer Arzt praktizierte, das Liebesleben einer Chefsekretärin beflügelte und trotzdem Autor wurde“ verpackt persönliche Erfahrungen in eine fiktive Rahmenhandlung. Zur Auflockerung, als „Running Gag“ und um zwischendurch immer mal wieder den Bezug zum Schreiben herzustellen, verpasste ich jedem Kapitel mindestens eine besondere, schrifttypisch abgesetzte Textzeile. In diesen Zeilen formulierte ich Schreibregeln, 22 griffige Thesen aus der Praxis des Autorendaseins.
Und als der Roman fertig war, meldete sich wieder mein Verleger.
„Diese Schreibregeln, die sind großartig! Damit musst du mir unbedingt noch ein Buch schreiben. Für unsere Berufskollegen und überhaupt für jeden, der sich für das Schreiben interessiert.“
Ich hasse die meisten pädagogischen Sachbücher. Und zwar aus Erfahrung, ich habe in grauer Vorzeit Erziehungswissenschaft studiert. Spätestens, wenn man konsterniert und allein vor einer voll aus dem Ruder gelaufenen Horde Achtklässler steht, wird einem bewusst, dass man 99 Prozent dieser Schlaubergerliteratur in die Tonne treten kann. Deshalb lautete meine Antwort:
„Die 22 Schreibregeln meine ich zwar durchaus ernst. Aber das ist weder in didaktisch durchdachter Reihenfolge sortiert, noch begründet es eine verbindliche Schreiblehre.“
„Schon klar“, antwortete mein Verleger, von meiner abwehrenden Haltung unbeeindruckt.
„Ich bin kein Literaturprofessor“, versuchte ich es noch einmal, „die Regeln decken sich mit meiner persönlichen Berufserfahrung, das ist alles. Ich möchte kein Schulbuch schreiben, sondern unterhaltsame Geschichten erzählen.“
„Mach das“, sprach mein Verleger gelassen. „Hauptsache, es geht dabei um die Schreibregeln. Ich bin mir sicher, du hast dazu etwas zu sagen.“
Und das haben Sie jetzt davon.
Ergänzend zu den »Goldenem Schreibregeln« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben, einen Roman, in dem er seinen Weg zum Autor bescheibt: »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …«
© Autorenfoto: Hocky Neubert
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Der ultimative Bericht aus der Autorenpraxis - amüsant und lehrreich!
ISBN 9783946312154
136 Seiten
Print-Ausgabe: 12 € (A: 12,40 €)
E-Book: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESEPROBE
Vor einiger Zeit bat mich mein Verleger um einen kurzen Text darüber, wie ich ein Autor geworden bin. Er wusste damals bereits, dass ich diesbezüglich einige schillernde Geschichten zu bieten hatte. Und als ich meinen Text ablieferte, war uns beiden klar: Dies kann nur das erste Kapitel eines Romans sein.
Das wurde es dann auch. Der Roman „Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte … ich als russischer Arzt praktizierte, das Liebesleben einer Chefsekretärin beflügelte und trotzdem Autor wurde“ verpackt persönliche Erfahrungen in eine fiktive Rahmenhandlung. Zur Auflockerung, als „Running Gag“ und um zwischendurch immer mal wieder den Bezug zum Schreiben herzustellen, verpasste ich jedem Kapitel mindestens eine besondere, schrifttypisch abgesetzte Textzeile. In diesen Zeilen formulierte ich Schreibregeln, 22 griffige Thesen aus der Praxis des Autorendaseins.
Und als der Roman fertig war, meldete sich wieder mein Verleger.
„Diese Schreibregeln, die sind großartig! Damit musst du mir unbedingt noch ein Buch schreiben. Für unsere Berufskollegen und überhaupt für jeden, der sich für das Schreiben interessiert.“
Ich hasse die meisten pädagogischen Sachbücher. Und zwar aus Erfahrung, ich habe in grauer Vorzeit Erziehungswissenschaft studiert. Spätestens, wenn man konsterniert und allein vor einer voll aus dem Ruder gelaufenen Horde Achtklässler steht, wird einem bewusst, dass man 99 Prozent dieser Schlaubergerliteratur in die Tonne treten kann. Deshalb lautete meine Antwort:
„Die 22 Schreibregeln meine ich zwar durchaus ernst. Aber das ist weder in didaktisch durchdachter Reihenfolge sortiert, noch begründet es eine verbindliche Schreiblehre.“
„Schon klar“, antwortete mein Verleger, von meiner abwehrenden Haltung unbeeindruckt.
„Ich bin kein Literaturprofessor“, versuchte ich es noch einmal, „die Regeln decken sich mit meiner persönlichen Berufserfahrung, das ist alles. Ich möchte kein Schulbuch schreiben, sondern unterhaltsame Geschichten erzählen.“
„Mach das“, sprach mein Verleger gelassen. „Hauptsache, es geht dabei um die Schreibregeln. Ich bin mir sicher, du hast dazu etwas zu sagen.“
Und das haben Sie jetzt davon.
Ergänzend zu den »Goldenem Schreibregeln« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben, einen Roman, in dem er seinen Weg zum Autor bescheibt: »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …«
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Schreibregel der Woche

© Autorenfoto: Hocky Neubert
Sie schreiben gern, aber nur, wenn es Ihnen gerade passt und Spaß macht?
Die Veröffentlichung Ihres Werks wäre Ihnen vor allem eine Ehre, das Geld eher nicht so wichtig?
Es kränkt Sie, dass kein Schwein Ihr Buch kauft, doch letztendlich beeinträchtigt das nicht maßgeblich Ihren Lebensstandard?
Existenzangst nervt, aber macht kreativ
von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Sie schreiben gern, aber nur, wenn es Ihnen gerade passt und Spaß macht?
Die Veröffentlichung Ihres Werks wäre Ihnen vor allem eine Ehre, das Geld eher nicht so wichtig?
Es kränkt Sie, dass kein Schwein Ihr Buch kauft, doch letztendlich beeinträchtigt das nicht maßgeblich Ihren Lebensstandard?
Sie dürfen gerne aufhören, diese Schreibregel zu lesen.
Oder sieht es so bei Ihnen aus: Sie erwägen vielleicht doch, das Schreiben zum Beruf zu machen? Möglicherweise nicht sofort, aber später bestimmt?
Sie verfügen weder über ein gediegenes Vermögen noch über lukrative Nebenverdienste, begüterte Erbverwandte oder einen millionenschweren Ehepartner?
Bitte, erst einmal dieses Kapitel lesen. Gern auch zweimal.
Als sogenannter „freier Autor“ agiert man als Selbständiger. Das läuft in vielerlei Hinsicht nicht anders als bei anderen selbständig Gewerbetreibenden. Malermeister, Anwältin oder Fahrlehrer – alle, die ihren Beruf nicht in Festanstellung, sondern als Unternehmer ausüben, teilen viele ähnlich geartete Probleme. Zu viele Aufträge, zu wenige Aufträge. Schwierige Kunden, säumige Honorarzahler.
Und, wenn’s richtig übel läuft: Gar keine Kunden und kein Honorar in Aussicht – nicht mal ein bislang vergeblich angemahntes.
Am Ende dieser Durststrecke gibt es plötzlich Angebote für alle. Der Malermeister soll eine Hausfassade streichen. Die Anwältin vertritt eine Mandantin im Scheidungsprozess. Der Fahrlehrer bekommt einen neuen Fahrschüler. Und der Autor darf einen lustigen Kurzkrimi schreiben, für eine geplante Anthologie mit dem programmatischen Titel „Die fröhliche Giftküche“. Abgabetermin: Nächste Woche. Und gut wäre, wenn Autor auch noch ein zur Kurzgeschichte passendes Koch- oder Backrezept beisteuerte, fordert der Auftraggeber (bevor Sie nun vergeblich nach diesem Werk suchen: Ich habe es mir ausgedacht. Artverwandte Titel finden Sie in der Buchhandlung Ihres Vertrauens. Jede Menge.).
Malermeister, Anwältin und Fahrlehrer wissen nun ganz genau, was zu tun ist. Sie spulen das ab, was sie immer machen, wenn mal wieder eine Fassade zu streichen, ein Scheidungsverfahren einzuleiten oder einem Verkehrsnovizen das Zusammenspiel von Kupplung, Gaspedal und Bremse beizubringen ist. Der Autor dagegen muss plötzlich etwas aus dem Hut zaubern, woran er zuvor noch nicht mal gedacht hat. Versetzen wir uns doch mal in die Gedankenwelt dieser gebeutelten Person:
„Giftküche“, so was Beknacktes. Völlig unkomisch und abgedroschen. Na gut, zehn bis zwölf Normseiten zum Thema sollten sich ja wohl in einer Woche raushauen lassen. Eigentlich darf das keine drei Tage dauern, gibt ja bloß 200 Euro Honorar. Hey, da könnte ich Gabi am Samstag ins Kino einladen und beim Griechen waren wir schon ewig nicht … Naja, die Stromrechnung ist leider auch noch offen. Und überhaupt muss mir erst mal die Geschichte einfallen!
Kochrezept, was für ein Kochrezept, bei mir brennt schon heißes Wasser an, wenn ich am Herd stehe. Krimi und Kochrezept. 20 Autoren, 20 Kurzkrimis zum Thema „Giftküche“. Da wird nachher garantiert in jeder Story Gift in die Suppe, den Kuchen oder den Cocktail gemischt – etwas anderes fällt den Kollegen doch nicht ein! Mir leider auch nicht. Verdammt, das hat alles keinen Sinn. Ich rufe beim Verleger an und sage, ich hätte mich mit anderen Terminen vertan, es geht leider nicht … Ich könnte heulen. Da kriegt man endlich mal eine Anfrage, und dann fällt mir nichts ein. Bestimmt fällt mir sowieso nie wieder etwas ein! Reicht mir den Schierlingsbecher. Schierlingsbecher?
Schierlingsbecher!
Stell dir vor: Große Betriebsweihnachtsfeier, der Vorstand hat gerade die Schließung des Standorts zum Neujahr verkündet. Buchhalter Achim, ohnehin schon verzweifelt an unerfüllter Liebe zur Sekretärin Elfie, schüttet sich Gift in ein Glas Punsch, um seinem öden Dasein ein Ende zu setzen. Doch bevor Achim das Gebräu trinken kann, fällt ihm Elfie um den Hals: Ab jetzt arbeiten sie und Achim ja nicht mehr zusammen, deshalb traut sie sich endlich, ihm zu gestehen, wie scharf sie ihn findet! Beide brechen sofort auf zum nächstgelegenen Hotelbett, während der immer noch gefüllte Giftbecher zurückbleibt und im Verlauf der immer wilder ausufernden Betriebsfeier durch verschiedene Hände geht, dabei mehr als einmal beinahe ausgetrunken wird, aber doch jedes Mal unberührt bleibt – bis endlich die beschwipste Chefsekretärin mit dem Inhalt des Giftbechers kurzerhand eine bunte Punschbowle auffüllt, die sie anschließend am Tisch des Vorstands serviert. Der hatte zwar eben noch die Betriebsschließung ohne Bauchweh verkündet, aber nun kommt er nicht so leicht weg.
Super! Dazu noch das alte Punschrezept von Oma, und die Story ist im Kasten. Könnte ich gleich schreiben. Obwohl, Montag reicht auch noch. Ist ja so gut wie fertig. Jetzt lieber Gabi anrufen. Wegen Kino am Wochenende. Und Essen gehen beim Griechen. Scheiß auf die Stromrechnung.
So oder ähnlich kann es laufen, wenn Existenzdruck Kreativität generiert. Es gibt Menschen, bei denen genau das wunderbar funktioniert. Ich zähle mich durchaus dazu, glücklicherweise. Es ist keine Eigenschaft, die ich mir angeeignet oder in irgendeiner Weise verdient habe. Einfach mal Schwein gehabt, würde ich sagen. Wer unter Existenzdruck keinen klaren Gedanken mehr zu fassen vermag, hat als freier Autor ein existenzielles Problem.
Denn leider ist jedes Geld bald wieder ausgegeben. Vielleicht dauert es lange mit einem nächsten Auftrag. Oder es kommt eine Anfrage, aber diesmal fällt einem wirklich nichts dazu ein. Der Strom wird aufgrund unbeglichener Zahlungsrückstände abgestellt, und wenn Gabi diese Lebensumstände irgendwann keineswegs mehr romantisch findet, kann man ihr das nicht verdenken.
Neben dem Schreiben einer „Broterwerbsarbeit“ oder wenigstens einem Nebenjob nachzugehen, der einem zumindest die Stromrechnung und einige andere Dinge sichert, ist also vielleicht nicht die schlechteste Taktik. Die Frage ist allerdings, ob daneben noch genug Energie und Konzentrationsfähigkeit übrig bleibt, um Meisterwerke zu schreiben. Diese Frage kann sich jeder nur selbst beantworten. Spätestens dann, wenn man sich dem Dauerdilemma ausgeliefert sieht, immer dann gerade am liebsten schreiben zu wollen, wenn man sich mit dem weniger geliebten „Brot-Job“ beschäftigen muss. Je anspruchsvoller dieser „Brot-Job“ ist, desto schlimmer wird diese Zwickmühle. Ich, beispielsweise, hatte zu Beginn meiner Autorenkarriere erwogen, als Sonderschullehrer zu arbeiten. Freie Nachmittage, andauernd Schulferien – da ließe es sich doch ganz prima nebenbei Bestseller schreiben. Ich begriff zum Glück sehr, sehr schnell, dass ich in dieser Kombination auf Dauer weder dem Lehrerberuf noch meiner Neigung gerecht werden würde. Und weil es schon genug frustrierte Lehrer gab, entschied ich mich für die Neigung.
Mit allen Konsequenzen.
Natürlich, Sie glauben an sich und Ihre schriftstellerische Begabung. Der erste Roman muss nur erst fertig werden und beim Verlag untergebracht sein, dann rollt der Rubel! Bevor Sie jetzt Freunde anpumpen oder einen Bankkredit aufnehmen, um die paar Monate zu finanzieren, die Sie vermutlich benötigen, um diesen Roman zu schreiben:
GROSSES STOPPSCHILD!
Erst einmal überlegen: Wie viel Geld benötigen Sie monatlich zum Lebensunterhalt? Bedenken Sie dabei, dass Sie als Autor/in freiberuflich tätig sind, also Einkommenssteuerpflichtig sind, sich um die Altersversorgung kümmern müssen und dergleichen. Weihnachts- oder Urlaubsgeld gibt es nicht, und wenn Sie sich die Grippe einfangen und zwei Wochen flachliegen, schreibt niemand Ihren Roman weiter, alles dauert länger und Sie brauchen noch mehr Geld. Sagen wir mal, 2.000 Euro brutto im Monat sollten es schon sein. Und, mal ehrlich: Üppig gerechnet ist das nicht.
Das Thema „Schreibgeschwindigkeit“ lässt sich nochmal in der Schreibregel Nr. 8 nachlesen. Falls Sie nicht der absolute Überflieger in Sachen Tempo sind, sondern halbwegs normal ticken, benötigen Sie sechs bis sieben Monate (also 14000 Euro Lebensunterhalt), um einen unterhaltsames Taschenbuch von etwa 300 Seiten Umfang zu verfassen. Und weil es von Ihnen und deshalb hervorragend geworden ist, nimmt es auch ein Verlag unter Vertrag.
Ich habe mehrere Taschenbuch-Romane in einem großen, renommierten Verlag veröffentlicht. Umfang jeweils knapp über 300 Seiten, Ladenverkaufspreis 8,99 Euro. Preisfrage: Wie viel davon landet auf dem Konto des Autors?
Antwort: 42 Cent.
Um überhaupt nur die 14000 Euro herauszubekommen, die für Ihren Lebensunterhalt während der Schreibphase draufgegangen sind, müssten über 33000 Exemplare Ihres Romans verkauft werden (die allermeisten Bücher erreichen diese Stückzahl bei Weitem nicht, lehren Erfahrung und Statistik). Und selbst, wenn die Autorentantieme tatsächlich zur Deckung Ihrer Lebenshaltungskosten während der Schreibphase gerade eben reichen sollte: Sie wollen ja auch noch die zweite Jahreshälfte überleben. Zwar ist Ihnen dringend danach, nach erfolgreicher Beendigung des Romans erst mal Urlaub zu machen, um das Gehirn durchzupusten, aber Sie müssten möglichst schnell den nächsten Roman, das nächste Drehbuch oder Theaterstück in Angriff nehmen, weil sonst der Strom abgestellt und Gabi das gar nicht witzig finden wird.
Bleibt festzuhalten: Schreiben als ausschließlich ausgeübter Beruf bedeutet in den meisten Fällen permanente Existenzangst. Damit muss man umgehen können. Lässt man es zu, dass diese Angst die eigenen Gedanken lähmt, hat man verloren. Keine Idee = keine Geschichte = kein Honorar, so simpel ist das. Existenzangst ist eine Fessel, doch möchte man kreativ sein, sind den Gedanken unbedingt sämtliche Fesseln zu lösen. Weniger poetisch, aber noch trefflicher beschrieb es neulich ein guter Freund von mir, der als rustikaler Mann von der Küste ansonsten nicht viele Worte macht:
„Mit voller Hose kann man nicht nachdenken.“
So ist es.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

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Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Oder sieht es so bei Ihnen aus: Sie erwägen vielleicht doch, das Schreiben zum Beruf zu machen? Möglicherweise nicht sofort, aber später bestimmt?
Sie verfügen weder über ein gediegenes Vermögen noch über lukrative Nebenverdienste, begüterte Erbverwandte oder einen millionenschweren Ehepartner?
Bitte, erst einmal dieses Kapitel lesen. Gern auch zweimal.
Als sogenannter „freier Autor“ agiert man als Selbständiger. Das läuft in vielerlei Hinsicht nicht anders als bei anderen selbständig Gewerbetreibenden. Malermeister, Anwältin oder Fahrlehrer – alle, die ihren Beruf nicht in Festanstellung, sondern als Unternehmer ausüben, teilen viele ähnlich geartete Probleme. Zu viele Aufträge, zu wenige Aufträge. Schwierige Kunden, säumige Honorarzahler.
Und, wenn’s richtig übel läuft: Gar keine Kunden und kein Honorar in Aussicht – nicht mal ein bislang vergeblich angemahntes.
Am Ende dieser Durststrecke gibt es plötzlich Angebote für alle. Der Malermeister soll eine Hausfassade streichen. Die Anwältin vertritt eine Mandantin im Scheidungsprozess. Der Fahrlehrer bekommt einen neuen Fahrschüler. Und der Autor darf einen lustigen Kurzkrimi schreiben, für eine geplante Anthologie mit dem programmatischen Titel „Die fröhliche Giftküche“. Abgabetermin: Nächste Woche. Und gut wäre, wenn Autor auch noch ein zur Kurzgeschichte passendes Koch- oder Backrezept beisteuerte, fordert der Auftraggeber (bevor Sie nun vergeblich nach diesem Werk suchen: Ich habe es mir ausgedacht. Artverwandte Titel finden Sie in der Buchhandlung Ihres Vertrauens. Jede Menge.).
Malermeister, Anwältin und Fahrlehrer wissen nun ganz genau, was zu tun ist. Sie spulen das ab, was sie immer machen, wenn mal wieder eine Fassade zu streichen, ein Scheidungsverfahren einzuleiten oder einem Verkehrsnovizen das Zusammenspiel von Kupplung, Gaspedal und Bremse beizubringen ist. Der Autor dagegen muss plötzlich etwas aus dem Hut zaubern, woran er zuvor noch nicht mal gedacht hat. Versetzen wir uns doch mal in die Gedankenwelt dieser gebeutelten Person:
„Giftküche“, so was Beknacktes. Völlig unkomisch und abgedroschen. Na gut, zehn bis zwölf Normseiten zum Thema sollten sich ja wohl in einer Woche raushauen lassen. Eigentlich darf das keine drei Tage dauern, gibt ja bloß 200 Euro Honorar. Hey, da könnte ich Gabi am Samstag ins Kino einladen und beim Griechen waren wir schon ewig nicht … Naja, die Stromrechnung ist leider auch noch offen. Und überhaupt muss mir erst mal die Geschichte einfallen!
Kochrezept, was für ein Kochrezept, bei mir brennt schon heißes Wasser an, wenn ich am Herd stehe. Krimi und Kochrezept. 20 Autoren, 20 Kurzkrimis zum Thema „Giftküche“. Da wird nachher garantiert in jeder Story Gift in die Suppe, den Kuchen oder den Cocktail gemischt – etwas anderes fällt den Kollegen doch nicht ein! Mir leider auch nicht. Verdammt, das hat alles keinen Sinn. Ich rufe beim Verleger an und sage, ich hätte mich mit anderen Terminen vertan, es geht leider nicht … Ich könnte heulen. Da kriegt man endlich mal eine Anfrage, und dann fällt mir nichts ein. Bestimmt fällt mir sowieso nie wieder etwas ein! Reicht mir den Schierlingsbecher. Schierlingsbecher?
Schierlingsbecher!
Stell dir vor: Große Betriebsweihnachtsfeier, der Vorstand hat gerade die Schließung des Standorts zum Neujahr verkündet. Buchhalter Achim, ohnehin schon verzweifelt an unerfüllter Liebe zur Sekretärin Elfie, schüttet sich Gift in ein Glas Punsch, um seinem öden Dasein ein Ende zu setzen. Doch bevor Achim das Gebräu trinken kann, fällt ihm Elfie um den Hals: Ab jetzt arbeiten sie und Achim ja nicht mehr zusammen, deshalb traut sie sich endlich, ihm zu gestehen, wie scharf sie ihn findet! Beide brechen sofort auf zum nächstgelegenen Hotelbett, während der immer noch gefüllte Giftbecher zurückbleibt und im Verlauf der immer wilder ausufernden Betriebsfeier durch verschiedene Hände geht, dabei mehr als einmal beinahe ausgetrunken wird, aber doch jedes Mal unberührt bleibt – bis endlich die beschwipste Chefsekretärin mit dem Inhalt des Giftbechers kurzerhand eine bunte Punschbowle auffüllt, die sie anschließend am Tisch des Vorstands serviert. Der hatte zwar eben noch die Betriebsschließung ohne Bauchweh verkündet, aber nun kommt er nicht so leicht weg.
Super! Dazu noch das alte Punschrezept von Oma, und die Story ist im Kasten. Könnte ich gleich schreiben. Obwohl, Montag reicht auch noch. Ist ja so gut wie fertig. Jetzt lieber Gabi anrufen. Wegen Kino am Wochenende. Und Essen gehen beim Griechen. Scheiß auf die Stromrechnung.
So oder ähnlich kann es laufen, wenn Existenzdruck Kreativität generiert. Es gibt Menschen, bei denen genau das wunderbar funktioniert. Ich zähle mich durchaus dazu, glücklicherweise. Es ist keine Eigenschaft, die ich mir angeeignet oder in irgendeiner Weise verdient habe. Einfach mal Schwein gehabt, würde ich sagen. Wer unter Existenzdruck keinen klaren Gedanken mehr zu fassen vermag, hat als freier Autor ein existenzielles Problem.
Denn leider ist jedes Geld bald wieder ausgegeben. Vielleicht dauert es lange mit einem nächsten Auftrag. Oder es kommt eine Anfrage, aber diesmal fällt einem wirklich nichts dazu ein. Der Strom wird aufgrund unbeglichener Zahlungsrückstände abgestellt, und wenn Gabi diese Lebensumstände irgendwann keineswegs mehr romantisch findet, kann man ihr das nicht verdenken.
Neben dem Schreiben einer „Broterwerbsarbeit“ oder wenigstens einem Nebenjob nachzugehen, der einem zumindest die Stromrechnung und einige andere Dinge sichert, ist also vielleicht nicht die schlechteste Taktik. Die Frage ist allerdings, ob daneben noch genug Energie und Konzentrationsfähigkeit übrig bleibt, um Meisterwerke zu schreiben. Diese Frage kann sich jeder nur selbst beantworten. Spätestens dann, wenn man sich dem Dauerdilemma ausgeliefert sieht, immer dann gerade am liebsten schreiben zu wollen, wenn man sich mit dem weniger geliebten „Brot-Job“ beschäftigen muss. Je anspruchsvoller dieser „Brot-Job“ ist, desto schlimmer wird diese Zwickmühle. Ich, beispielsweise, hatte zu Beginn meiner Autorenkarriere erwogen, als Sonderschullehrer zu arbeiten. Freie Nachmittage, andauernd Schulferien – da ließe es sich doch ganz prima nebenbei Bestseller schreiben. Ich begriff zum Glück sehr, sehr schnell, dass ich in dieser Kombination auf Dauer weder dem Lehrerberuf noch meiner Neigung gerecht werden würde. Und weil es schon genug frustrierte Lehrer gab, entschied ich mich für die Neigung.
Mit allen Konsequenzen.
Natürlich, Sie glauben an sich und Ihre schriftstellerische Begabung. Der erste Roman muss nur erst fertig werden und beim Verlag untergebracht sein, dann rollt der Rubel! Bevor Sie jetzt Freunde anpumpen oder einen Bankkredit aufnehmen, um die paar Monate zu finanzieren, die Sie vermutlich benötigen, um diesen Roman zu schreiben:
GROSSES STOPPSCHILD!
Erst einmal überlegen: Wie viel Geld benötigen Sie monatlich zum Lebensunterhalt? Bedenken Sie dabei, dass Sie als Autor/in freiberuflich tätig sind, also Einkommenssteuerpflichtig sind, sich um die Altersversorgung kümmern müssen und dergleichen. Weihnachts- oder Urlaubsgeld gibt es nicht, und wenn Sie sich die Grippe einfangen und zwei Wochen flachliegen, schreibt niemand Ihren Roman weiter, alles dauert länger und Sie brauchen noch mehr Geld. Sagen wir mal, 2.000 Euro brutto im Monat sollten es schon sein. Und, mal ehrlich: Üppig gerechnet ist das nicht.
Das Thema „Schreibgeschwindigkeit“ lässt sich nochmal in der Schreibregel Nr. 8 nachlesen. Falls Sie nicht der absolute Überflieger in Sachen Tempo sind, sondern halbwegs normal ticken, benötigen Sie sechs bis sieben Monate (also 14000 Euro Lebensunterhalt), um einen unterhaltsames Taschenbuch von etwa 300 Seiten Umfang zu verfassen. Und weil es von Ihnen und deshalb hervorragend geworden ist, nimmt es auch ein Verlag unter Vertrag.
Ich habe mehrere Taschenbuch-Romane in einem großen, renommierten Verlag veröffentlicht. Umfang jeweils knapp über 300 Seiten, Ladenverkaufspreis 8,99 Euro. Preisfrage: Wie viel davon landet auf dem Konto des Autors?
Antwort: 42 Cent.
Um überhaupt nur die 14000 Euro herauszubekommen, die für Ihren Lebensunterhalt während der Schreibphase draufgegangen sind, müssten über 33000 Exemplare Ihres Romans verkauft werden (die allermeisten Bücher erreichen diese Stückzahl bei Weitem nicht, lehren Erfahrung und Statistik). Und selbst, wenn die Autorentantieme tatsächlich zur Deckung Ihrer Lebenshaltungskosten während der Schreibphase gerade eben reichen sollte: Sie wollen ja auch noch die zweite Jahreshälfte überleben. Zwar ist Ihnen dringend danach, nach erfolgreicher Beendigung des Romans erst mal Urlaub zu machen, um das Gehirn durchzupusten, aber Sie müssten möglichst schnell den nächsten Roman, das nächste Drehbuch oder Theaterstück in Angriff nehmen, weil sonst der Strom abgestellt und Gabi das gar nicht witzig finden wird.
Bleibt festzuhalten: Schreiben als ausschließlich ausgeübter Beruf bedeutet in den meisten Fällen permanente Existenzangst. Damit muss man umgehen können. Lässt man es zu, dass diese Angst die eigenen Gedanken lähmt, hat man verloren. Keine Idee = keine Geschichte = kein Honorar, so simpel ist das. Existenzangst ist eine Fessel, doch möchte man kreativ sein, sind den Gedanken unbedingt sämtliche Fesseln zu lösen. Weniger poetisch, aber noch trefflicher beschrieb es neulich ein guter Freund von mir, der als rustikaler Mann von der Küste ansonsten nicht viele Worte macht:
„Mit voller Hose kann man nicht nachdenken.“
So ist es.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

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Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Autoren live: Tatort-Schreibtisch-Hörbuch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte ..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das Leben kosten ...
Wer kann einen autobiographischen Roman besser lesen als der Autor selbst? Das hier ist der Beweis!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
ISBN 9783946312345
Hörbuch zum Download: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
Autorenportrait von Jan Schröter
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
Wer kann einen autobiographischen Roman besser lesen als der Autor selbst? Das hier ist der Beweis!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
ISBN 9783946312345
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
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„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
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Tatort-Schreibtisch-Autor der Woche
Ohne Buch aus dem Haus gehen? „Niemals“, sagt Peter Godazgar mit gespielter Empörung. Ebenso erstaunlich wie der vorgebrachte Umstand selbst, ist die Begründung, die er nachliefert: „Falls ich mal entführt werde. Damit die Geiselhaft nicht so langweilig wird.“
Peter Godazgar meint viele Dinge, die er sagt, nicht allzu ernst. Man könnte auch sagen: Er ist nicht nur ein äußerst sympathischer, sondern auch ein ziemlich lustiger Typ. Ich sage das nicht nur, weil er mein Mann ist. Doch seine ständigen Witzeleien führen nicht nur dazu, dass man – will man die Konversation mit ihm als gleichwertiger Partner überstehen – einen äußerst ausgeprägten Sinn für Ironie, fein gesetzte Pointen und bissige Bonmots benötigt.
Dabei haben sie durchaus einen ernsten Hintergrund: Der Mann war früher mal sehr schüchtern. Was man, wenn man ihn auf einer seiner sehenswerten, eher an Kabarett erinnernden Lesungen erlebt, kaum glauben mag. Doch schon als Kind hat Peter Godazgar seine leicht soziophobischen Züge erfolgreich als Klassenclown überspielt.
Das war auch gut so. Sonst hätte er womöglich niemals aus der behüteten Enge seines katholischen Heimatstädtchen Hückelhoven am Niederrhein herausgefunden. Dort unternahm er zwar auch erste Schreibübungen, tat sich ansonsten jedoch vor allem durch – echt wahr – Bibeltreue hervor und als Messdiener sowie Betreuer bei kirchlichen Jugend-Freizeiten.
Als das Leben und der Zufall ihn nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium an der RWTH Aachen in den Ostteil der neu sortierten Bundesrepublik schickte, blieb er glatt dort hängen. Nach vielen Jahren als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung schreibt er inzwischen die Reden für den Oberbürgermeister von Halle (Saale), einer notorisch unterschätzten Stadt, deren stellvertretender Pressesprecher er nun ebenfalls ist, und in der er mit Frau, Kindern und einem Schafpudel lebt.
Ein alter Kontakt in seine frühere niederrheinische Heimat war es, durch den Godazgar Ende der 1990er Jahre sogar fast schon ein bisschen berühmt wurde. Denn sein Jugendfreund Thomas Jahn drehte mit dem Schauspieler Til Schweiger den Erfolgsfilm „Knockin’ on heaven’s door“ – Peter Godazgar schrieb zwar nicht das Drehbuch, aber den Roman zum Film – oder, wie Godazgar sagt, „das Buch für alle jene, die den Film nicht verstanden hatten und noch mal nachlesen mussten“.
Seinen ersten eigenen Kriminalroman schrieb er einige Jahre später – im Zug. Jeden Morgen im Regionalexpress, auf dem Weg zur Arbeit. Und abends, auf dem Heimweg. Doch seine eingangs erwähnte Schüchternheit sorgte erst einmal dafür, dass das Werk für mehrere Jahre in einer Schreibtischschublade verschwand.
Erst durch gutes Zureden seiner Frau (also durch mich) fasste er schließlich den Mut, es an einen Verlag zu schicken. Der griff prompt zu. 2004 erschien das Buch „Unter Schweinen“ beim Dortmunder Grafit-Verlag und bildete den Auftakt für insgesamt drei Romane mit dem schusselig-chaotisch-neurotischen Privatermittler Markus Waldo. Einer Figur, die Godazgar irgendwie ziemlich ähnlich war und ist.
Neben einem Exkurs in das Genre Liebesroman sowie zwei kriminalistischen Gemeinschaftsprojekten mit sieben weiteren Autorenkollegen sind inzwischen etliche schwarzhumorige Krimi-Kurzgeschichten entstanden. Eine davon wurde 2017 für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Es sind vor allem diese Kurzgeschichten, die ein Dilemma offenbaren, das der Autor seit langem mit sich herumträgt: Er mag eigentlich keine Krimis. Und er mag auch keine epischen Schilderungen ausgeklügelter Foltermethoden, keine Metzeleien, keine bestialisch ausgeführten Morde und keine megacoolen Ermittler, die noch im größten Chaos einen lockeren Spruch aus der Hüfte schießen. Deshalb geht es bei ihm immer eher lustig zu.
Die Akteure, die bei Peter Godazgar zum Mörder werden, sind oft kleine Leute, ewige Verlierer, die irgendwie unverschuldet in eine blöde Situation geraten sind. Oft sind es liebe Kerle, denen man als Leser dort am liebsten selbst wieder heraushelfen möchte: Dirk, der Hartz-IV-Empfänger, der nachts in ein Einfamilienhaus einsteigt, und dabei einen Hexenschuss erleidet, zählt ebenso in diese Kategorie wie Georg Diepenbrock, der sozial und intellektuell benachteiligte ehemalige Kleinkriminelle, der sich als unfreiwillig komisches Michael-Jackson-Double durchs Leben schlägt.
All diese Geschichten und ihre Akteure mögen für Fans reiner Spannungsromane nicht unbedingt der geeignete Lesestoff sein. Wer jedoch Spaß an ulkigen Charakteren und Situationskomik hat, der kommt bei Godazgar voll auf seine Kosten. Übrigens: Die Geschichten werden umso besser, wenn der Autor sie selbst vorliest. Denn durch die vielen Auftritte vor Publikum hat er inzwischen nicht nur seine Schüchternheit abgelegt. Hinter ihr tritt außerdem etwas hervor, das sonst womöglich verschüttet geblieben wäre: Der Mann besitzt ein untrügliches Gefühl für Timing. Versprochen!
Ines Godazgar ist Journalistin und Ehefrau von Peter Godazgar
Peter Godazgar ist Tatort-Schreibtisch-Autor und liest in der Reihe "Tatort-Scheibtisch: Autoren live" seinen Krimi "Der tut nix, der will nur morden!"
Mehr Informationen zum Hörbuch "Der tut nix, der will nur morden!"
Peter Godazgar: Der Ex-Schüchterne mit dem ausgeprägten Gespür für Timing
Von Ines GodazgarOhne Buch aus dem Haus gehen? „Niemals“, sagt Peter Godazgar mit gespielter Empörung. Ebenso erstaunlich wie der vorgebrachte Umstand selbst, ist die Begründung, die er nachliefert: „Falls ich mal entführt werde. Damit die Geiselhaft nicht so langweilig wird.“
Peter Godazgar meint viele Dinge, die er sagt, nicht allzu ernst. Man könnte auch sagen: Er ist nicht nur ein äußerst sympathischer, sondern auch ein ziemlich lustiger Typ. Ich sage das nicht nur, weil er mein Mann ist. Doch seine ständigen Witzeleien führen nicht nur dazu, dass man – will man die Konversation mit ihm als gleichwertiger Partner überstehen – einen äußerst ausgeprägten Sinn für Ironie, fein gesetzte Pointen und bissige Bonmots benötigt.
Dabei haben sie durchaus einen ernsten Hintergrund: Der Mann war früher mal sehr schüchtern. Was man, wenn man ihn auf einer seiner sehenswerten, eher an Kabarett erinnernden Lesungen erlebt, kaum glauben mag. Doch schon als Kind hat Peter Godazgar seine leicht soziophobischen Züge erfolgreich als Klassenclown überspielt.
Das war auch gut so. Sonst hätte er womöglich niemals aus der behüteten Enge seines katholischen Heimatstädtchen Hückelhoven am Niederrhein herausgefunden. Dort unternahm er zwar auch erste Schreibübungen, tat sich ansonsten jedoch vor allem durch – echt wahr – Bibeltreue hervor und als Messdiener sowie Betreuer bei kirchlichen Jugend-Freizeiten.
Als das Leben und der Zufall ihn nach seinem Germanistik- und Geschichtsstudium an der RWTH Aachen in den Ostteil der neu sortierten Bundesrepublik schickte, blieb er glatt dort hängen. Nach vielen Jahren als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung schreibt er inzwischen die Reden für den Oberbürgermeister von Halle (Saale), einer notorisch unterschätzten Stadt, deren stellvertretender Pressesprecher er nun ebenfalls ist, und in der er mit Frau, Kindern und einem Schafpudel lebt.
Ein alter Kontakt in seine frühere niederrheinische Heimat war es, durch den Godazgar Ende der 1990er Jahre sogar fast schon ein bisschen berühmt wurde. Denn sein Jugendfreund Thomas Jahn drehte mit dem Schauspieler Til Schweiger den Erfolgsfilm „Knockin’ on heaven’s door“ – Peter Godazgar schrieb zwar nicht das Drehbuch, aber den Roman zum Film – oder, wie Godazgar sagt, „das Buch für alle jene, die den Film nicht verstanden hatten und noch mal nachlesen mussten“.
Seinen ersten eigenen Kriminalroman schrieb er einige Jahre später – im Zug. Jeden Morgen im Regionalexpress, auf dem Weg zur Arbeit. Und abends, auf dem Heimweg. Doch seine eingangs erwähnte Schüchternheit sorgte erst einmal dafür, dass das Werk für mehrere Jahre in einer Schreibtischschublade verschwand.
Erst durch gutes Zureden seiner Frau (also durch mich) fasste er schließlich den Mut, es an einen Verlag zu schicken. Der griff prompt zu. 2004 erschien das Buch „Unter Schweinen“ beim Dortmunder Grafit-Verlag und bildete den Auftakt für insgesamt drei Romane mit dem schusselig-chaotisch-neurotischen Privatermittler Markus Waldo. Einer Figur, die Godazgar irgendwie ziemlich ähnlich war und ist.
Neben einem Exkurs in das Genre Liebesroman sowie zwei kriminalistischen Gemeinschaftsprojekten mit sieben weiteren Autorenkollegen sind inzwischen etliche schwarzhumorige Krimi-Kurzgeschichten entstanden. Eine davon wurde 2017 für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.
Es sind vor allem diese Kurzgeschichten, die ein Dilemma offenbaren, das der Autor seit langem mit sich herumträgt: Er mag eigentlich keine Krimis. Und er mag auch keine epischen Schilderungen ausgeklügelter Foltermethoden, keine Metzeleien, keine bestialisch ausgeführten Morde und keine megacoolen Ermittler, die noch im größten Chaos einen lockeren Spruch aus der Hüfte schießen. Deshalb geht es bei ihm immer eher lustig zu.
Die Akteure, die bei Peter Godazgar zum Mörder werden, sind oft kleine Leute, ewige Verlierer, die irgendwie unverschuldet in eine blöde Situation geraten sind. Oft sind es liebe Kerle, denen man als Leser dort am liebsten selbst wieder heraushelfen möchte: Dirk, der Hartz-IV-Empfänger, der nachts in ein Einfamilienhaus einsteigt, und dabei einen Hexenschuss erleidet, zählt ebenso in diese Kategorie wie Georg Diepenbrock, der sozial und intellektuell benachteiligte ehemalige Kleinkriminelle, der sich als unfreiwillig komisches Michael-Jackson-Double durchs Leben schlägt.
All diese Geschichten und ihre Akteure mögen für Fans reiner Spannungsromane nicht unbedingt der geeignete Lesestoff sein. Wer jedoch Spaß an ulkigen Charakteren und Situationskomik hat, der kommt bei Godazgar voll auf seine Kosten. Übrigens: Die Geschichten werden umso besser, wenn der Autor sie selbst vorliest. Denn durch die vielen Auftritte vor Publikum hat er inzwischen nicht nur seine Schüchternheit abgelegt. Hinter ihr tritt außerdem etwas hervor, das sonst womöglich verschüttet geblieben wäre: Der Mann besitzt ein untrügliches Gefühl für Timing. Versprochen!
Ines Godazgar ist Journalistin und Ehefrau von Peter Godazgar
Peter Godazgar ist Tatort-Schreibtisch-Autor und liest in der Reihe "Tatort-Scheibtisch: Autoren live" seinen Krimi "Der tut nix, der will nur morden!"
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