Herzlich willkommen!
Sie schreiben ein Buch oder ein Theaterstück? Sie arbeiten an einem Drehbuch oder an einer Kurzgeschichte? Glückwunsch! Schreiben ist eines der schönsten Dinge der Welt! Aber es ist auch eine der einsamsten und schwierigsten Beschäftigungen, wenn man alleine vor seinem Text sitzt, ohne Hilfe, ohne Unterstützung.Das will Tatort-Schreibtisch ändern!
Von den Profis lernen – das ist die Logline unserer Autoreninitiative. Erfahrene und erfolgreiche Schreib-Profis berichten auf dieser Webseite von ihrer Arbeit und verraten Ihnen Tipps und Tricks, mit denen Sie auf dem Buchmarkt oder im Drehbuchgeschäft erfolgreich sind.
Das Herz unserer Initiative ist das Autorenpaten-Programm. Hier bieten Ihnen über 40 renommierte und professionell schreibende Autorinnen und Autoren an, Sie und Ihr Schreibprojekt mit ihrem Wissen und ihrem Rat zu begleiten.
Mit unserem Autorenpaten-Programm sind wir Partner des innovativen Verlagsprojektes Woobooks. Alle Manukripte, für die bei einem unserer Autorenpaten und -patinnen eine Manuskripteinschätzung gebucht wurde, haben die Chance auf eine Verlagsveröffentlichung.
In unserer Rubrik "Tatort -Schreibtisch: Ausgezeichnet!" präsentieren wir preisgekrönte oder preisnominierte Kurzgeschichten, die den jeweiligen Autoren große Beachtung verschafft haben - zum Nachlesen und zum Mut machen.
Ergänzt wird unsere Seite durch verschiedene Rubriken: zum Beispiel die "Frage der Woche", die "Schreibregel der Woche" oder auch der "Tatort der Woche", in der bekannte Autoren ihren Arbeitsplatz vorstellen.
In der Rubrik Über Tatort-Schreibtisch erklären wir kurz, wie die Webseite funktioniert, in der Rubrik FAQ beantworten wir alle Fragen zu unserem Autorenpaten-Programm.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr
Markus Stromiedel

Markus Stromiedel ist Autor und Drehbuchautor und Initiator von "Tatort-Schreibtisch"
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Profiautoren als Ratgeber
Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Autorenpaten-Programm
Das Programm und die Preise im Detail
Das sind die Autorenpaten
Manuskript für das Autorenpatenprogramm einreichen
Hilfe durch das Autorenpaten-Programm
Im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch haben Sie die Möglichkeit, sich für Ihr aktuelles Schreibprojekt eine professionelle Autorin oder einen erfolgreichen Autor als Ratgeber an Ihre Seite zu holen. Das Angebot reicht vom Info-Gespräch über die fachliche Einschätzung Ihres Manuskriptes bis zur Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agentur-Bewerbung. Alle Autorenpaten sind erfahrene Schreib-Profis, die ihre Texte erfolgreich in Verlagen veröffentlichen, häufig preisgekrönt sind und z.T. auch als Dozenten lehren. Tatort-Schreibtisch ist Partner von Woobooks.Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
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Autorenpatin der Woche
Wer schreiben will muss lesen – davon ist Sabine Trinkaus überzeugt. Ihr Weg zur professionellen Autorin begann in einer Schreibgruppe...
Sabine Trinkaus
Autorenpatin für ProsaWer schreiben will muss lesen – davon ist Sabine Trinkaus überzeugt. Ihr Weg zur professionellen Autorin begann in einer Schreibgruppe...
„Es war für mich enorm wichtig, mich der
fundierten Kritik auszusetzen und mich gleichzeitig mit den Texten
anderer zu befassen“, sagt sie, und der Erfolg gibt ihr Recht. Sabine
Trinkaus hat inzwischen fünf Romane geschrieben, deren Bandbreite von
Krimi bis Psychothriller reicht. Außerdem erschienen über 30
Kurzgeschichten, von denen etliche ausgezeichnet wurden (u.a.
Agatha-Christie-Krimipreis, Internationaler Kurzgeschichtenwettbewerb
der Stadt Mannheim, Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis).
Sabine Trinkaus ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Seeleinfeind, Emons
Schnapspralinen, Emons
Schnapsdrosseln, Emons
Schnapsleiche, Gmeiner
Kurzgeschichten
"Tamara Superstar", in: Killing you softly, KBV
"Lizzie Borden", in: Ungelöst, KBV
"Zwei Gänse", in: 24 spanende Krimigeschichten für den Advent, arsEdition
"Das Fröndenberger Kettensägenmassaker", in: Mord am Hellweg VII, Grafit
"Messer, Hammer, Beil", in: Nicht nur der Hund begraben, Ars Vivendi
"Bombenstimmung zum Fest der Liebe", in: Süßer die Schreie nie klingen, Knaur
"Agnus Die" in: Schöner Morden im Norden, Pendragon
Auszeichnungen
2013 nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzkrimi
2010 1. Platz Agatha Christie Krimipreis
2009 2. Platz Krimiwettbewerb Krimifest Heidelberg (mit Gruppe Schreibrausch)
2008 nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis
2008 1. Platz Pfungstädter Krimiwettbewerb ‚Mord und Blutwurst‘ (mit Gruppe Schreibrausch)
2007 Agatha Christie Krimipreis – Sonderpreis.
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Sabine Trinkaus ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Seeleinfeind, Emons
Schnapspralinen, Emons
Schnapsdrosseln, Emons
Schnapsleiche, Gmeiner
Kurzgeschichten
"Tamara Superstar", in: Killing you softly, KBV
"Lizzie Borden", in: Ungelöst, KBV
"Zwei Gänse", in: 24 spanende Krimigeschichten für den Advent, arsEdition
"Das Fröndenberger Kettensägenmassaker", in: Mord am Hellweg VII, Grafit
"Messer, Hammer, Beil", in: Nicht nur der Hund begraben, Ars Vivendi
"Bombenstimmung zum Fest der Liebe", in: Süßer die Schreie nie klingen, Knaur
"Agnus Die" in: Schöner Morden im Norden, Pendragon
Auszeichnungen
2013 nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzkrimi
2010 1. Platz Agatha Christie Krimipreis
2009 2. Platz Krimiwettbewerb Krimifest Heidelberg (mit Gruppe Schreibrausch)
2008 nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis
2008 1. Platz Pfungstädter Krimiwettbewerb ‚Mord und Blutwurst‘ (mit Gruppe Schreibrausch)
2007 Agatha Christie Krimipreis – Sonderpreis.
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Tatort der Woche
Mein Office in Vancouver ist leider auch Durchgangsstation in den Garten für Hunde, Kinder und andere! Trotzdem schaffe ich es…
Störungen erwünscht!
von Uwe BollMein Office in Vancouver ist leider auch Durchgangsstation in den Garten für Hunde, Kinder und andere! Trotzdem schaffe ich es…
immer mal wieder, die Tür zu blocken und in Ruhe zu schreiben. Da
mir schreiben schwer fällt, bin ich manchmal auch für die Störungen
dankbar, denn dann kann ich die Schuld auf andere schieben, wenn ich
wieder nix zustande bringe.
Mehr Informationen über das Buch "Ihr könnt mich mal!" von Uwe Boll
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Frage der Woche

Autorenfoto: Michael Fein
Um ein gutes Exposé schreiben zu können, muss man sich über eines klar sein: Es gibt zweierlei Exposé-Arten. Beide sind kurz und knapp geschrieben und eng mit dem Inhalt verbunden. Aber sie haben ganz unterschiedliche Aufgaben, und darum sind sie grundverschieden.
Das eine ist das Exposé zur Plotentwicklung. Das andere ist das Exposé, um ein Werk zu verkaufen.
Das Entwicklungsexposé
Es gibt Plotschulen, die sehr aufwändig und detailliert plotten. Auch wenn das nicht mein Weg ist, will ich es nicht schlecht reden. Es ist eine Methode, mit der viele Menschen erfolgreich arbeiten. Diese Methode beginnt mit einer Idee und dem Pitch. Dann entwirft man detailliert die Hauptcharktere.
Das Entwickungsexposé ist dann nächste Schritt, in dem die Handlung in eine Reihe von einzelnen Szenen oder Kapiteln aufgeteilt wird. Jede einzelne Handlungssequenz wird in einem nummerierten Stichpunkt, meist nur einem Satz, festgehalten. Hier erkennt man zum ersten Mal die Struktur, den Ablauf, die Entwicklung der Spannung und das Zusammenspiel der Handlungsstränge.
Dieses Exposé ist bei dieser Methode ein sehr wichtiger Zwischenschritt. Hierauf baut alles weitere auf. Die einzelnen nummerierten Punkte dieses Entwicklungsexposees werden dann immer weiter ausgebaut, ausgearbeitet und ausgeführt. Am Ende wird alles zum fertigen Roman vereinigt. Doch von dieser Art des Exposés will ich hier nicht reden.
Das Verkaufsexposé
Es geht hier um das andere Exposé, das Verkaufsexposé, mit dem man ein Werk bei einem Verlag oder bei einem Agenten einreicht.
Ein gutes Exposé ... ist höllisch schwer zu schreiben.
Man sollte diese Aufgabe trotzdem nicht scheuen. Ein Exposé ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich ein Bild über ein literarisches Werk verschaffen wollen. Denn das genau ist der Zweck: Man soll einem interessierten Leser – einem potentiellen Geschäftspartner – Überblick verschaffen und ihm die Infos geben, die er braucht, um das Werk richtig einzusortieren.
Noch ein wichtiger Punkt zur Klärung vorab: Das Exposé soll zwar helfen, ein Manuskript an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Es ist aber KEIN Werbetext. Es ist ein SACHTEXT. Daran sollte sich die Sprache orientieren. Nie wird sie reißerisch oder über die Maßen bescheiden sein. Sie muss klar sein und sachlich.
Alles in allem sollte das Exposé nicht länger als zwei Seiten werden. Peile also eine Seiten an. Denn kurz zu schreiben ist etrem schwer, meistens wird der Text länger. Bei mehr als zweieinhalb Seiten muss man aber dringend überlegen, wie man den Text kürzer hinbekommt.
Das Problem ist dabei die große Nähe des Autors zu seinem Werk. Man sieht rasch den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen - jetzt sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren, ist eine echte Herausforderung.
Was macht nun ein Exposé genau?
Ein Exposé gibt Auskunft über ein Manuskript, und zwar sowohl über die Geschichte an sich, aber auch über die Positionierung des Werkes auf dem Buchmarkt.
Es gibt nicht Auskunft über den Autor, seine Absichten oder Gedanken und Hintergründe. Der Autor tritt in hier den Hintergrund. Hier geht es um das Werk.
Das Exposé ist ein Verkaufsinstrument. Das Manuskript ist nun die Ware des Autors. Man muss das Werk ganz unromantisch verkaufen wie ein Auto oder ein Bügeleisen. Und darum müssen neben der Handlung auch technische – buchhändlerische – Fragen beantwortet werden.
Ein Exposé sollte aus folgenden Elementen bestehen:
o Pitch
-- Was für eine Geschichte hast Du erzählt? Was ist dabei herausgekommen? Oder, wenn sie noch nicht geschrieben ist – Aprioriexposés gibt es auch – was für eine Geschichte soll dabei herausgekommen? Alles, also der ganze Roman, reduziert in einen Satz, höchstens zwei Sätze: "Es ist die Geschichte von …, der …, um zu … und am Ende … ."
Das ist nicht einfach, man kann es aber an bekannten Werken üben, an „Heidi“, „Tom Sawyer“, der „Schatzinsel“ oder auch am „Froschkönig“.
o Vorstellung von Schauplatz, Protagonist(en) und Antagonist(en)
-- Wann, wo, wer? Hier nur das Wichtigste schreiben! Gib Antwort auf die Frage: Was zeichnet die Figuren und den Ort aus? Knapp, treffend, präzise formulieren.
o Kurze Zusammenfassung des Inhalts incl. Ende
-- Der Anfang, wichtigste Wendepunkte, das Ende. Keine Details schreiben, Nebenhandlungen zusammenfassen.
Eine halbe Seite ist das Soll. Das ist sehr wenig. Man muss lernen, gnadenlos zu vereinfachen. 600 Seiten Irrfahrt können da auch einmal mit „nach einer Vielzahl von Abenteuern und Verlusten“ zusammengefasst werden.
Wichtig: Das Ende gehört mit dazu! Keinen Cliffhänger! Es geht hier ums Verkaufen, nicht ums Genießen. Es darf und muss gespoilert werden.
Nun kommen schon die Technikas:
o Zielgruppe
-- Wen soll das Buch interessieren? Für wen wurde es geschrieben? Stell Dir die Zielgruppe genau vor. Was mögen Sie sonst noch?
o Zustand des Werkes
-- Ist es fertig? Ist es noch nicht verfasst? Wie oft überarbeitet? Sind Folgebände geplant oder in Arbeit?
o Umfang
-- Wie viel hast Du geschrieben oder willst Du schreiben? Die gebräuchlichste Maßeinheit ist die Normseite (NS).
o Beschreibung der benutzten Sprache und des Stils
-- Eher flott und flapsig, schwärmerisch oder sachlich schlicht? Auch diese Frage ist wichtig. Dialekt(e)? Wenn es ein lustiges Buch ist, versuche den Humor zu beschreiben und einzuordnen. Zwischen groben Schenkelklopfern á la Herrenabend und fein gesetzten Pointen oder drolliger Sprachkomik kann man seinen Text unterscheiden und sollte es auch tun.
o Positionierung auf dem Markt
-- Was sind Vorbilder, was ist vergleichbar? „Wem „X“ gefallen hat, wer sich von „Y“ verzaubern lies, dem wird auch dieses Buch gefallen.“
o Alleinstellungsmerkmale
-- Was macht das Manuskript einzigartig, wo ist das besondere?
o Das zu erwartende oder angestrebte Leseerlebnis
-- Das ist jetzt eher mein persönliches Ding. Ich finde es schön, damit abzuschließen. Was für ein Gefühl sollte (oder wird) der Leser haben, wenn er die letzte Zeile gelesen hat und das Buch schließt.
TIPP: Um den richtigen Ton zu treffen und präzise zu bleiben, hilft mir Oma.
Stell Dir beim Abfassen des Exposés einfach vor, Du erzählst alles einer Oma, die mit einer Papiertüte auf einer Parkbank sitzt und Tauben füttert. (Diesmal wollen wir die unselige Flugrattenfütterei duchgehen lassen!) Erzähl ihr von Deinem Buch, und zwar all das, was im Exposé stehen soll. Aber: Du hast nur solange Zeit, wie sie noch Taubenfutter hat. Mach es also einfach, schlage gerade Achsen durch den Dschungel der Details und verzettel Dich nicht in Einzelheiten. Sprich ruhig, sonst verscheuchst Du die Tauben. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, aber versuche auch nicht, der Oma etwas anzudrehen. Sprich freundlich mit Ihr, gelassen, ohne Schnörkel und Effekthascherei. Und ohne Umwege!
Zur Form:
Wenn wir es am Telefon geschafft haben, den Agenten oder Verleger zu interessieren und eine Kostprobe schicken sollen, wird es ernst. Die meisten verlangen zur Leseprobe auch ein Exposé. Und ein Anschreiben ist ohnehin nötig.
Auf diese Sendung sollte jeder höchste Sorgfalt verwenden. Sie ist die erste Arbeitsprobe. Auch das Exposé und Anschreiben. Schludriger Ausdruck, fehlerhafte Grammatik und andere Pannen fallen sofort auf - oder eben ihr Fehlen. (Rechtschreibfehler erwähne ich erst gar nicht!) Wenn der Eindruck entsteht, dass der Schreiber großen Wert darauf legt, gut zu schreiben, dann hat man es richtig gemacht.
Dann heißt es Warten und Hoffen.
Was ist ein Exposé? Was muss ich beachten, um ein gutes Exposé zu schreiben?
von Alexander Bálly
Autorenfoto: Michael Fein
Um ein gutes Exposé schreiben zu können, muss man sich über eines klar sein: Es gibt zweierlei Exposé-Arten. Beide sind kurz und knapp geschrieben und eng mit dem Inhalt verbunden. Aber sie haben ganz unterschiedliche Aufgaben, und darum sind sie grundverschieden.
Das eine ist das Exposé zur Plotentwicklung. Das andere ist das Exposé, um ein Werk zu verkaufen.
Das Entwicklungsexposé
Es gibt Plotschulen, die sehr aufwändig und detailliert plotten. Auch wenn das nicht mein Weg ist, will ich es nicht schlecht reden. Es ist eine Methode, mit der viele Menschen erfolgreich arbeiten. Diese Methode beginnt mit einer Idee und dem Pitch. Dann entwirft man detailliert die Hauptcharktere.
Das Entwickungsexposé ist dann nächste Schritt, in dem die Handlung in eine Reihe von einzelnen Szenen oder Kapiteln aufgeteilt wird. Jede einzelne Handlungssequenz wird in einem nummerierten Stichpunkt, meist nur einem Satz, festgehalten. Hier erkennt man zum ersten Mal die Struktur, den Ablauf, die Entwicklung der Spannung und das Zusammenspiel der Handlungsstränge.
Dieses Exposé ist bei dieser Methode ein sehr wichtiger Zwischenschritt. Hierauf baut alles weitere auf. Die einzelnen nummerierten Punkte dieses Entwicklungsexposees werden dann immer weiter ausgebaut, ausgearbeitet und ausgeführt. Am Ende wird alles zum fertigen Roman vereinigt. Doch von dieser Art des Exposés will ich hier nicht reden.
Das Verkaufsexposé
Es geht hier um das andere Exposé, das Verkaufsexposé, mit dem man ein Werk bei einem Verlag oder bei einem Agenten einreicht.
Ein gutes Exposé ... ist höllisch schwer zu schreiben.
Man sollte diese Aufgabe trotzdem nicht scheuen. Ein Exposé ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich ein Bild über ein literarisches Werk verschaffen wollen. Denn das genau ist der Zweck: Man soll einem interessierten Leser – einem potentiellen Geschäftspartner – Überblick verschaffen und ihm die Infos geben, die er braucht, um das Werk richtig einzusortieren.
Noch ein wichtiger Punkt zur Klärung vorab: Das Exposé soll zwar helfen, ein Manuskript an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Es ist aber KEIN Werbetext. Es ist ein SACHTEXT. Daran sollte sich die Sprache orientieren. Nie wird sie reißerisch oder über die Maßen bescheiden sein. Sie muss klar sein und sachlich.
Alles in allem sollte das Exposé nicht länger als zwei Seiten werden. Peile also eine Seiten an. Denn kurz zu schreiben ist etrem schwer, meistens wird der Text länger. Bei mehr als zweieinhalb Seiten muss man aber dringend überlegen, wie man den Text kürzer hinbekommt.
Das Problem ist dabei die große Nähe des Autors zu seinem Werk. Man sieht rasch den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen - jetzt sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren, ist eine echte Herausforderung.
Was macht nun ein Exposé genau?
Ein Exposé gibt Auskunft über ein Manuskript, und zwar sowohl über die Geschichte an sich, aber auch über die Positionierung des Werkes auf dem Buchmarkt.
Es gibt nicht Auskunft über den Autor, seine Absichten oder Gedanken und Hintergründe. Der Autor tritt in hier den Hintergrund. Hier geht es um das Werk.
Das Exposé ist ein Verkaufsinstrument. Das Manuskript ist nun die Ware des Autors. Man muss das Werk ganz unromantisch verkaufen wie ein Auto oder ein Bügeleisen. Und darum müssen neben der Handlung auch technische – buchhändlerische – Fragen beantwortet werden.
Ein Exposé sollte aus folgenden Elementen bestehen:
o Pitch
-- Was für eine Geschichte hast Du erzählt? Was ist dabei herausgekommen? Oder, wenn sie noch nicht geschrieben ist – Aprioriexposés gibt es auch – was für eine Geschichte soll dabei herausgekommen? Alles, also der ganze Roman, reduziert in einen Satz, höchstens zwei Sätze: "Es ist die Geschichte von …, der …, um zu … und am Ende … ."
Das ist nicht einfach, man kann es aber an bekannten Werken üben, an „Heidi“, „Tom Sawyer“, der „Schatzinsel“ oder auch am „Froschkönig“.
o Vorstellung von Schauplatz, Protagonist(en) und Antagonist(en)
-- Wann, wo, wer? Hier nur das Wichtigste schreiben! Gib Antwort auf die Frage: Was zeichnet die Figuren und den Ort aus? Knapp, treffend, präzise formulieren.
o Kurze Zusammenfassung des Inhalts incl. Ende
-- Der Anfang, wichtigste Wendepunkte, das Ende. Keine Details schreiben, Nebenhandlungen zusammenfassen.
Eine halbe Seite ist das Soll. Das ist sehr wenig. Man muss lernen, gnadenlos zu vereinfachen. 600 Seiten Irrfahrt können da auch einmal mit „nach einer Vielzahl von Abenteuern und Verlusten“ zusammengefasst werden.
Wichtig: Das Ende gehört mit dazu! Keinen Cliffhänger! Es geht hier ums Verkaufen, nicht ums Genießen. Es darf und muss gespoilert werden.
Nun kommen schon die Technikas:
o Zielgruppe
-- Wen soll das Buch interessieren? Für wen wurde es geschrieben? Stell Dir die Zielgruppe genau vor. Was mögen Sie sonst noch?
o Zustand des Werkes
-- Ist es fertig? Ist es noch nicht verfasst? Wie oft überarbeitet? Sind Folgebände geplant oder in Arbeit?
o Umfang
-- Wie viel hast Du geschrieben oder willst Du schreiben? Die gebräuchlichste Maßeinheit ist die Normseite (NS).
o Beschreibung der benutzten Sprache und des Stils
-- Eher flott und flapsig, schwärmerisch oder sachlich schlicht? Auch diese Frage ist wichtig. Dialekt(e)? Wenn es ein lustiges Buch ist, versuche den Humor zu beschreiben und einzuordnen. Zwischen groben Schenkelklopfern á la Herrenabend und fein gesetzten Pointen oder drolliger Sprachkomik kann man seinen Text unterscheiden und sollte es auch tun.
o Positionierung auf dem Markt
-- Was sind Vorbilder, was ist vergleichbar? „Wem „X“ gefallen hat, wer sich von „Y“ verzaubern lies, dem wird auch dieses Buch gefallen.“
o Alleinstellungsmerkmale
-- Was macht das Manuskript einzigartig, wo ist das besondere?
o Das zu erwartende oder angestrebte Leseerlebnis
-- Das ist jetzt eher mein persönliches Ding. Ich finde es schön, damit abzuschließen. Was für ein Gefühl sollte (oder wird) der Leser haben, wenn er die letzte Zeile gelesen hat und das Buch schließt.
TIPP: Um den richtigen Ton zu treffen und präzise zu bleiben, hilft mir Oma.
Stell Dir beim Abfassen des Exposés einfach vor, Du erzählst alles einer Oma, die mit einer Papiertüte auf einer Parkbank sitzt und Tauben füttert. (Diesmal wollen wir die unselige Flugrattenfütterei duchgehen lassen!) Erzähl ihr von Deinem Buch, und zwar all das, was im Exposé stehen soll. Aber: Du hast nur solange Zeit, wie sie noch Taubenfutter hat. Mach es also einfach, schlage gerade Achsen durch den Dschungel der Details und verzettel Dich nicht in Einzelheiten. Sprich ruhig, sonst verscheuchst Du die Tauben. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, aber versuche auch nicht, der Oma etwas anzudrehen. Sprich freundlich mit Ihr, gelassen, ohne Schnörkel und Effekthascherei. Und ohne Umwege!
Zur Form:
Wenn wir es am Telefon geschafft haben, den Agenten oder Verleger zu interessieren und eine Kostprobe schicken sollen, wird es ernst. Die meisten verlangen zur Leseprobe auch ein Exposé. Und ein Anschreiben ist ohnehin nötig.
Auf diese Sendung sollte jeder höchste Sorgfalt verwenden. Sie ist die erste Arbeitsprobe. Auch das Exposé und Anschreiben. Schludriger Ausdruck, fehlerhafte Grammatik und andere Pannen fallen sofort auf - oder eben ihr Fehlen. (Rechtschreibfehler erwähne ich erst gar nicht!) Wenn der Eindruck entsteht, dass der Schreiber großen Wert darauf legt, gut zu schreiben, dann hat man es richtig gemacht.
Dann heißt es Warten und Hoffen.
Alexander Bálly lebt seit seiner Kindheit in Oberbayern und wohnt schon lange in der Holledau, dem hopfenseligen Herz Bayerns. Nach dem Abitur und einer Lehre zum Buchhändler studierte er in München Kunstgeschichte und ein wenig Theologie, arbeitete außerdem als Buchhändler, Druckereigehilfe und Verlagsmitarbeiter. Nach mehreren Fantasykrimis hat er 2014 das Verbrechen vor der Haustür entdeckt und präsentierte seinen ersten Krimi aus der Holledau.
Inzwischen schreibt er seit mehr als 20 Jahren Geschichten. Mehr Infos gibt es auf seiner Webseite www.alexander-bally.de
Hilfe bietet auch die Exposé-Beratung im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch
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Tatort-Schreibtisch-Buch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den
Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf
Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in
verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das
Leben kosten ...
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
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Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
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Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Schreibregel der Woche

© Autorenfoto: Hocky Neubert
Sie wollten bloß etwas schreiben. Sie haben sich tatsächlich getraut, das Geschriebene zu veröffentlichen, auf ihrer Webseite oder in ihrem Blog oder als Selfpublisher im Internet. Oder Sie finden sogar einen Buchverlag, eine Filmproduktionsfirma oder eine Zeitungsredaktion, die Ihr Werk herausbringt.
Manchmal beginnt damit ein großes, unerwartetes Problem...
Es gab in meinem Autorenleben eine Phase, während der ich Horoskope für eine wöchentlich erscheinende TV-Programmzeitschrift schrieb. Frei erfunden, gegen Honorar. Harmlose, unspezifische Prognosen. Zwei, drei Sätze pro Sternzeichen, etwa so:
SCHÜTZE: Es gibt dermaßen viel zu tun, dass sich die Frage erhebt, ob man nicht besser erst einmal gar nichts tut – das weitere Vorgehen will gut überlegt sein. Und ein guter Plan bringt langfristig sicher mehr als bloßer Aktionismus.
KREBS: So abgeklärt, wie Sie glauben, sind Sie gar nicht. Sonst würde ein bestimmtes Erlebnis in dieser Woche nicht so einen großen Einfluss auf Ihre Stimmung ausüben können. Getrost mal den Gefühlen nachgeben – das ist keine Schwäche.
Das liest sich ziemlich beliebig. So war es von mir beabsichtigt und von meinen Auftraggebern gewollt. Ich glaube nicht an Horoskope. Erst recht nicht, wenn ich genau weiß, dass der Verfasser – also zum Beispiel ich selbst – sich die Dinger bloß ausgedacht und dafür nicht mal eine Glaskugel befragt hat. Also vermied ich es beim Verfassen meiner Horoskop-Beiträge grundsätzlich, konkrete Katastrophen („Ab Dienstag ist mit plötzlich auftretenden Herzrhythmusstörungen zu rechnen“) oder explizit benannte Glücksfälle („In der Wochenendziehung knacken Sie den Jackpot mit Superzahl, kündigen Sie bitte vorsorglich Ihrem Arbeitgeber“) zu prophezeien. Das, kalkulierte ich, müsste genügen, um zu verhindern, dass irgendwer meine Horoskope ernst nimmt. Schließlich lag es nicht in meiner Absicht, andere Leute zu erschrecken oder ihnen leere Versprechungen zu machen.
Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen rief mich eines Tages ein Mann an, der sich zuvor unter nicht unerheblichem Aufwand meine Telefonnummer besorgt hatte, und zwar in der Redaktion der Illustrierten, für die ich besagte Horoskope schrieb. Er hatte als Leser über Monate hinweg meine Prognosen für sein Sternzeichen verfolgt und war der unbedingten Meinung, alles träfe hundertprozentig auf sein eigenes Dasein zu. Nun wollte er von mir eine private Vorhersage seiner Zukunft und bot eine ansehnliche Summe Geld dafür.
Dass ich offenbar mit meinen vermeintlich harmlosen Horoskopen einen anderen Menschen derartig manipuliert hatte, jagte mir großen Schrecken ein. Ich hatte es nicht absichtlich getan, aber es war trotzdem passiert. Mein Ball aus flauschigen Floskeln war vom Hügel gerollt und unten als Lawine steingemeißelter Dogmen einem Menschen, den ich nicht einmal kannte, um den Verstand geflogen. Für mich war das zu viel Verantwortung. Noch während des Telefongesprächs konnte ich mich aus der peinlichen Situation herausreden, ohne Illusionen zu zerstören. Und bald nach diesem Ereignis fand meine Karriere als Astrologie-Guru ohnehin ein Ende, nachdem meine Auftraggeber eine andere Quelle aufgetan hatten, aus der sie ihre wöchentlichen Horoskope beziehen konnten. Die waren selbstverständlich nicht so schön wie meine, aber honorarfrei.
Obwohl glimpflich verlaufen, überkommt mich seit dem Erlebnis mit dem Horoskop-Jünger immer mal wieder die Furcht davor, jemand könnte sich durch etwas von mir Geschriebenes zu einer Dummheit oder zu Schlimmerem verleiten lassen. Tatsächlich passiert es manchmal, dass ich gerade etwas schreibe (oder geschrieben habe) – und kurz darauf lese ich in der Zeitung oder sehe in den Fernsehnachrichten, dass genau so etwas soeben in der Realität passiert ist. Nur ein Beispiel: Für eine Folge der TV-Krimireihe „Großstadtrevier“ etablierte ich im Drehbuch die Rolle eines Jugendlichen, der Stromkästen kurzschließt, auf diese Weise Ampelanlagen abschaltet und den Straßenverkehr lahmlegt. Kaum war das Drehbuch fertig, kam es in meiner Heimatstadt Hamburg zu einer Serie gleichartiger Vorfälle, Täter: ein Jugendlicher. Zu meiner Entlastung lässt sich anführen, dass mein Drehbuch zu diesem Zeitpunkt zwar geschrieben, aber noch nicht verfilmt war – das geschah erst Monate später. Zum Glück. Sonst hätte ich mich ernsthaft gefragt, ob ich durch meine Geschichte vielleicht einen jungen Kerl auf dumme Ideen gebracht hätte.
Solche Zufälligkeiten erlebt man als Schreibender öfter, wie mir auch mehrfach Kolleginnen und Kollegen bestätigten. Ein befreundeter Autor ist davon überzeugt, dass schreibende Menschen sensibler sind für die Entwicklungen in einer Gesellschaft und daher als Erste auf Ideen kommen, die ans Tageslicht wollen und die sich bald auch allen anderen aufdrängen werden. Daher das Phänomen, dass sich ausgedachte Geschichten in der Wirklichkeit wiederholen. Ich erkläre mir dieses Phänomen so: Man ist als Autor dermaßen von seinem jeweils aktuellen Werk besessen, dass man sofort aufmerkt, wenn einem dazu tatsächliche oder vermeintliche Verbindungen zur Wirklichkeit auffallen.
Aber eine solche Besessenheit vom Erzählstoff stellt sich ja auch beim Buchleser, Filmbetrachter, Radiohörer ein.
Schauen Sie einmal in die Schreibregel Nr. 5. Dort behaupte ich: „Kaum verlässt der Autor den Boden der Tatsachen, beginnt auch des Lesers Fantasie zu arbeiten“. Das ist so. Und das ist eigentlich schön, denn es bedeutet: Kein Leser verhält sich ausschließlich passiv. Er nimmt die Gedankenvorlage der Lektüre auf, baut sie aus, schlägt im Sinn seine eigene Richtung ein. Das bedeutet im Umkehrschluss leider auch: Autoren können unter Umständen durch ihr Werk etwas in Gang setzen, was sie in dieser Konsequenz nie beabsichtigten.
Klassisches Beispiel: Johann Wolfgang von Goethe und sein Roman „Die Leiden des jungen Werther“, erschienen 1774 und eines der erfolgreichsten Bücher der Literaturgeschichte (man spricht sogar vom ersten „Bestseller“ der deutschen Literatur). Es handelt sich inhaltlich um eine tragisch verlaufende Dreiecks-Liebesgeschichte: Der junge Werther verliebt sich in Lotte, die jedoch mit Albert verlobt ist, der sich seinerseits mit Werther anfreundet. Diesem Beziehungsdilemma hält Werther nicht stand, am Ende wählt er für sich den Suizid.
Goethe schrieb diese Geschichte aus persönlichen Motiven: Ein guter Freund von ihm hatte sich wegen der unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau umgebracht – und der Dichter selbst wollte mit dem „Werther“ auch seine eigene, physisch unerfüllt gebliebene Zuneigung zur bereits anderweitig verlobten Freundin Maximiliane von La Roche verarbeiten. Dafür wählte Goethe die Form eines „Briefromans“. Seine Hauptfigur Werther schreibt Briefe, aus denen der Roman hauptsächlich besteht, und das ist ein ganz besonders abgefeimter Autorentrick. Als Leser öffnet man sozusagen heimlich die Briefe eines zunächst Fremden. Man gewinnt intime Einblicke in die Persönlichkeit des Briefeschreibers. Der existiert zwar nur auf dem Papier, aber dieser Eindruck verwischt sich zunehmend. Irgendwann wird diese fiktive Person zum Vertrauten. Oder zum Leidensgenossen – als solchen empfanden offenbar eine Menge Leser den jungen Werther.
Zunächst kopierten die Fans den modischen Style des Romanhelden. Man trug „Werther-Tracht“: blauer Frack mit Messingknöpfen, gelbe Weste, Lederhose, Stulpenstiefel, auf dem Haupt einen runden Filzhut. Das war harmlos, und Goethe wird es amüsiert haben. Dann jedoch begingen einzelne unglücklich Verliebte Selbstmord und beriefen sich dabei in ihren letzten Botschaften auf den Werther-Roman. Schnell sprach man von einer regelrechten Selbstmordwelle, ausgelöst durch dieses Buch – und das wird Goethe getroffen haben. Als sich im Januar 1778 dann sogar eine junge Frau (Christiane von Laßberg), die Goethe persönlich kannte, in Weimar absichtlich von einer Brücke in die eiskalte Ilm stürzte und man nach dem Auffinden ihrer Leiche entdeckte, dass sie ein Exemplar des „Werther“ bei sich trug, zeigte sich der Dichter schwer erschüttert. Denn das hatte er sicher nicht gewollt, als er den Roman schrieb. Die Schuld an den Werther-motivierten Freitoden sah er trotzdem nicht bei sich. Diesen Standpunkt verfocht er Anklägern gegenüber sogar ziemlich heftig, ohne feingeistige Pietät:
„Und nun wollt Ihr einen Schriftsteller zur Rechenschaft ziehen und ein Werk verdammen, das, durch einige beschränkte Geister falsch aufgefasst, die Welt höchstens von einem Dutzend Dummköpfen und Taugenichtsen befreit hat, die gar nichts besseres tun konnten, als den schwachen Rest ihres bisschen Lichtes vollends auszublasen.“
Der Schriftsteller macht seine Arbeit, meint Goethe damit. Er schreibt seine Geschichte, und wenn die jemand schräg interpretiert – selber schuld. Ich behaupte mal, das hat der Meister aus Weimar in seinem Innersten selbst nicht geglaubt. Wer etwas aufschreibt und veröffentlicht, überlegt sich das sehr genau. Er möchte der Öffentlichkeit etwas mitteilen und hofft, dass diese sich damit gebührend beschäftigt. Er entwickelt fiktive Charaktere. Und je besser ihm das gelingt, umso intensiver sind die Gefühle, mit denen sich das Publikum an die handelnden Figuren und ihre Geschichte bindet und letztlich damit identifiziert. Mit allen Konsequenzen, unter Umständen sogar bis zum Suizid, siehe Werther.
Wäre es jetzt besser gewesen, wenn Goethe seinen Roman niemals geschrieben hätte? Diese Frage verweisen wir an das Philosophie-Seminar und wenden uns einer anderen zu: Was bedeutet das für Sie als Autor?
Erst einmal: Sie sollten keineswegs darauf verzichten, eine Geschichte zu erzählen, Ihre Geschichte, für die Sie brennen. Nur sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass sich unter Umständen eine unkontrollierbare Dynamik einstellt, sobald Sie Ihr Werk veröffentlichen. Veröffentlichen bedeutet: aus der Hand geben. In die Freiheit entlassen. Zur Fremd- und Fehlinterpretation freigeben. Möchten Sie das nicht riskieren, verwahren Sie Ihr Geschriebenes besser gut gesichert im Tresor.
Die Geschichte steckt andererseits auch voller Beispiele, die beweisen, dass Autoren in voller Absicht die Gefühle ihres Publikums manipulieren wollen. Man denke an die „Blut-und-Boden“-Dichter im Dritten Reich oder überhaupt an die unfassbar vielen Bücher, Filme, Hörspiele und Pressebeiträge, die nur einem einzigen Zweck dienen: der Propaganda für ein Regime, eine Idee oder eine Gesinnung. In diesen Fällen schreiben die Verfasser aus ideologischer Motivation, und die Lawine, die sie dadurch eventuell auslösen, liegt in ihrer vollen Absicht.
Gar nicht selten jedoch passiert es, dass jemand – ebenfalls in voller Absicht – lustvoll auf die Tonne haut, um mit der provozierten Aufmerksamkeitslawine ganz egoistisch die eigene Karriere anzuschieben.
Auch dazu gibt es eine exemplarische Anekdote.
USA, Ostküste, 30. Oktober 1938, abends. Die Menschen sitzen vor ihren Radiogeräten und lauschen einer Konzertübertragung. Plötzlich verstummt die Musik zugunsten einer „Breaking News“: Man registriere ungewöhnliche Aktivitäten auf dem Mars, rätselhafte Objekte bewegten sich von dort aus rasend schnell in Richtung Erde. Ein Reporter wird zugeschaltet, der sich gerade in einer Sternwarte befindet und dort Wissenschaftler zu den Ereignissen befragt – auch diese Experten sind ratlos. Der Radiosender spielt weiter Musik. Dann wird das Programm für die nächste Horrormeldung unterbrochen: Ein zunehmend panischer Reporter berichtet live von der Landung eines Raumschiffs bei einem Ort namens Grover‘s Mill in New Jersey. Ein Außerirdischer entsteigt, der Reporter beschreibt ihn als eine Art „Bär mit einer Haut wie nasses Leder“. Dieses Monster schießt plötzlich mit einem Feuerstrahl um sich, man hört nur noch grauenhafte Schreie – dann bricht die Reportage unvermittelt ab.
Leicht nachzuvollziehen, dass an dieser Stelle etlichen Radiohörern schlagartig der Feierabend versaut war. Tausende zeigten sich zutiefst besorgt und riefen beim Rundfunksender oder gleich bei der Polizei an. Und nicht wenige Menschen gerieten über die Invasion aus dem All total in Panik, flohen mit Notköfferchen in ihre Autos und bretterten gen Westen.
Erst am übernächsten Tag klärten sich auf einer Pressekonferenz des Senders die Hintergründe.
Die verstörende Reportage sei Teil eines Hörspiels gewesen, basierend auf der damals bereits 40 Jahre alten Geschichte „Der Krieg der Welten“ von H. G. Wells. Diese Geschichte, ursprünglich ein Roman, spielte eigentlich gar nicht in den USA, sondern im viktorianischen England. Der damals erst 23jährigen Orson Welles (1915 – 1985), später durch cineastische Meilensteine wie „Citizen Kane“ und „Der dritte Mann“ als genialer Regisseur und Schauspieler berühmt geworden, inszenierte den Roman als Hörspiel. Welles wollte unbedingt, dass „Der Krieg der Welten“ möglichst realistisch wirkte. Deshalb übertrug er die Handlung in seine aktuelle Zeit und wählte die Heimat des Radiosenders als Schauplatz. Die erste Hörspiel-Version fand er sogar noch zu undramatisch, weshalb Welles unter anderem die Berichte des Reporters über den gewalttätigen Alien in zweiter Fassung zuspitzte. Es gab zwar zu Beginn des Hörspiels eine kleine, von Welles selbst verlesene Einleitung, der zu entnehmen war, dass es sich bei dem folgenden Beitrag um eine Fiktion handeln würde – aber danach kam erst mal für einige Minuten Musik über den Sender. Zuhörer, die sich erst jetzt zuschalteten, hatten kaum eine Chance, der Manipulation zu entgehen. 1938 wurden Radio-Hörspiele nicht aufgezeichnet, sondern live gesprochen und gesendet. Es ist verbürgt, dass Welles (der selbst die Rolle eines der Wissenschaftler sprach), im Spiel fortfuhr, als die Telefonleitung des Senders längst von den Anrufen verängstigter Hörer glühte. Selbst, als die Verantwortlichen der Rundfunkstation den sofortigen Abbruch der Sendung verlangten, überzog Welles die Übertragung noch um satte zehn Minuten.
Das Krönchen für den „Manipulator des Jahres“ verdiente sich Orson Welles abschließend während besagter Pressekonferenz, wo er überzeugend das Unschuldslamm gab (leichte Übung für einen so grandiosen Schauspieler) und sich überhaupt nicht zu erklären vermochte, wieso irgendjemand sein harmloses Hörspiel für tatsächliches Geschehen halten konnte. Die mediale Aufmerksamkeit und der Hype um die „Krieg der Welten“ – Massenpanik spülten Welles direkt nach Hollywood.
Ziel erreicht.
Überlegen Sie es sich also gut, was Sie mit Ihrem Schreibwerk bewirken möchten. Und wen Sie damit erreichen wollen. Man kann sich natürlich auch einreden, es sei einem völlig egal, was die Leute da draußen damit anfangen. Und wenn etwas schiefläuft, ließe sich frei nach Goethe behaupten: Man könne als Autor nichts dafür, wenn Dummköpfe einem das geschriebene Wort verdrehen. Oder man gibt das Unschuldslamm á la Orson Welles und kann sich das alles gar nicht erklären.
Tatsache bleibt, wenn Ihre geschriebenen Worte eine Lawine auslösen: Ohne Sie würde es diese Worte in diesem Kontext nicht geben.
In der Regel ist jeder geschriebene Satz viel treffender als ein gesprochener. Und mit dem gelesenen Satz beschäftigt man sich intensiver als mit einem gehörten.
Glauben Sie nicht? Dann empfehle ich Ihnen ein Selbstexperiment.
Nehmen Sie sich einen ganzen Abend oder Tag Zeit. Schreiben Sie – offen, von Herzen, in Ihren eigenen Worten – Ihrem Schatz einen Liebesbrief.
Und genießen Sie die Lawine.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

Die Mailadresse lautet
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Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Du bist für deine Fantasie verantwortlich. Achtung, Lawinengefahr
von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Sie wollten bloß etwas schreiben. Sie haben sich tatsächlich getraut, das Geschriebene zu veröffentlichen, auf ihrer Webseite oder in ihrem Blog oder als Selfpublisher im Internet. Oder Sie finden sogar einen Buchverlag, eine Filmproduktionsfirma oder eine Zeitungsredaktion, die Ihr Werk herausbringt.
Manchmal beginnt damit ein großes, unerwartetes Problem...
Es gab in meinem Autorenleben eine Phase, während der ich Horoskope für eine wöchentlich erscheinende TV-Programmzeitschrift schrieb. Frei erfunden, gegen Honorar. Harmlose, unspezifische Prognosen. Zwei, drei Sätze pro Sternzeichen, etwa so:
SCHÜTZE: Es gibt dermaßen viel zu tun, dass sich die Frage erhebt, ob man nicht besser erst einmal gar nichts tut – das weitere Vorgehen will gut überlegt sein. Und ein guter Plan bringt langfristig sicher mehr als bloßer Aktionismus.
KREBS: So abgeklärt, wie Sie glauben, sind Sie gar nicht. Sonst würde ein bestimmtes Erlebnis in dieser Woche nicht so einen großen Einfluss auf Ihre Stimmung ausüben können. Getrost mal den Gefühlen nachgeben – das ist keine Schwäche.
Das liest sich ziemlich beliebig. So war es von mir beabsichtigt und von meinen Auftraggebern gewollt. Ich glaube nicht an Horoskope. Erst recht nicht, wenn ich genau weiß, dass der Verfasser – also zum Beispiel ich selbst – sich die Dinger bloß ausgedacht und dafür nicht mal eine Glaskugel befragt hat. Also vermied ich es beim Verfassen meiner Horoskop-Beiträge grundsätzlich, konkrete Katastrophen („Ab Dienstag ist mit plötzlich auftretenden Herzrhythmusstörungen zu rechnen“) oder explizit benannte Glücksfälle („In der Wochenendziehung knacken Sie den Jackpot mit Superzahl, kündigen Sie bitte vorsorglich Ihrem Arbeitgeber“) zu prophezeien. Das, kalkulierte ich, müsste genügen, um zu verhindern, dass irgendwer meine Horoskope ernst nimmt. Schließlich lag es nicht in meiner Absicht, andere Leute zu erschrecken oder ihnen leere Versprechungen zu machen.
Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen rief mich eines Tages ein Mann an, der sich zuvor unter nicht unerheblichem Aufwand meine Telefonnummer besorgt hatte, und zwar in der Redaktion der Illustrierten, für die ich besagte Horoskope schrieb. Er hatte als Leser über Monate hinweg meine Prognosen für sein Sternzeichen verfolgt und war der unbedingten Meinung, alles träfe hundertprozentig auf sein eigenes Dasein zu. Nun wollte er von mir eine private Vorhersage seiner Zukunft und bot eine ansehnliche Summe Geld dafür.
Dass ich offenbar mit meinen vermeintlich harmlosen Horoskopen einen anderen Menschen derartig manipuliert hatte, jagte mir großen Schrecken ein. Ich hatte es nicht absichtlich getan, aber es war trotzdem passiert. Mein Ball aus flauschigen Floskeln war vom Hügel gerollt und unten als Lawine steingemeißelter Dogmen einem Menschen, den ich nicht einmal kannte, um den Verstand geflogen. Für mich war das zu viel Verantwortung. Noch während des Telefongesprächs konnte ich mich aus der peinlichen Situation herausreden, ohne Illusionen zu zerstören. Und bald nach diesem Ereignis fand meine Karriere als Astrologie-Guru ohnehin ein Ende, nachdem meine Auftraggeber eine andere Quelle aufgetan hatten, aus der sie ihre wöchentlichen Horoskope beziehen konnten. Die waren selbstverständlich nicht so schön wie meine, aber honorarfrei.
Obwohl glimpflich verlaufen, überkommt mich seit dem Erlebnis mit dem Horoskop-Jünger immer mal wieder die Furcht davor, jemand könnte sich durch etwas von mir Geschriebenes zu einer Dummheit oder zu Schlimmerem verleiten lassen. Tatsächlich passiert es manchmal, dass ich gerade etwas schreibe (oder geschrieben habe) – und kurz darauf lese ich in der Zeitung oder sehe in den Fernsehnachrichten, dass genau so etwas soeben in der Realität passiert ist. Nur ein Beispiel: Für eine Folge der TV-Krimireihe „Großstadtrevier“ etablierte ich im Drehbuch die Rolle eines Jugendlichen, der Stromkästen kurzschließt, auf diese Weise Ampelanlagen abschaltet und den Straßenverkehr lahmlegt. Kaum war das Drehbuch fertig, kam es in meiner Heimatstadt Hamburg zu einer Serie gleichartiger Vorfälle, Täter: ein Jugendlicher. Zu meiner Entlastung lässt sich anführen, dass mein Drehbuch zu diesem Zeitpunkt zwar geschrieben, aber noch nicht verfilmt war – das geschah erst Monate später. Zum Glück. Sonst hätte ich mich ernsthaft gefragt, ob ich durch meine Geschichte vielleicht einen jungen Kerl auf dumme Ideen gebracht hätte.
Solche Zufälligkeiten erlebt man als Schreibender öfter, wie mir auch mehrfach Kolleginnen und Kollegen bestätigten. Ein befreundeter Autor ist davon überzeugt, dass schreibende Menschen sensibler sind für die Entwicklungen in einer Gesellschaft und daher als Erste auf Ideen kommen, die ans Tageslicht wollen und die sich bald auch allen anderen aufdrängen werden. Daher das Phänomen, dass sich ausgedachte Geschichten in der Wirklichkeit wiederholen. Ich erkläre mir dieses Phänomen so: Man ist als Autor dermaßen von seinem jeweils aktuellen Werk besessen, dass man sofort aufmerkt, wenn einem dazu tatsächliche oder vermeintliche Verbindungen zur Wirklichkeit auffallen.
Aber eine solche Besessenheit vom Erzählstoff stellt sich ja auch beim Buchleser, Filmbetrachter, Radiohörer ein.
Schauen Sie einmal in die Schreibregel Nr. 5. Dort behaupte ich: „Kaum verlässt der Autor den Boden der Tatsachen, beginnt auch des Lesers Fantasie zu arbeiten“. Das ist so. Und das ist eigentlich schön, denn es bedeutet: Kein Leser verhält sich ausschließlich passiv. Er nimmt die Gedankenvorlage der Lektüre auf, baut sie aus, schlägt im Sinn seine eigene Richtung ein. Das bedeutet im Umkehrschluss leider auch: Autoren können unter Umständen durch ihr Werk etwas in Gang setzen, was sie in dieser Konsequenz nie beabsichtigten.
Klassisches Beispiel: Johann Wolfgang von Goethe und sein Roman „Die Leiden des jungen Werther“, erschienen 1774 und eines der erfolgreichsten Bücher der Literaturgeschichte (man spricht sogar vom ersten „Bestseller“ der deutschen Literatur). Es handelt sich inhaltlich um eine tragisch verlaufende Dreiecks-Liebesgeschichte: Der junge Werther verliebt sich in Lotte, die jedoch mit Albert verlobt ist, der sich seinerseits mit Werther anfreundet. Diesem Beziehungsdilemma hält Werther nicht stand, am Ende wählt er für sich den Suizid.
Goethe schrieb diese Geschichte aus persönlichen Motiven: Ein guter Freund von ihm hatte sich wegen der unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau umgebracht – und der Dichter selbst wollte mit dem „Werther“ auch seine eigene, physisch unerfüllt gebliebene Zuneigung zur bereits anderweitig verlobten Freundin Maximiliane von La Roche verarbeiten. Dafür wählte Goethe die Form eines „Briefromans“. Seine Hauptfigur Werther schreibt Briefe, aus denen der Roman hauptsächlich besteht, und das ist ein ganz besonders abgefeimter Autorentrick. Als Leser öffnet man sozusagen heimlich die Briefe eines zunächst Fremden. Man gewinnt intime Einblicke in die Persönlichkeit des Briefeschreibers. Der existiert zwar nur auf dem Papier, aber dieser Eindruck verwischt sich zunehmend. Irgendwann wird diese fiktive Person zum Vertrauten. Oder zum Leidensgenossen – als solchen empfanden offenbar eine Menge Leser den jungen Werther.
Zunächst kopierten die Fans den modischen Style des Romanhelden. Man trug „Werther-Tracht“: blauer Frack mit Messingknöpfen, gelbe Weste, Lederhose, Stulpenstiefel, auf dem Haupt einen runden Filzhut. Das war harmlos, und Goethe wird es amüsiert haben. Dann jedoch begingen einzelne unglücklich Verliebte Selbstmord und beriefen sich dabei in ihren letzten Botschaften auf den Werther-Roman. Schnell sprach man von einer regelrechten Selbstmordwelle, ausgelöst durch dieses Buch – und das wird Goethe getroffen haben. Als sich im Januar 1778 dann sogar eine junge Frau (Christiane von Laßberg), die Goethe persönlich kannte, in Weimar absichtlich von einer Brücke in die eiskalte Ilm stürzte und man nach dem Auffinden ihrer Leiche entdeckte, dass sie ein Exemplar des „Werther“ bei sich trug, zeigte sich der Dichter schwer erschüttert. Denn das hatte er sicher nicht gewollt, als er den Roman schrieb. Die Schuld an den Werther-motivierten Freitoden sah er trotzdem nicht bei sich. Diesen Standpunkt verfocht er Anklägern gegenüber sogar ziemlich heftig, ohne feingeistige Pietät:
„Und nun wollt Ihr einen Schriftsteller zur Rechenschaft ziehen und ein Werk verdammen, das, durch einige beschränkte Geister falsch aufgefasst, die Welt höchstens von einem Dutzend Dummköpfen und Taugenichtsen befreit hat, die gar nichts besseres tun konnten, als den schwachen Rest ihres bisschen Lichtes vollends auszublasen.“
Der Schriftsteller macht seine Arbeit, meint Goethe damit. Er schreibt seine Geschichte, und wenn die jemand schräg interpretiert – selber schuld. Ich behaupte mal, das hat der Meister aus Weimar in seinem Innersten selbst nicht geglaubt. Wer etwas aufschreibt und veröffentlicht, überlegt sich das sehr genau. Er möchte der Öffentlichkeit etwas mitteilen und hofft, dass diese sich damit gebührend beschäftigt. Er entwickelt fiktive Charaktere. Und je besser ihm das gelingt, umso intensiver sind die Gefühle, mit denen sich das Publikum an die handelnden Figuren und ihre Geschichte bindet und letztlich damit identifiziert. Mit allen Konsequenzen, unter Umständen sogar bis zum Suizid, siehe Werther.
Wäre es jetzt besser gewesen, wenn Goethe seinen Roman niemals geschrieben hätte? Diese Frage verweisen wir an das Philosophie-Seminar und wenden uns einer anderen zu: Was bedeutet das für Sie als Autor?
Erst einmal: Sie sollten keineswegs darauf verzichten, eine Geschichte zu erzählen, Ihre Geschichte, für die Sie brennen. Nur sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass sich unter Umständen eine unkontrollierbare Dynamik einstellt, sobald Sie Ihr Werk veröffentlichen. Veröffentlichen bedeutet: aus der Hand geben. In die Freiheit entlassen. Zur Fremd- und Fehlinterpretation freigeben. Möchten Sie das nicht riskieren, verwahren Sie Ihr Geschriebenes besser gut gesichert im Tresor.
Die Geschichte steckt andererseits auch voller Beispiele, die beweisen, dass Autoren in voller Absicht die Gefühle ihres Publikums manipulieren wollen. Man denke an die „Blut-und-Boden“-Dichter im Dritten Reich oder überhaupt an die unfassbar vielen Bücher, Filme, Hörspiele und Pressebeiträge, die nur einem einzigen Zweck dienen: der Propaganda für ein Regime, eine Idee oder eine Gesinnung. In diesen Fällen schreiben die Verfasser aus ideologischer Motivation, und die Lawine, die sie dadurch eventuell auslösen, liegt in ihrer vollen Absicht.
Gar nicht selten jedoch passiert es, dass jemand – ebenfalls in voller Absicht – lustvoll auf die Tonne haut, um mit der provozierten Aufmerksamkeitslawine ganz egoistisch die eigene Karriere anzuschieben.
Auch dazu gibt es eine exemplarische Anekdote.
USA, Ostküste, 30. Oktober 1938, abends. Die Menschen sitzen vor ihren Radiogeräten und lauschen einer Konzertübertragung. Plötzlich verstummt die Musik zugunsten einer „Breaking News“: Man registriere ungewöhnliche Aktivitäten auf dem Mars, rätselhafte Objekte bewegten sich von dort aus rasend schnell in Richtung Erde. Ein Reporter wird zugeschaltet, der sich gerade in einer Sternwarte befindet und dort Wissenschaftler zu den Ereignissen befragt – auch diese Experten sind ratlos. Der Radiosender spielt weiter Musik. Dann wird das Programm für die nächste Horrormeldung unterbrochen: Ein zunehmend panischer Reporter berichtet live von der Landung eines Raumschiffs bei einem Ort namens Grover‘s Mill in New Jersey. Ein Außerirdischer entsteigt, der Reporter beschreibt ihn als eine Art „Bär mit einer Haut wie nasses Leder“. Dieses Monster schießt plötzlich mit einem Feuerstrahl um sich, man hört nur noch grauenhafte Schreie – dann bricht die Reportage unvermittelt ab.
Leicht nachzuvollziehen, dass an dieser Stelle etlichen Radiohörern schlagartig der Feierabend versaut war. Tausende zeigten sich zutiefst besorgt und riefen beim Rundfunksender oder gleich bei der Polizei an. Und nicht wenige Menschen gerieten über die Invasion aus dem All total in Panik, flohen mit Notköfferchen in ihre Autos und bretterten gen Westen.
Erst am übernächsten Tag klärten sich auf einer Pressekonferenz des Senders die Hintergründe.
Die verstörende Reportage sei Teil eines Hörspiels gewesen, basierend auf der damals bereits 40 Jahre alten Geschichte „Der Krieg der Welten“ von H. G. Wells. Diese Geschichte, ursprünglich ein Roman, spielte eigentlich gar nicht in den USA, sondern im viktorianischen England. Der damals erst 23jährigen Orson Welles (1915 – 1985), später durch cineastische Meilensteine wie „Citizen Kane“ und „Der dritte Mann“ als genialer Regisseur und Schauspieler berühmt geworden, inszenierte den Roman als Hörspiel. Welles wollte unbedingt, dass „Der Krieg der Welten“ möglichst realistisch wirkte. Deshalb übertrug er die Handlung in seine aktuelle Zeit und wählte die Heimat des Radiosenders als Schauplatz. Die erste Hörspiel-Version fand er sogar noch zu undramatisch, weshalb Welles unter anderem die Berichte des Reporters über den gewalttätigen Alien in zweiter Fassung zuspitzte. Es gab zwar zu Beginn des Hörspiels eine kleine, von Welles selbst verlesene Einleitung, der zu entnehmen war, dass es sich bei dem folgenden Beitrag um eine Fiktion handeln würde – aber danach kam erst mal für einige Minuten Musik über den Sender. Zuhörer, die sich erst jetzt zuschalteten, hatten kaum eine Chance, der Manipulation zu entgehen. 1938 wurden Radio-Hörspiele nicht aufgezeichnet, sondern live gesprochen und gesendet. Es ist verbürgt, dass Welles (der selbst die Rolle eines der Wissenschaftler sprach), im Spiel fortfuhr, als die Telefonleitung des Senders längst von den Anrufen verängstigter Hörer glühte. Selbst, als die Verantwortlichen der Rundfunkstation den sofortigen Abbruch der Sendung verlangten, überzog Welles die Übertragung noch um satte zehn Minuten.
Das Krönchen für den „Manipulator des Jahres“ verdiente sich Orson Welles abschließend während besagter Pressekonferenz, wo er überzeugend das Unschuldslamm gab (leichte Übung für einen so grandiosen Schauspieler) und sich überhaupt nicht zu erklären vermochte, wieso irgendjemand sein harmloses Hörspiel für tatsächliches Geschehen halten konnte. Die mediale Aufmerksamkeit und der Hype um die „Krieg der Welten“ – Massenpanik spülten Welles direkt nach Hollywood.
Ziel erreicht.
Überlegen Sie es sich also gut, was Sie mit Ihrem Schreibwerk bewirken möchten. Und wen Sie damit erreichen wollen. Man kann sich natürlich auch einreden, es sei einem völlig egal, was die Leute da draußen damit anfangen. Und wenn etwas schiefläuft, ließe sich frei nach Goethe behaupten: Man könne als Autor nichts dafür, wenn Dummköpfe einem das geschriebene Wort verdrehen. Oder man gibt das Unschuldslamm á la Orson Welles und kann sich das alles gar nicht erklären.
Tatsache bleibt, wenn Ihre geschriebenen Worte eine Lawine auslösen: Ohne Sie würde es diese Worte in diesem Kontext nicht geben.
In der Regel ist jeder geschriebene Satz viel treffender als ein gesprochener. Und mit dem gelesenen Satz beschäftigt man sich intensiver als mit einem gehörten.
Glauben Sie nicht? Dann empfehle ich Ihnen ein Selbstexperiment.
Nehmen Sie sich einen ganzen Abend oder Tag Zeit. Schreiben Sie – offen, von Herzen, in Ihren eigenen Worten – Ihrem Schatz einen Liebesbrief.
Und genießen Sie die Lawine.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

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Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Autoren live: Tatort-Schreibtisch-Hörbuch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte ..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das Leben kosten ...
Wer kann einen autobiographischen Roman besser lesen als der Autor selbst? Das hier ist der Beweis!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
ISBN 9783946312345
Hörbuch zum Download: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
Autorenportrait von Jan Schröter
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
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Tatort-Schreibtisch-Autor der Woche
Eine entlegene Gegend in den italienischen Marken. Eine zum Tagungshotel umfunktionierte Dorfschule und -kirche. In diesem Setting habe ich Sebastian Fuchs zum ersten Mal kennenlernen dürfen. Wir entdeckten zusammen das Gelände, erkundeten zugewachsene Wege und verfallene Häuser – und gelangten schon bald zu entlegenen Themen und in lebendige Gedankenschleifen...
Ich stellte fest: Das ist jemand, der das intensive Gespräch sucht und Ideen konsequent weiterspinnt, immer mit spielerischem Witz. Auf dem Rückweg verfielen wir in einen Rausch aus rhythmisch aneinandergereihten Wortkaskaden, eine Improvisation, die erst endete, als der Anstieg durch den Tannenwald uns den Atem nahm.
Einige Tage später zeigte Sebastian sein Soloprogramm „Radio im Kopf". Ab diesem Bühnenmoment begriff ich: Da ist noch mehr dahinter: Dieser Mensch lebt sein Mund- und Handwerk mit einer Präzision und Frische, die einen verblüfft und ansteckt. Ich lernte Sebastian also zum zweiten Mal kennen.
Einige Jahre und ungezählte kreative, professionelle und inspirierende Treffen später zog es mich nach Berlin. Beim gemeinsamen Sport fiel mir auf, mit welch starkem Willen und planendem Kopf Sebastian ans Werk geht. Das war das dritte Kennenlernen.
Und heute kann ich sagen: Ich kenne kaum einen Menschen, bei dem Zielstrebigkeit, künstlerische Vitalität und Lebensfreude eine so innige Verbindung eingehen.
Christoph Walesch ist Kommunikations-Trainer in Berlin.
Sebastian Fuchs ist Tatort-Schreibtisch-Autor und hat den Tatort-Schreibtisch-Ratgeber "Mit der Stimme Bilder malen" geschrieben. Er ist in dem Sammelband "Hört mir jemand zu?" erschienen.
Mehr Informationen über das Buch "Hört mir jemand zu"
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Sebastian Fuchs: Das Mund- und Handwerk leben
Ein Autorenportrait von Christoph WaleschEine entlegene Gegend in den italienischen Marken. Eine zum Tagungshotel umfunktionierte Dorfschule und -kirche. In diesem Setting habe ich Sebastian Fuchs zum ersten Mal kennenlernen dürfen. Wir entdeckten zusammen das Gelände, erkundeten zugewachsene Wege und verfallene Häuser – und gelangten schon bald zu entlegenen Themen und in lebendige Gedankenschleifen...
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