Herzlich willkommen!
Sie schreiben ein Buch oder ein Theaterstück? Sie arbeiten an einem Drehbuch oder an einer Kurzgeschichte? Glückwunsch! Schreiben ist eines der schönsten Dinge der Welt! Aber es ist auch eine der einsamsten und schwierigsten Beschäftigungen, wenn man alleine vor seinem Text sitzt, ohne Hilfe, ohne Unterstützung.Das will Tatort-Schreibtisch ändern!
Von den Profis lernen – das ist die Logline unserer Autoreninitiative. Erfahrene und erfolgreiche Schreib-Profis berichten auf dieser Webseite von ihrer Arbeit und verraten Ihnen Tipps und Tricks, mit denen Sie auf dem Buchmarkt oder im Drehbuchgeschäft erfolgreich sind.
Das Herz unserer Initiative ist das Autorenpaten-Programm. Hier bieten Ihnen über 40 renommierte und professionell schreibende Autorinnen und Autoren an, Sie und Ihr Schreibprojekt mit ihrem Wissen und ihrem Rat zu begleiten.
Mit unserem Autorenpaten-Programm sind wir Partner des innovativen Verlagsprojektes Woobooks. Alle Manukripte, für die bei einem unserer Autorenpaten und -patinnen eine Manuskripteinschätzung gebucht wurde, haben die Chance auf eine Verlagsveröffentlichung.
In unserer Rubrik "Tatort -Schreibtisch: Ausgezeichnet!" präsentieren wir preisgekrönte oder preisnominierte Kurzgeschichten, die den jeweiligen Autoren große Beachtung verschafft haben - zum Nachlesen und zum Mut machen.
Ergänzt wird unsere Seite durch verschiedene Rubriken: zum Beispiel die "Frage der Woche", die "Schreibregel der Woche" oder auch der "Tatort der Woche", in der bekannte Autoren ihren Arbeitsplatz vorstellen.
In der Rubrik Über Tatort-Schreibtisch erklären wir kurz, wie die Webseite funktioniert, in der Rubrik FAQ beantworten wir alle Fragen zu unserem Autorenpaten-Programm.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr
Markus Stromiedel

Markus Stromiedel ist Autor und Drehbuchautor und Initiator von "Tatort-Schreibtisch"
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Profiautoren als Ratgeber
Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Autorenpaten-Programm
Das Programm und die Preise im Detail
Das sind die Autorenpaten
Manuskript für das Autorenpatenprogramm einreichen
Hilfe durch das Autorenpaten-Programm
Im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch haben Sie die Möglichkeit, sich für Ihr aktuelles Schreibprojekt eine professionelle Autorin oder einen erfolgreichen Autor als Ratgeber an Ihre Seite zu holen. Das Angebot reicht vom Info-Gespräch über die fachliche Einschätzung Ihres Manuskriptes bis zur Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agentur-Bewerbung. Alle Autorenpaten sind erfahrene Schreib-Profis, die ihre Texte erfolgreich in Verlagen veröffentlichen, häufig preisgekrönt sind und z.T. auch als Dozenten lehren. Tatort-Schreibtisch ist Partner von Woobooks.Es gibt folgende Autorenpaten-Programme:
Was Sie schon immer fragen wollten
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin telefoniert mit Ihnen und gibt Ihnen Antworten auf Ihre Fragen zu Verlagen, zur Buchbranche, zur Kino- und Fernsehlandschaft oder der Theaterwelt.
Einschätzung Ihres Textes / Buches / Drehbuches
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest und analysiert Ihr Manuskript und schreibt für Sie auf, was gelungen ist und wo Ihr Text noch Arbeit braucht. Da Ihr Autorenpate fachlich erfahren und nur Ihnen verpflichtet ist, werden Sie eine sowohl genaue als auch offene Einschätzung bekommen. Auf Wunsch können Sie danach mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Manuskript sprechen und sich Rat einholen, wie Sie Ihren Text verbessern können.
Beratung bei Ihrer Verlags- oder Agenturbewerbung
Ihr Autorenpate oder Ihre Autorenpatin liest Ihr Exposé und sichtet Ihre Bewerbungsunterlagen und gibt Ihnen anschließend schriftlich eine genaue Rückmeldung, an welchen Punkten Sie noch arbeiten müssen, damit ihre Bewerbung bei einem Verlag oder einer Agentur Erfolgschancen hat. Auf Wunsch können Sie anschließend mit Ihrem Autorenpaten über Ihr Exposé und die Bewerbung sprechen und Antworten auf Ihre Fragen bekommen.
Individuelles Patenprogramm
Bei einigen der Autorenpaten haben Sie die Möglichkeit, ein individuelles Coaching zu buchen. Hier geht der Autorenpate tiefergehend auf Sie und Ihre Probleme beim Schreiben ein und versucht, Ihnen Wege und Tricks aufzuzeigen, sich und Ihren Stil noch weiter zu verbessern. Auf Wunsch begleitet Ihr Autorenpate Sie während Ihrer Bucharbeit.
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Autorenpatin der Woche
Wer schreiben will muss lesen – davon ist Sabine Trinkaus überzeugt. Ihr Weg zur professionellen Autorin begann in einer Schreibgruppe...
Sabine Trinkaus
Autorenpatin für ProsaWer schreiben will muss lesen – davon ist Sabine Trinkaus überzeugt. Ihr Weg zur professionellen Autorin begann in einer Schreibgruppe...
„Es war für mich enorm wichtig, mich der
fundierten Kritik auszusetzen und mich gleichzeitig mit den Texten
anderer zu befassen“, sagt sie, und der Erfolg gibt ihr Recht. Sabine
Trinkaus hat inzwischen fünf Romane geschrieben, deren Bandbreite von
Krimi bis Psychothriller reicht. Außerdem erschienen über 30
Kurzgeschichten, von denen etliche ausgezeichnet wurden (u.a.
Agatha-Christie-Krimipreis, Internationaler Kurzgeschichtenwettbewerb
der Stadt Mannheim, Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis).
Sabine Trinkaus ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Seeleinfeind, Emons
Schnapspralinen, Emons
Schnapsdrosseln, Emons
Schnapsleiche, Gmeiner
Kurzgeschichten
"Tamara Superstar", in: Killing you softly, KBV
"Lizzie Borden", in: Ungelöst, KBV
"Zwei Gänse", in: 24 spanende Krimigeschichten für den Advent, arsEdition
"Das Fröndenberger Kettensägenmassaker", in: Mord am Hellweg VII, Grafit
"Messer, Hammer, Beil", in: Nicht nur der Hund begraben, Ars Vivendi
"Bombenstimmung zum Fest der Liebe", in: Süßer die Schreie nie klingen, Knaur
"Agnus Die" in: Schöner Morden im Norden, Pendragon
Auszeichnungen
2013 nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzkrimi
2010 1. Platz Agatha Christie Krimipreis
2009 2. Platz Krimiwettbewerb Krimifest Heidelberg (mit Gruppe Schreibrausch)
2008 nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis
2008 1. Platz Pfungstädter Krimiwettbewerb ‚Mord und Blutwurst‘ (mit Gruppe Schreibrausch)
2007 Agatha Christie Krimipreis – Sonderpreis.
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Sabine Trinkaus ist einer der Paten im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch.
Bibliographie (Auswahl):
Prosa
Seeleinfeind, Emons
Schnapspralinen, Emons
Schnapsdrosseln, Emons
Schnapsleiche, Gmeiner
Kurzgeschichten
"Tamara Superstar", in: Killing you softly, KBV
"Lizzie Borden", in: Ungelöst, KBV
"Zwei Gänse", in: 24 spanende Krimigeschichten für den Advent, arsEdition
"Das Fröndenberger Kettensägenmassaker", in: Mord am Hellweg VII, Grafit
"Messer, Hammer, Beil", in: Nicht nur der Hund begraben, Ars Vivendi
"Bombenstimmung zum Fest der Liebe", in: Süßer die Schreie nie klingen, Knaur
"Agnus Die" in: Schöner Morden im Norden, Pendragon
Auszeichnungen
2013 nominiert für den Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie Kurzkrimi
2010 1. Platz Agatha Christie Krimipreis
2009 2. Platz Krimiwettbewerb Krimifest Heidelberg (mit Gruppe Schreibrausch)
2008 nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis
2008 1. Platz Pfungstädter Krimiwettbewerb ‚Mord und Blutwurst‘ (mit Gruppe Schreibrausch)
2007 Agatha Christie Krimipreis – Sonderpreis.
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Tatort der Woche
Da ich oft auf Reisen bin, um auf der Bühne zu stehen oder zu unterrichten, schreibe ich an vielen Orten: in der Bahn, in Hotelzimmern, in Cafés und Restaurants. Aber mein…
Denk-Küche
von Sebastian FuchsDa ich oft auf Reisen bin, um auf der Bühne zu stehen oder zu unterrichten, schreibe ich an vielen Orten: in der Bahn, in Hotelzimmern, in Cafés und Restaurants. Aber mein…
liebster Schreib-Ort ist dieser. Hier entstehen die konzentriertesten Arbeiten. Nach Tagen des Unterwegs-Seins komme ich in meiner Küche wirklich im Denken an.
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Frage der Woche

Autorenfoto: Michael Fein
Um ein gutes Exposé schreiben zu können, muss man sich über eines klar sein: Es gibt zweierlei Exposé-Arten. Beide sind kurz und knapp geschrieben und eng mit dem Inhalt verbunden. Aber sie haben ganz unterschiedliche Aufgaben, und darum sind sie grundverschieden.
Das eine ist das Exposé zur Plotentwicklung. Das andere ist das Exposé, um ein Werk zu verkaufen.
Das Entwicklungsexposé
Es gibt Plotschulen, die sehr aufwändig und detailliert plotten. Auch wenn das nicht mein Weg ist, will ich es nicht schlecht reden. Es ist eine Methode, mit der viele Menschen erfolgreich arbeiten. Diese Methode beginnt mit einer Idee und dem Pitch. Dann entwirft man detailliert die Hauptcharktere.
Das Entwickungsexposé ist dann nächste Schritt, in dem die Handlung in eine Reihe von einzelnen Szenen oder Kapiteln aufgeteilt wird. Jede einzelne Handlungssequenz wird in einem nummerierten Stichpunkt, meist nur einem Satz, festgehalten. Hier erkennt man zum ersten Mal die Struktur, den Ablauf, die Entwicklung der Spannung und das Zusammenspiel der Handlungsstränge.
Dieses Exposé ist bei dieser Methode ein sehr wichtiger Zwischenschritt. Hierauf baut alles weitere auf. Die einzelnen nummerierten Punkte dieses Entwicklungsexposees werden dann immer weiter ausgebaut, ausgearbeitet und ausgeführt. Am Ende wird alles zum fertigen Roman vereinigt. Doch von dieser Art des Exposés will ich hier nicht reden.
Das Verkaufsexposé
Es geht hier um das andere Exposé, das Verkaufsexposé, mit dem man ein Werk bei einem Verlag oder bei einem Agenten einreicht.
Ein gutes Exposé ... ist höllisch schwer zu schreiben.
Man sollte diese Aufgabe trotzdem nicht scheuen. Ein Exposé ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich ein Bild über ein literarisches Werk verschaffen wollen. Denn das genau ist der Zweck: Man soll einem interessierten Leser – einem potentiellen Geschäftspartner – Überblick verschaffen und ihm die Infos geben, die er braucht, um das Werk richtig einzusortieren.
Noch ein wichtiger Punkt zur Klärung vorab: Das Exposé soll zwar helfen, ein Manuskript an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Es ist aber KEIN Werbetext. Es ist ein SACHTEXT. Daran sollte sich die Sprache orientieren. Nie wird sie reißerisch oder über die Maßen bescheiden sein. Sie muss klar sein und sachlich.
Alles in allem sollte das Exposé nicht länger als zwei Seiten werden. Peile also eine Seiten an. Denn kurz zu schreiben ist etrem schwer, meistens wird der Text länger. Bei mehr als zweieinhalb Seiten muss man aber dringend überlegen, wie man den Text kürzer hinbekommt.
Das Problem ist dabei die große Nähe des Autors zu seinem Werk. Man sieht rasch den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen - jetzt sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren, ist eine echte Herausforderung.
Was macht nun ein Exposé genau?
Ein Exposé gibt Auskunft über ein Manuskript, und zwar sowohl über die Geschichte an sich, aber auch über die Positionierung des Werkes auf dem Buchmarkt.
Es gibt nicht Auskunft über den Autor, seine Absichten oder Gedanken und Hintergründe. Der Autor tritt in hier den Hintergrund. Hier geht es um das Werk.
Das Exposé ist ein Verkaufsinstrument. Das Manuskript ist nun die Ware des Autors. Man muss das Werk ganz unromantisch verkaufen wie ein Auto oder ein Bügeleisen. Und darum müssen neben der Handlung auch technische – buchhändlerische – Fragen beantwortet werden.
Ein Exposé sollte aus folgenden Elementen bestehen:
o Pitch
-- Was für eine Geschichte hast Du erzählt? Was ist dabei herausgekommen? Oder, wenn sie noch nicht geschrieben ist – Aprioriexposés gibt es auch – was für eine Geschichte soll dabei herausgekommen? Alles, also der ganze Roman, reduziert in einen Satz, höchstens zwei Sätze: "Es ist die Geschichte von …, der …, um zu … und am Ende … ."
Das ist nicht einfach, man kann es aber an bekannten Werken üben, an „Heidi“, „Tom Sawyer“, der „Schatzinsel“ oder auch am „Froschkönig“.
o Vorstellung von Schauplatz, Protagonist(en) und Antagonist(en)
-- Wann, wo, wer? Hier nur das Wichtigste schreiben! Gib Antwort auf die Frage: Was zeichnet die Figuren und den Ort aus? Knapp, treffend, präzise formulieren.
o Kurze Zusammenfassung des Inhalts incl. Ende
-- Der Anfang, wichtigste Wendepunkte, das Ende. Keine Details schreiben, Nebenhandlungen zusammenfassen.
Eine halbe Seite ist das Soll. Das ist sehr wenig. Man muss lernen, gnadenlos zu vereinfachen. 600 Seiten Irrfahrt können da auch einmal mit „nach einer Vielzahl von Abenteuern und Verlusten“ zusammengefasst werden.
Wichtig: Das Ende gehört mit dazu! Keinen Cliffhänger! Es geht hier ums Verkaufen, nicht ums Genießen. Es darf und muss gespoilert werden.
Nun kommen schon die Technikas:
o Zielgruppe
-- Wen soll das Buch interessieren? Für wen wurde es geschrieben? Stell Dir die Zielgruppe genau vor. Was mögen Sie sonst noch?
o Zustand des Werkes
-- Ist es fertig? Ist es noch nicht verfasst? Wie oft überarbeitet? Sind Folgebände geplant oder in Arbeit?
o Umfang
-- Wie viel hast Du geschrieben oder willst Du schreiben? Die gebräuchlichste Maßeinheit ist die Normseite (NS).
o Beschreibung der benutzten Sprache und des Stils
-- Eher flott und flapsig, schwärmerisch oder sachlich schlicht? Auch diese Frage ist wichtig. Dialekt(e)? Wenn es ein lustiges Buch ist, versuche den Humor zu beschreiben und einzuordnen. Zwischen groben Schenkelklopfern á la Herrenabend und fein gesetzten Pointen oder drolliger Sprachkomik kann man seinen Text unterscheiden und sollte es auch tun.
o Positionierung auf dem Markt
-- Was sind Vorbilder, was ist vergleichbar? „Wem „X“ gefallen hat, wer sich von „Y“ verzaubern lies, dem wird auch dieses Buch gefallen.“
o Alleinstellungsmerkmale
-- Was macht das Manuskript einzigartig, wo ist das besondere?
o Das zu erwartende oder angestrebte Leseerlebnis
-- Das ist jetzt eher mein persönliches Ding. Ich finde es schön, damit abzuschließen. Was für ein Gefühl sollte (oder wird) der Leser haben, wenn er die letzte Zeile gelesen hat und das Buch schließt.
TIPP: Um den richtigen Ton zu treffen und präzise zu bleiben, hilft mir Oma.
Stell Dir beim Abfassen des Exposés einfach vor, Du erzählst alles einer Oma, die mit einer Papiertüte auf einer Parkbank sitzt und Tauben füttert. (Diesmal wollen wir die unselige Flugrattenfütterei duchgehen lassen!) Erzähl ihr von Deinem Buch, und zwar all das, was im Exposé stehen soll. Aber: Du hast nur solange Zeit, wie sie noch Taubenfutter hat. Mach es also einfach, schlage gerade Achsen durch den Dschungel der Details und verzettel Dich nicht in Einzelheiten. Sprich ruhig, sonst verscheuchst Du die Tauben. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, aber versuche auch nicht, der Oma etwas anzudrehen. Sprich freundlich mit Ihr, gelassen, ohne Schnörkel und Effekthascherei. Und ohne Umwege!
Zur Form:
Wenn wir es am Telefon geschafft haben, den Agenten oder Verleger zu interessieren und eine Kostprobe schicken sollen, wird es ernst. Die meisten verlangen zur Leseprobe auch ein Exposé. Und ein Anschreiben ist ohnehin nötig.
Auf diese Sendung sollte jeder höchste Sorgfalt verwenden. Sie ist die erste Arbeitsprobe. Auch das Exposé und Anschreiben. Schludriger Ausdruck, fehlerhafte Grammatik und andere Pannen fallen sofort auf - oder eben ihr Fehlen. (Rechtschreibfehler erwähne ich erst gar nicht!) Wenn der Eindruck entsteht, dass der Schreiber großen Wert darauf legt, gut zu schreiben, dann hat man es richtig gemacht.
Dann heißt es Warten und Hoffen.
Was ist ein Exposé? Was muss ich beachten, um ein gutes Exposé zu schreiben?
von Alexander Bálly
Autorenfoto: Michael Fein
Um ein gutes Exposé schreiben zu können, muss man sich über eines klar sein: Es gibt zweierlei Exposé-Arten. Beide sind kurz und knapp geschrieben und eng mit dem Inhalt verbunden. Aber sie haben ganz unterschiedliche Aufgaben, und darum sind sie grundverschieden.
Das eine ist das Exposé zur Plotentwicklung. Das andere ist das Exposé, um ein Werk zu verkaufen.
Das Entwicklungsexposé
Es gibt Plotschulen, die sehr aufwändig und detailliert plotten. Auch wenn das nicht mein Weg ist, will ich es nicht schlecht reden. Es ist eine Methode, mit der viele Menschen erfolgreich arbeiten. Diese Methode beginnt mit einer Idee und dem Pitch. Dann entwirft man detailliert die Hauptcharktere.
Das Entwickungsexposé ist dann nächste Schritt, in dem die Handlung in eine Reihe von einzelnen Szenen oder Kapiteln aufgeteilt wird. Jede einzelne Handlungssequenz wird in einem nummerierten Stichpunkt, meist nur einem Satz, festgehalten. Hier erkennt man zum ersten Mal die Struktur, den Ablauf, die Entwicklung der Spannung und das Zusammenspiel der Handlungsstränge.
Dieses Exposé ist bei dieser Methode ein sehr wichtiger Zwischenschritt. Hierauf baut alles weitere auf. Die einzelnen nummerierten Punkte dieses Entwicklungsexposees werden dann immer weiter ausgebaut, ausgearbeitet und ausgeführt. Am Ende wird alles zum fertigen Roman vereinigt. Doch von dieser Art des Exposés will ich hier nicht reden.
Das Verkaufsexposé
Es geht hier um das andere Exposé, das Verkaufsexposé, mit dem man ein Werk bei einem Verlag oder bei einem Agenten einreicht.
Ein gutes Exposé ... ist höllisch schwer zu schreiben.
Man sollte diese Aufgabe trotzdem nicht scheuen. Ein Exposé ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich ein Bild über ein literarisches Werk verschaffen wollen. Denn das genau ist der Zweck: Man soll einem interessierten Leser – einem potentiellen Geschäftspartner – Überblick verschaffen und ihm die Infos geben, die er braucht, um das Werk richtig einzusortieren.
Noch ein wichtiger Punkt zur Klärung vorab: Das Exposé soll zwar helfen, ein Manuskript an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Es ist aber KEIN Werbetext. Es ist ein SACHTEXT. Daran sollte sich die Sprache orientieren. Nie wird sie reißerisch oder über die Maßen bescheiden sein. Sie muss klar sein und sachlich.
Alles in allem sollte das Exposé nicht länger als zwei Seiten werden. Peile also eine Seiten an. Denn kurz zu schreiben ist etrem schwer, meistens wird der Text länger. Bei mehr als zweieinhalb Seiten muss man aber dringend überlegen, wie man den Text kürzer hinbekommt.
Das Problem ist dabei die große Nähe des Autors zu seinem Werk. Man sieht rasch den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen - jetzt sich auf den Kern der Sache zu konzentrieren, ist eine echte Herausforderung.
Was macht nun ein Exposé genau?
Ein Exposé gibt Auskunft über ein Manuskript, und zwar sowohl über die Geschichte an sich, aber auch über die Positionierung des Werkes auf dem Buchmarkt.
Es gibt nicht Auskunft über den Autor, seine Absichten oder Gedanken und Hintergründe. Der Autor tritt in hier den Hintergrund. Hier geht es um das Werk.
Das Exposé ist ein Verkaufsinstrument. Das Manuskript ist nun die Ware des Autors. Man muss das Werk ganz unromantisch verkaufen wie ein Auto oder ein Bügeleisen. Und darum müssen neben der Handlung auch technische – buchhändlerische – Fragen beantwortet werden.
Ein Exposé sollte aus folgenden Elementen bestehen:
o Pitch
-- Was für eine Geschichte hast Du erzählt? Was ist dabei herausgekommen? Oder, wenn sie noch nicht geschrieben ist – Aprioriexposés gibt es auch – was für eine Geschichte soll dabei herausgekommen? Alles, also der ganze Roman, reduziert in einen Satz, höchstens zwei Sätze: "Es ist die Geschichte von …, der …, um zu … und am Ende … ."
Das ist nicht einfach, man kann es aber an bekannten Werken üben, an „Heidi“, „Tom Sawyer“, der „Schatzinsel“ oder auch am „Froschkönig“.
o Vorstellung von Schauplatz, Protagonist(en) und Antagonist(en)
-- Wann, wo, wer? Hier nur das Wichtigste schreiben! Gib Antwort auf die Frage: Was zeichnet die Figuren und den Ort aus? Knapp, treffend, präzise formulieren.
o Kurze Zusammenfassung des Inhalts incl. Ende
-- Der Anfang, wichtigste Wendepunkte, das Ende. Keine Details schreiben, Nebenhandlungen zusammenfassen.
Eine halbe Seite ist das Soll. Das ist sehr wenig. Man muss lernen, gnadenlos zu vereinfachen. 600 Seiten Irrfahrt können da auch einmal mit „nach einer Vielzahl von Abenteuern und Verlusten“ zusammengefasst werden.
Wichtig: Das Ende gehört mit dazu! Keinen Cliffhänger! Es geht hier ums Verkaufen, nicht ums Genießen. Es darf und muss gespoilert werden.
Nun kommen schon die Technikas:
o Zielgruppe
-- Wen soll das Buch interessieren? Für wen wurde es geschrieben? Stell Dir die Zielgruppe genau vor. Was mögen Sie sonst noch?
o Zustand des Werkes
-- Ist es fertig? Ist es noch nicht verfasst? Wie oft überarbeitet? Sind Folgebände geplant oder in Arbeit?
o Umfang
-- Wie viel hast Du geschrieben oder willst Du schreiben? Die gebräuchlichste Maßeinheit ist die Normseite (NS).
o Beschreibung der benutzten Sprache und des Stils
-- Eher flott und flapsig, schwärmerisch oder sachlich schlicht? Auch diese Frage ist wichtig. Dialekt(e)? Wenn es ein lustiges Buch ist, versuche den Humor zu beschreiben und einzuordnen. Zwischen groben Schenkelklopfern á la Herrenabend und fein gesetzten Pointen oder drolliger Sprachkomik kann man seinen Text unterscheiden und sollte es auch tun.
o Positionierung auf dem Markt
-- Was sind Vorbilder, was ist vergleichbar? „Wem „X“ gefallen hat, wer sich von „Y“ verzaubern lies, dem wird auch dieses Buch gefallen.“
o Alleinstellungsmerkmale
-- Was macht das Manuskript einzigartig, wo ist das besondere?
o Das zu erwartende oder angestrebte Leseerlebnis
-- Das ist jetzt eher mein persönliches Ding. Ich finde es schön, damit abzuschließen. Was für ein Gefühl sollte (oder wird) der Leser haben, wenn er die letzte Zeile gelesen hat und das Buch schließt.
TIPP: Um den richtigen Ton zu treffen und präzise zu bleiben, hilft mir Oma.
Stell Dir beim Abfassen des Exposés einfach vor, Du erzählst alles einer Oma, die mit einer Papiertüte auf einer Parkbank sitzt und Tauben füttert. (Diesmal wollen wir die unselige Flugrattenfütterei duchgehen lassen!) Erzähl ihr von Deinem Buch, und zwar all das, was im Exposé stehen soll. Aber: Du hast nur solange Zeit, wie sie noch Taubenfutter hat. Mach es also einfach, schlage gerade Achsen durch den Dschungel der Details und verzettel Dich nicht in Einzelheiten. Sprich ruhig, sonst verscheuchst Du die Tauben. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, aber versuche auch nicht, der Oma etwas anzudrehen. Sprich freundlich mit Ihr, gelassen, ohne Schnörkel und Effekthascherei. Und ohne Umwege!
Zur Form:
Wenn wir es am Telefon geschafft haben, den Agenten oder Verleger zu interessieren und eine Kostprobe schicken sollen, wird es ernst. Die meisten verlangen zur Leseprobe auch ein Exposé. Und ein Anschreiben ist ohnehin nötig.
Auf diese Sendung sollte jeder höchste Sorgfalt verwenden. Sie ist die erste Arbeitsprobe. Auch das Exposé und Anschreiben. Schludriger Ausdruck, fehlerhafte Grammatik und andere Pannen fallen sofort auf - oder eben ihr Fehlen. (Rechtschreibfehler erwähne ich erst gar nicht!) Wenn der Eindruck entsteht, dass der Schreiber großen Wert darauf legt, gut zu schreiben, dann hat man es richtig gemacht.
Dann heißt es Warten und Hoffen.
Alexander Bálly lebt seit seiner Kindheit in Oberbayern und wohnt schon lange in der Holledau, dem hopfenseligen Herz Bayerns. Nach dem Abitur und einer Lehre zum Buchhändler studierte er in München Kunstgeschichte und ein wenig Theologie, arbeitete außerdem als Buchhändler, Druckereigehilfe und Verlagsmitarbeiter. Nach mehreren Fantasykrimis hat er 2014 das Verbrechen vor der Haustür entdeckt und präsentierte seinen ersten Krimi aus der Holledau.
Inzwischen schreibt er seit mehr als 20 Jahren Geschichten. Mehr Infos gibt es auf seiner Webseite www.alexander-bally.de
Hilfe bietet auch die Exposé-Beratung im Autorenpaten-Programm von Tatort-Schreibtisch
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Tatort-Schreibtisch-Buch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den
Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf
Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in
verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das
Leben kosten ...
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
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Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Ein augenzwinkernder autobiographischer Roman, der einen tiefen Einblick in das Leben eines Autors bietet.
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
Jan Schröters autobiographischer Schelmenroman - garantiert wahr!
ISBN 9783946312147
Paperback, 320 Seiten
Print-Ausgabe: 16 € (A: 16,50 €)
E-Book: 12,99 €
Hörbuch: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Autorenportrait von Jan Schröter
LESERPROBE
Schreiben kann das Leben kosten.
Manchmal genügt schon eine Literaturverfilmung, um sich buchstäblich um Kopf und Kragen zu bringen, ganz zu schweigen vom Rest des Leibes. Ausgesprochen ärgerlich, wenn man erst 18 Jahre alt ist und demnach nicht nach langem, erfülltem Dasein stirbt. Nicht mal ansatzweise auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Eher im Gegenteil.
Im Spätsommer 1977 begann das sinnloseste Schuljahr meines Lebens. Beinahe wäre es mein letztes Jahr überhaupt gewesen. Fast hätte mich mein Deutschlehrer umgebracht.
Aber der Reihe nach.
Ich war 18, trug seit dem letzten Sommerurlaub in Frankreich Vollbart und Baskenmütze und schleppte meist eine knallgelbe Reiseschreibmaschine mit mir herum, deren Buchstabentypen sich dramatisch oft zu bizarren Bündeln verklemmten, wenn ich im dilettantischen Zwei-Finger-System darauf herumhackte. Die Maschine war ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern, ausgewählt vermutlich in der sonnigen Hoffnung, sie würde mich bei den Schularbeiten beflügeln. Stattdessen benutzte ich sie ausschließlich, um damit im Fokus der Öffentlichkeit – Café, Einkaufszentrum, Pausenhalle, Oberstufenraum – herumzusitzen und allein schon durch meinen bloßen Anblick Aufmerksamkeit zu erregen. Ich sah aus wie ein Abziehbild von Hemingway.
Meist schrieb ich vermeintlich tiefsinnige Aphorismen oder anderes krudes Zeug. Es musste einfach genial sein, weil die Inszenierung stimmte. Kleine Jungs kaufen sich ein Trikot ihres Fußballidols und fühlen sich darin wie ein Weltmeister. Mit Baskenmütze, Vollbart und Reiseschreibmaschine ging es mir sogar als Achtzehnjähriger noch vergleichbar. Ich fühlte mich dem Literaturnobelpreis ganz nah. Hatte ich nicht alles, was ein zukünftiger Starautor benötigte? Mein erster Roman würde einschlagen wie eine Bombe.
Allerdings gab es ein Problem. Mir fiel partout keine Romangeschichte ein – trotz Vollbart, Baskenmütze und Schreibmaschine. Das fand ich ziemlich gemein, leider gab es niemanden, der diesbezüglich Beschwerden annahm. Ich hätte es ohnehin nie zugegeben, dass mir nichts einfiel. Immerhin schrieb ich gutbenotete Schulaufsätze in Serie, da konnte so ein popeliger Bestsellerroman doch keine Hürde sein, also wirklich! Ich gab unverdrossen weiterhin Hemingways Abziehbild, bis mich irgendwann Bert Wagner, mein Deutschlehrer, ansprach: Es gäbe ein paar Leute, die eine Schülerzeitung gründen wollten – ob ich vielleicht …?
Bert Wagner, mein Deutschlehrer, würde mich wenig später um ein Haar umbringen, aber das ahnten wir in diesem Moment nicht.
Also Schülerzeitung, warum nicht. Das schien mir ein Anfang zu sein. Nicht annähernd so schwierig wie sich selbst einzureden, die Realisierung des großen Romans scheitere bloß an den andauernd verklemmten Buchstabentypen meiner gelben Reiseschreibmaschine. Vielleicht, dachte ich, gäbe mir die Schule so etwas von diesem verlorenen Jahr zurück, das ich gerade erlitt.
Bis in die gymnasiale Oberstufe hatte ich mich durchgewurstelt. Deutsch, Geschichte, Politik, da setzte ich meine Glanzlichter. Es war der Ausgleich für die ungeliebten Naturwissenschaften, zwei Fünfen im Zeugnis, in Mathe und Physik, ließen sich auf diese Weise straflos kompensieren. Mehr als einmal kreiste das Abstiegsgespenst über mir, aber ich kriegte es jedes Mal hin, auch nach prekärsten Halbjahreszeugnissen (»Eine Versetzung scheint zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen«) im energischen Schlussspurt zwischen Ostern und Sommerferien noch das Klassenziel zu erreichen (»Tom wird versetzt nach Klasse …«). Dann, nach dem ersten Jahr Oberstufe, erwischte es mich zusätzlich im Fach Chemie. Drei Fünfen ließen sich nicht ausgleichen, das war Gesetz.
Für mich hieß es: Ehrenrunde, zurück auf Los. Legionen frustrierter Mathematiklehrer müssen sich die Hände gerieben haben.
Und während meine sämtlichen Freunde, meine langjährige On/Off-Beziehung Martina und praktisch jeder mir vertraute Schulgefährte nach der Abiturprüfung ins Leben hinaus flatterte und hinter dem Horizont verschwand, trat ich nach den Sommerferien 1977 mein letztes Schuljahr am Gymnasium Müssenredder in Hamburg-Poppenbüttel an. Das sinnloseste Schuljahr meines Lebens, wie gesagt. In Chemie hatte ich mich wieder auf eine Vier gewürgt, ansonsten blieb alles beim Alten: Mathe Fünf, Physik Fünf. Deutsch, Geschichte, Politik die reine Wonne. In letzteren Fächern war ich schon vorher gut, für Mathe und Physik blieb ich verloren. Wozu also das Jahr nachsitzen? Obwohl mir noch jeder Zukunftsplan fehlte: Ich würde niemals im späteren Leben einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen, das wusste ich seit der Grundschule.
Meine Lehrer wussten das auch.
»Tom Schröder«, pflegte einer meiner Mathelehrer zu mahnen, »du bist offensichtlich nicht für die Mathematik geschaffen, doch sogar du wirst nicht ohne sie leben können!« Für mich besaß Mathematik zu viele undurchschaubare Regeln. Ich war mehr für kreative Lösungen. Mathe, das war kalter Kaffee. Etwas für pickelige Technokraten, die sich die Hose mit der Kneifzange anzogen. Schreiben, das war das Ding. Geschichten erfinden, in denen sich Leser verlieren, wiederentdecken, in Abgründe blicken und Gipfel erklimmen.
Also Schülerzeitung.
Die zukünftige Redaktion traf sich erstmals an einem Dienstag nach dem Schulunterricht. Bert Wagner hatte die Räumlichkeit vermittelt, einen vollgerümpelten Nebenraum der Biologie-Sammlung. Als ich eintrat, entdeckte ich zunächst nur einen ausgestopften Riesen-Uhu. Er kauerte auf einem armdicken Ast, der wiederum aus einem hölzernen Podest ragte. Podest, Ast und Uhu standen auf einem langen Tisch und sahen irgendwie verloren aus.
»Hallo. Super, dass du mit dabei bist.«
Das Gesicht eines dunkelhaarigen, schmalbrüstigen Jungen tauchte plötzlich hinter dem Vogelpräparat auf und lächelte mir entgegen. Sein Lächeln erinnerte an den Uhu – es wirkte irgendwie verloren. Immerhin war er offensichtlich nicht ausgestopft.
»Ja. Mal sehen«, entgegnete ich lauwarm.
Er kam um den Tisch herum auf mich zu. Wache, braune Augen hinter einer randlosen John-Lennon-Brille. Ein milchgesichtiger Groucho Marx ohne Schnurrbart.
»Ich bin Wolfgang.« Er streckte mir seine Hand entgegen.
Ich wusste, wer er war. Wolfgang Mohn, seit kurzem Schulsprecher – ein Amt, für das sich an dieser Schule selten jemand aufdrängte und von dessen Vertretern man normalerweise noch seltener irgendwelche Anzeichen von Aktivität registrierte. Mohn hatte es geschafft, innerhalb der kurzen Spanne seines Wirkens die Schülerschaft mit einer derartigen Fülle von Anträgen und Abstimmungen zu bombardieren, dass alle nur noch genervt von ihm waren. Er rechtfertigte
diesen Aktionismus mit einer flammenden Grundsatzkundgebung, ausgehängt als Wandzeitung in der Pausenhalle, in der er sich prinzipiell dem Plebiszit sowie dem imperativen Mandat verpflichtet erklärte. Und dergleichen Zeug. Kaum jemand verstand, was er meinte, 1977 ließen sich solche Ausdrücke nicht mal so eben googeln. Das Wahlvolk hätte ihn gern zum Teufel gejagt, aber dann hätte man ein neues Opfer für den Schulsprecherposten suchen müssen. Also ertrug man Wolfgang Mohn und ließ ihn machen.
»Ich weiß. Der Schulsprecher.«
Ich ließ mich auf den angebotenen Händedruck ein. Wolfgang Mohn drückte forsch zu und konversierte munter weiter, ganz jovialer Politprofi.
»Und du bist Tom, richtig? Der Typ mit der gelben Schreibmaschine …«
»Ist mein Zwillingsbruder«, behauptete ich todernst. »Ich bin der mit der roten Schreibmaschine.«
»Echt?« Die braunen Augen blinzelten irritiert.
»Lass dich nicht vom Schröder verarschen. Den Kerl gibt’s nur einmal. Zum Glück.«
Hinter uns schob sich ein Mädchen zur Tür herein. Schmal, feingliedrig, mit glatter, dunkler Mähne, die ihr tief ins Gesicht hing und ihrem Ausdruck etwas Verhuschtes verlieh. Man hätte sie auf den ersten Blick glatt noch für eine Zwölfjährige halten können. Aber das wusste ich besser.
»In der Tat, Doro. Mit zweien von meiner Sorte wärst du niemals fertig geworden.«
Sie kicherte. Es klang wie Katzenschnurren. Nach der Mahlzeit.
»Ich bin also mit dir fertig geworden?«
»Bewahre!« Ich rang dramatisch die Hände. »Dann wären wir ja fertig miteinander. Das wäre doch schade …«
»Findest du?«
Ihr perfekt getimter Augenaufschlag vernichtete endgültig jede Illusion, eine Zwölfjährige vor sich zu haben. Die Metamorphose von kindlicher Albernheit zu erwachsenem Ernst, die Doro Gehrke jederzeit ansatzlos vollziehen konnte, verunsicherte mich zutiefst. Und auf Verunsicherung reagierte ich, dessen Persönlichkeitsbildung noch nicht über das Hemingway-Abziehbild herausgewachsen war, wie ein Vampir auf den ersten Strahl der Morgensonne: Ich zerfiel zu Staub. Glücklicherweise bemerkte das niemand, denn nach Doro drängte sich jetzt der vierte Nachwuchsredakteur ins Zimmer. Mille besaß mehr Haare als Chewbacca und sprach auch ungefähr genauso viel wie das »Star Wars«-Zottelmonster: eher selten. Aber hier sollte Mille ja auch schreiben, nicht reden. Das Reden besorgte ohnehin Wolfgang Mohn.
Wolfgangs minimaler Anspruch für unsere geplante Schülerzeitung war die politische Kampflinie von Georg Büchners »Hessischen Landboten« (»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«), gepaart mit dem kommerziellen Erfolg von Disneys »Lustigen Taschenbüchern«. Die Schülerzeitung wäre Mohns persönliches Zentralorgan, das war uns anderen nach spätestens drei Minuten klar. Sollte er doch, dachte ich. Mir fehlte jede Lust, über die abgehakten Tagungspunkte der letzten Schulsprecherversammlung auf Kreisebene oder die Satzungsänderung in der Elternratsverordnung zu berichten.
»Was möchtest du denn schreiben, Tom?« fragte mich Wolfgang schließlich direkt.
Nichts, wofür ich vorher in langweiligen Versammlungen herumsitzen muss, schoss es mir sofort durch den Sinn.
»Satire. Ein paar Witze reißen. So was in der Art.«
»Bloß nicht schwitzen bei der Arbeit, was?«
Das kam von Doro. Sie grinste süffisant dabei. Durchschaut.
Ich bemühte mich um einen Konter. »Schwitzen kann jeder, das muss ich nicht auch noch. Was willst du denn machen?«
»Kunst. Zeichnungen. Geschichten. Was so anfällt.«
Sie zog die schmalen Schultern hoch, wobei ihr T-Shirt der Bewegung folgte und zwischen dem unteren Rand und ihrer Jeans einen knusprig braunen Bauchstreifen entblößte. Ihr flacher Nabel schien mir verrucht zuzuzwinkern. Die Sommerferien waren erst ein paar Wochen her. Plötzlich schlug vor meinem geistigen Auge der Atlantik Gischt und Wellen, und eine splitternackte Doro lief über weißen Sand. Erst, als ihre Schultern wieder absackten, vor der Peepshow der Vorhang fiel, die Kulisse jäh von Strandpanorama auf ausgestopften Uhu umschnitt und meine Atmung wieder einsetzte, registrierte ich Wolfgang Mohns forschenden Blick. Es war genau die Sorte Blick, die ein Wissenschaftler durchs Mikroskop wirft. Und mal ganz klar, wer hier die Amöbe auf dem Objektträger war...
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Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und das Leben als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Schreibregel der Woche

© Autorenfoto: Hocky Neubert
Als ich mich beruflich vollständig und ausschließlich aufs Schreiben einließ, befand ich mich schon jenseits meines 30. Lebensjahres und war Familienvater. Und da ich weder als Bestsellerautor startete noch über nennenswerte Kapitalreserven verfügte, geriet vor allem das erste Jahr meiner neuen Selbstberufung zum finanziellen Hürdenlauf...
Vor der Verlagswahl Schillers „Glocke“ lesen: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“.
von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Als ich mich beruflich vollständig und ausschließlich aufs Schreiben einließ, befand ich mich schon jenseits meines 30. Lebensjahres und war Familienvater. Und da ich weder als Bestsellerautor startete noch über nennenswerte Kapitalreserven verfügte, geriet vor allem das erste Jahr meiner neuen Selbstberufung zum finanziellen Hürdenlauf...
Ich konnte und kann mit dieser Art Druck ganz gut umgehen (eine Begabung, die für Autorinnen und Autoren noch überlebenswichtiger ist als ein begnadetes Schreibtalent). Aber alles hat seine Grenzen.
Ich war also zu dieser Zeit über jeden Schreiber-Job heilfroh. Auch über jenen, den mir ein Verleger anbot – für ein Honorar, dass meine Familie und mich immerhin einen Monat lang über Wasser halten würde. Es ging um die Überarbeitung einiger nicht ganz so gut gelungener Texte, die dringend für eine bereits terminierte Veröffentlichung benötigt wurden. Dieser Veröffentlichungstermin schien unbedingt eingehalten werden zu müssen, in dieser Hinsicht wirkte der Verleger einigermaßen panisch. Ich kannte ihn kaum. Aber insgesamt wirkte er seriös. Außerdem wusste ich, dass er gerade ein kleines Fotoarchiv aufgekauft hatte. Er schien gut im Geschäft zu sein, folgerte ich daraus. Ich unterschrieb einen Projektvertrag, erhielt eine Kopie davon und legte los.
Ich erledigte die Arbeit im vorgegebenen Zeitlimit, stellte meine Rechnung, doch die Honorarüberweisung blieb aus.
Ach ja, das liebe Geld, seufzte mein Verleger nur, als es mir nach etlichen Fehlversuchen endlich mal gelang, ihn telefonisch zu erreichen. Nun ja, fuhr er fort, so hoch sei die Summe ja nicht, eigentlich könnte ich morgen um 15 Uhr zu ihm kommen und das Honorar in bar abholen. Ich stand zur vereinbarten Zeit vor seiner Tür. Niemand öffnete auf mein Klingeln. Wir telefonierten erneut, es gab weitere Verabredungen zwecks Geldübergabe, sie scheiterten sämtlich. Ich ließ nicht locker – wie auch, das Geld war in meinem bescheidenen Haushalt fest eingeplant und quasi schon ausgegeben – und schaffte es irgendwann tatsächlich, den Verleger vor seiner Wohnung abzufangen und ihm einen Scheck in Höhe des vereinbarten Honorars abzuringen.
Ich eilte frohgemut zur Sparkasse und präsentierte der Mitarbeiterin meines Vertrauens die Beute. Die gute Frau kannte mich und vor allem meine finanzielle Lage schon länger. Sie ließ den Scheck auf dem Tresen liegen, ohne ihn zu berühren, seufzte gequält und atmete tief. Mehr kam erst mal nicht von ihr.
Mein Stimmungsbarometer sackte augenblicklich in den Skalenbereich Sturmwarnung.
„Was ist?“ wollte ich trotzdem wissen.
„Das darf ich Ihnen eigentlich nicht sagen“, wand sie sich. „Aber wenn ich diesen Scheck jetzt annehme, dann muss ich ihn auch buchen …“
„Prima. Deshalb bringe ich ihn ja her.“
„Nur, wenn ich diesen Scheck buche – dann platzt er. Und Sie bekommen Ihr Honorar nicht.“
„Bitte?“
„Ganz unter uns: Ich betreue auch die Konten dieses Herrn. Dieser Scheck ist nicht gedeckt. Stecken Sie den bloß wieder ein. Und sehen Sie zu, wie Sie auf andere Weise zu Ihrem Geld kommen.“
„Wie denn?“
Sie zuckte unglücklich mit den Achseln.
Ich steckte bedrückt das unnütze Papier ein und verließ das Geldinstitut, um daheim meinen Projektvertrag herauszusuchen und von einem Anwalt prüfen zu lassen. Zum Glück sah ich mir den Vertrag vorher noch einmal genau an: Auf meiner Kopie fehlte die Unterschrift des Verlegers.
Ich sah nur noch eine Möglichkeit, an mein Geld zu kommen.
Am Ende einer kurzen, wenngleich keineswegs schmerzlosen Konfrontation mit meinem betrügerischen Auftraggeber bilanzierte ich: eine eingetretene Tür, ein mit schlagenden Argumenten befeuertes Wortgefecht und die Barauszahlung meines Honorars in kleinen Scheinen, ergänzt mit Münzgeld aus einem notgeschlachteten Keramik-Sparschwein. Danach gingen wir auseinander und vermieden es künftig, dass sich unsere Wege kreuzten. Ich weiß also nicht, ob sich der Verleger wegen dieser unrühmlichen Episode schämt oder ob er sich überhaupt noch daran erinnert.
Ich zumindest bin alles andere als stolz darauf.
Egal, wie dringend man Geld benötigt: Verträge sollte man genau studieren, bevor man sie unterzeichnet. Und wenn letzteres geschieht, dann ist peinlichst darauf zu achten, dass der Vertragspartner ebenfalls seine Unterschrift leistet. Das sollte selbstverständlich sein, trotzdem ist mir dieser Fehler unterlaufen. Ihnen passiert das nicht – Sie haben nun von meiner gutgläubigen Dummheit gelesen und werden nicht die gleiche begehen. Abgemacht?
Um jedoch überhaupt einen Vertrag für etwas, das man geschrieben hat, angeboten zu bekommen, muss man erst einmal einen Vertragspartner finden. Einen Buchverlag für Ihren ersten Roman, zum Beispiel.
In Deutschland gibt es über zweitausend Verlage. Allein in Deutschland erscheinen Jahr für Jahr an die neunzigtausend neue Bücher. Darunter sind jede Menge Fach- und Sachbücher, doch auch wenn Sie Romane schreiben sollten, sind Sie nicht konkurrenzlos: Die Zahl der jährlichen Roman-Neuerscheinungen lag hierzulande zuletzt ziemlich stabil knapp über der Marke von vierzehntausend Titeln. Ein Literatur-Junkie, der sich absolut keinen neuen Roman entgehen lassen möchte, müsste also täglich 39 Bücher lesen, um stets am Ball zu bleiben. In Schaltjahren hätte er dann mal einen Tag frei, damit er sich beim Augenarzt eine neue Lesebrille verschreiben lassen kann.
Für die Leser ist die Auswahl an Büchern also riesengroß. Autoren können sich unter vielen Verlagen den zu ihnen passenden wählen. Verlage wiederum suchen sich programmkompatible Autoren aus der Masse zuverlässig nachwachsender Literaten heraus. Doch wie findet man zueinander?
Gute Frage. Große Frage.
Während vieler Jahre verbrachte ich die „Frankfurter Buchmesse“ am Stand eines befreundeten Verlegers. Manchmal schon deswegen, weil er gerade wieder ein neues Buch von mir herausgebracht hatte. Ansonsten aber, weil ich die Atmosphäre am Messestand liebe. Auf der Buchmesse genieße ich die Begegnungen mit den vielen Menschen, die sich professionell oder aus Leidenschaft (meistens beides) mit Literatur beschäftigen. Es sind oft wunderbare, erfreuliche Begegnungen. Leider trifft das nicht auf jede davon zu. Es gibt eine Situation, die jeder kennt, der für einen Verlag am Messestand steht. Eine Situation, die so gut wie immer allen Beteiligten peinlich ist und die eigentlich nie zu etwas führt. Nämlich folgende:
Vorsichtig pirscht sich JEMAND an den Messestand heran und nimmt Witterung auf. Mit dem Blick eines scheuen Rehs äugt JEMAND in alle Richtungen, taxiert die anderen Besucher, vor allem das Verlagspersonal am Stand. Um zunächst bloß nicht angesprochen zu werden, nimmt JEMAND nacheinander sämtliche am Stand ausgelegten Verlagstitel zur Hand und heuchelt inniges Interesse daran – selbst an dem abseitigen, völlig unverkäuflichen und lediglich aufgrund eines erheblichen Druckkostenzuschusses produziertem Buch über Quantenphysik, verfasst in unverständlichstem Fachchinesisch und nur deshalb hier präsent, weil leider versehentlich vom Verlagspraktikanten in die Messekiste gepackt.
JEMAND wartet geduldig den Moment ab, bis möglichst alle anderen Besucher weitergezogen sind und die nächsten noch am Nachbarstand herumlungern. Dann nimmt er einen längst von ihm angepeilten VERLAGSMITARBEITER aufs Korn.
JEMAND: „Arbeiten Sie hier?“
VERLAGSMITARBEITER: „Ja.“
JEMAND: „Schöne Bücher.“
VERLAGSMITARBEITER: „Danke.“
JEMAND: „Sind ein paar feine Romane dabei.“
VERLAGSMITARBEITER: Nickt nur ergeben, denn er weiß, was nun kommt.
JEMAND: „Wissen Sie, ich schreibe ja auch…“
VERLAGSMITARBEITER: Hat es längst geahnt und sagt nichts.
JEMAND: „Eigentlich bin ich hier auf der Messe, um einen Verlag zu finden, der mein Werk herausbringt.“
VERLAGSMITARBEITER denkt: Warum immer ich? – erkundigt sich trotzdem artig: „Um was geht es denn darin genau?“
JEMAND: „Das ist nicht so ganz einfach zu erklären. Aber ich hab’s dabei…“
Schon zieht JEMAND eifrig ein 600-Seiten-Skript aus Rucksack / Tasche / Plastiktüte. Wahnsinnsgeschichte, das sagen alle. Freunde / Verwandte / Nachbarn wären einhellig der Meinung, da könnte man glatt ein Buch draus machen. JEMAND redet und redet. Zunehmend Verzweiflung im Blick, die ganze Gestalt macht „Bittebitte“ – bis der VERLAGSMITARBEITER dem Anliegen mit wohltrainierter Standardformulierung die Absage erteilt. Hier sind drei der beliebtesten:
„So etwas entscheidet mein Chef, der ist aber nicht auf der Messe.“
„Ihr Roman ist sicher großartig. Leider wollen wir unser Verlagsprogramm demnächst auf Kochbücher umstellen.“
Und, je nach Verlagsgröße, entweder: „Wir sind nur ein kleiner Regionalverlag. Ihr Werk gehört unbedingt in einen großen Publikumsverlag. Die finden Sie sämtlich in der Halle XY.“
Oder: „Wir sind ein großer Publikumsverlag. Da geht Ihr Werk im Morast des Mainstreams verloren. Was Sie brauchen, ist ein kleiner, feiner Regionalverlag – finden Sie in der Halle YX.“
JEMAND zieht geschlagen von dannen, VERLAGSMITARBEITER atmet diskret auf.
Vielleicht ist jetzt leider der Literaturwelt ein Mensch abhandengekommen, der grandios gut schreiben kann. Und ein Verlag hat sich um die Chance gebracht, dessen bahnbrechendes Werk zu veröffentlichen, damit den Kassenschlager des Jahres zu liefern und endlich groß herauszukommen. Wahrscheinlich ist das nicht, aber man weiß es ja nie.
Bevor Sie also Ihren frisch vollendeten Roman an sämtlichen Ständen einer Buchmesse oder überhaupt jedem Verlag anbieten, dessen Adresse sich irgendwo recherchieren lässt, sollten Sie einige strategische Überlegungen anstellen.
Zuallererst diese: Für Autoren auf Verlagssuche gilt Ähnliches wie für Flirtwillige auf einer Dating-App. Wer sich wahllos überall anbietet, kriegt entweder gar keine(n) ab – oder eine(n), den man eigentlich nicht haben will. Man benötigt also bei der Verlagssuche (genau wie bei der Dating-App) vorab ein paar Anforderungs- und Ausschlusskriterien, um den Kandidatenkreis überschaubarer zu gestalten.
Beginnen wir bei Ihrem Produkt. Bevor Sie Ihren Roman anbieten, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was Sie da zu Markte tragen. Angesichts der vierzehntausend jährlichen Roman-Neuerscheinungen deutschlandweit (plus der sicher noch ungleich höheren Dunkelziffer jener Romane, die hoffnungsvoll geschrieben, aber niemals auf dem Buchmarkt erscheinen), werden potentielle Verleger immer die Frage stellen, um was es in Ihrem Werk eigentlich geht. Und zwar, bevor sie sich die Mühe machen, die vorgelegten 600 Seiten (oder wie viele es auch immer sein mögen) selbst zu lesen oder von Verlagsmitarbeitern lesen zu lassen.
Ihre Antwort sollte dann möglichst überzeugend ausfallen. „Ein Mann, eine Frau, viel Hin und Her in der Liebe, aber am Ende wird alles gut“, eine solche Beschreibung trifft auf etliche Geschichten zu, ohne das Besondere der Ihren herauszustellen. Brechen Sie den Kern Ihrer Erzählung, die Konflikte Ihrer Hauptfiguren auf wenige, aussagekräftige Sätze herunter. Schreiben Sie diese Sätze auf, denn Sie werden sie brauchen: In jedem Anschreiben auf der Verlagssuche. Auch später, wenn Sie mit Veranstaltern kommunizieren, um Autorenlesungen zu vereinbaren. Oder mit Journalisten, die darüber berichten sollen, aber leider Ihren Roman vorher nicht lesen werden und deshalb über dessen Inhalt allzu leicht Unsinn verbreiten, sofern Sie ihnen nicht mit einem griffigen Kurztext eine gut verständliche Steilvorlage liefern. Lernen Sie diesen Kurztext getrost auswendig, dann haben Sie diese hilfreichen Formulierungen notfalls auch im Gespräch parat.
Weiterer Vorteil dieses Kurztextes: Sie wissen allerspätestens jetzt auch selber, was eigentlich das Besondere an Ihrem Roman ist. Das hilft Ihnen, den Kreis Ihrer potentiellen Verlagspartner enger zu ziehen.
Recherchieren Sie, welche Verlage Bücher im Programm haben, die thematisch nah an Ihrem Werk liegen. Vielleicht gibt es Autorinnen oder Autoren, mit denen Sie sich stilistisch wahlverwandt fühlen – dann schauen Sie, in welchem Verlagshaus diese Leute veröffentlichen. Erweitern Sie beim Besuch möglichst vieler Buchhandlungen Ihren Horizont über das Angebot auf dem Literaturfeld, das Sie selbst beackern möchten (oder schon beackert haben, falls Ihr Roman bereits geschrieben ist). Passionierte Online-Shopper und E-Book-User mögen das für Altmodisch halten. Es gibt jedoch genug Leser, die nach wie vor Wert auf Gedrucktes und Gebundenes legen, was sich in die Hand nehmen lässt. Und der Wert guter Verlagsarbeit auf diesem Gebiet lässt sich nicht im Internet, sondern vor allem in der Buchhandlung erfahren: Sind die Verlagstitel hier überhaupt präsent? Wie sind sie handwerklich gestaltet? Von chronischen Cover-Missgriffen bis hin zur sofortauflösenden Buchrücken-Billigstbindung gibt es einiges, was schief laufen kann und was man als Autor gerne wüsste, bevor man sein literarisches Baby in fremde Hände gibt.
Wenn Sie die Verlage, in denen Ihr Werk ein Zuhause finden könnte, eingegrenzt haben, dann versuchen Sie mehr über die Verlagshäuser herauszubekommen. Oder über den Kleinverlag, dessen spezielles Programm perfekt zu ihrem Buch passen würde.
Vermutlich ist jeder froh, für sein Erstlingswerk überhaupt einen Verlagspartner zu finden. Die Frage „großer Verlag“ oder „kleiner Verlag“ ist in dem Fall eher zweitrangig. Sollte man jedoch Ambitionen hegen, mehr als nur ein Buch zu schreiben oder gar eine Karriere als Literatur-Vollprofi anzustreben, stellt sich diese Frage schon. Ich kenne beides aus eigener Erfahrung und fasse hier einige „Für und wider“-Argumente zusammen, die mir wesentlich erscheinen. Entscheiden müssten Sie letztendlich selber. Welche Lösung die Bessere ist, lässt sich nicht eindeutig festlegen.
„Großer Verlag“ – was dafür spricht:
1. Durch das Renommee des etablierten Verlagsnamens wird der Autor automatisch als Profi wahrgenommen – von Kritikern, vom Buchhandel, von den Lesern. Sogar, wenn das Buch gar nicht so super ist.
2. Der „große Verlag“ deckt einen großen Markt ab. Sein Programm ist überall präsent, auch im deutschsprachigen Ausland. Die Stückzahl Ihrer ersten Taschenbuchauflage ist wahrscheinlich fünfstellig. Er verfügt über eine komplette Organisation. Es gibt sogar eine Presseabteilung, die Ihr Buch ankündigt. Und die Sie betreut, falls man Sie zur Prime-Time in die angesagteste TV-Show des Jahres einlädt.
„Großer Verlag“ – was dagegen spricht:
1. Sie mögen sich als Profi fühlen. Aber sofern Sie noch keinen Top-Ten-Kracher in der Bestsellerliste platziert hatten, wird Ihr Werk auf Seite 78 des halbjährlich erscheinenden Verlagsnovitäten-Programms genannt – das war’s dann auch schon. Im zeitbegrenzten Verkaufsgespräch mit den Einkäufern großer Buchhandelsketten kommt der eifrige Verlagsvertreter eher selten so weit, einen „Hinterbänkler-Titel“ besonders zu empfehlen. Er hat ihn übrigens ohnehin nie gelesen. Nicht aus Ignoranz. Die Novitäten-Lektüre kann er zeitlich neben seinem Job gar nicht schaffen.
2. Ihr Buch wird landesweit in den allermeisten Buchhandlungen auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen liegen. Höchstwahrscheinlich entdecken Sie dort sogar kleine Stapel Ihres Werkes. Sie platzen vor Stolz. Moment mal: Das soll gegen den „großen Verlag“ sprechen? Warten Sie einen Moment, genau genommen: Warten Sie einen Monat. Dann streben die nächsten neuen Titel dieses Verlages nach Weltruhm. Sofern es der Ihrige während dieser Zeitspanne noch nicht in die Bestsellerliste geschafft hat, werden von dem kleinen Bücherstapel vielleicht ein oder zwei Exemplare in der jeweiligen Buchhandlung verbleiben – der Rest wird an den Verlag zurückgeschickt, um in dessen Lager der Makulatur entgegen zu dämmern. Nach weiteren drei Monaten ohne Bestsellersensation treiben Sie Ihr Buch nicht mal mehr als Einzelstück im Regal auf. Sollte sich bei der nächsten Inventur doch noch eines anfinden, stellt es der Buchhändler in die Grabbelkiste, oder es endet als Altpapier. Immerhin wurden insgesamt vielleicht ein paar tausend Stück verkauft, doch das genügt nicht. Und Sie haben etliche Monate oder gar Jahre daran geschrieben – jedenfalls viel länger, als Ihr schönes Buch überhaupt im Handel lag. So ein Jammer. Ganz ehrlich.
3. Was ist mit der Presseabteilung? Ihr Buch ist erschienen, jetzt müssten doch in allen Blättern die zahlreich angeleierten Rezensionen erscheinen und die Initialzündung zum raketenhaften Aufstieg in die Bestseller-Medaillenränge liefern? Das Problem: Der „große Verlag“ haut Monat für Monat einen Haufen Neuerscheinungen raus. Die Presseabteilung pflegt zwar einen enormen Medien-Verteiler – aber im „Gießkannenprinzip“. Jede Verteileradresse erhält nicht bloß die Information über Ihr Buch, sondern selbstverständlich auch die über die anderen Novitäten des Monats. Und es gibt nicht bloß einen „großen Verlag“, der so arbeitet – fast alle machen es so. Ich habe früher selbst eine Zeit lang Buchneuerscheinungen für eine Zeitung rezensiert. Dieses renommierte Blatt erschien überregional und wöchentlich. In jeder Ausgabe räumte man mir Platz für eine kurze Rezension ein. Vier Bücher pro Monat. Um noch einmal die weiter oben im Text genannten Zahlen heranzuziehen: In Deutschland erscheinen etwa 7500 Buchtitel monatlich, weit mehr als tausend davon sind Romane. Falls Sie nun meinen, damit könnte man die Öffentlichkeit ein klein wenig überfordern, stehen Sie mit dieser Ansicht nicht alleine da. Leider ist es eine Tatsache. Ach ja – das mit der Prime-Time-TV-Show können Sie unter diesen Umständen natürlich sowieso vergessen.
„Kleiner Verlag“ – was dafür spricht:
1. Die persönliche Verbindung. Im Gegensatz zum Großverlag geht die Leitung des „kleinen Verlags“ mit der Entscheidung für Ihr Werk ein viel bedeutenderes Risiko ein. Schließlich geht der Verlag mit den Kosten für Lektorat, Druck, Ausstattung, Werbung und Vertrieb in Vorleistung. Da die Finanzdecke bei den meisten Betrieben dieser Art nicht übermäßig dick ist und es vielleicht nur ein paar Neuerscheinungen pro Jahr gibt, zieht ein gefloppter Titel unter Umständen weitreichende Konsequenzen nach sich. Es ist daher durchaus ein großes Kompliment für einen Autor, wenn sich ein „kleiner Verlag“ für ihn entscheidet. Im Idealfall bekommt das neu produzierte Literatur-Baby so zwei Elternteile. Und jeder, der in diesem Verlag arbeitet – vielleicht nur stundenweise als Minijob – kennt Ihr Buch. Sogar der Verlagsvertreter hat es gelesen. Falls es einen gibt, muss man einschränkend anmerken.
2. Ein „kleiner Verlag“ agiert zwar selten landesweit oder gar international, ist jedoch auf seiner Spielwiese – also in seiner Marktnische und in seiner Region – in der Regel gut vernetzt. Das gilt vor allem für den Buchhandel in seiner Stammregion. Die Erstauflage Ihres Buches liegt zwar vermutlich nur irgendwo zwischen 1000 und 2000 Stück. Es wird weder bei Erscheinen noch danach in jeder Buchhandlung liegen – aber die, die es führen, werden es allein schon aus Verbundenheit zu Ihrem Kleinverlag längerfristig im Laden vorrätig haben. Sind die 2000 Stück abverkauft – selbst wenn es ein, zwei Jahre oder vielleicht länger dauert – druckt der Verlag wahrscheinlich eine Nachauflage. So bleibt Ihr Werk selbst nach Jahren noch im Handel präsent.
3. Ein „kleiner Verlag“ ist meist eine Lokalgröße. Wenn in diesem Hause eine Neuerscheinung angekündigt wird, berichtet vermutlich nicht die Weltpresse – aber die lokalen Medien sind dabei. Und sei es nur, weil der Verleger sonst keine Anzeigen mehr im Käseblatt schaltet.
„Kleiner Verlag“ – was dagegen spricht:
1. Wegen des weitgehend unbekannten Verlagsnamens wird der Autor automatisch als Amateur wahrgenommen – von Kritikern, vom Buchhandel, von den Lesern. Sogar, wenn das Buch ziemlich super ist.
2. Wegen des begrenzten Aktionsradius des „kleinen Verlages“ und der geringen Auflagenhöhe wird Ihr Buch vermutlich nie zum gebührenden Weltruhm gelangen. Zwar gibt es alle Jahrzehnte wieder ein Literaturwunder der Kategorie „Büchlein eines bis dato unbekannten Autors aus Kleinverlag-Produktion fällt einem enorm prominenten Menschen in die Hände – dieser hält es in die Kamera und übermorgen haben es alle“. Es gibt ja auch Leute, die knacken den Jackpot im Lotto. Sie und ich sind allerdings vermutlich nie dabei.
3. Kleine Verlage sind personell übersichtlich ausgestattet. Manchmal bestehen sie lediglich aus einer einzigen Person, nämlich der des Verlegers oder der Verlegerin. Darin liegt ein Teil des Charmes dieser Kleinunternehmen. Allerdings nicht, wenn die Belegschaft in wesentlichen Bereichen länger ausfallen sollte und die Verlagsarbeit brach liegt (im Falle eines Ein-Personen-Unternehmens mal eben gleich zu 100 Prozent) – und das, obwohl man doch als Autor gerade raketenmäßig auf die Medaillenplätze der Bestsellerliste durchstarten wollte. Vielleicht verhebt sich Ihr Verleger auch finanziell an einem anderen Projekt (möglicherweise kauft er ein kleines Fotoarchiv auf) und kann Ihnen Ihr spärliches Honorar nicht zahlen. Kleiner Trost: Sie wissen ja seit dem Eingangsabschnitt dieses Kapitels, was in so einem Fall zu tun ist.
Angesichts dieser Tatsachen setzen manche Autoren lieber gleich auf die Veröffentlichung der eigenen Werke im Selbstverlag. Oder sie verzichten völlig auf Gedrucktes und publizieren ihre Geschichten unschlagbar kostengünstig ausschließlich im Internet – im E-Book-Format, als Selfpublisher. Wirklich erfolgsgekrönt sind beide Verfahren selten. Das konkurrierende Angebot ist in beiden Fällen unüberschaubar riesig. No-Name-Literaten ohne kampferprobte Verlagskomplizen fallen in dieser Masse überhaupt nicht auf – im Falle selbstpublizierter E-Books oft sogar nicht mal für geschenkt, buchstäblich. Spätestens, wenn man für die selbstpublizierte Geschichte einen Verkaufspreis aufruft, der einem halbwegs die Existenz sichern soll, wird die Luft ganz, ganz dünn.
Und Sie wollten sich doch vor allem mit Schreiben beschäftigen, nicht mit Marketingstrategien.
So prüfe, wer sich ewig bindet. Sogar, wenn es nur für die Halbwertzeit eines Buchprojekts ist. Man kann auch prüfen lassen, indem man sich einen Agenten sucht, der die Arbeit der Verlagssuche sowie lästige Vertragsverhandlungen und das fristgerechte Kassieren der Tantiemen abnimmt. Das kostet Autor/in in der Regel 15 Prozent seiner sämtlichen Buch- und/oder Filmeinnahmen, und zwar für alle Zeiten seines eigenen Urheberrechts. Es kann sich trotzdem lohnen.
Aber auch das muss jeder für sich entscheiden.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
Jan Schröters "Goldene Schreibregeln" - 22 Tipps für Autoren und alle, die es werden wollen

Die Mailadresse lautet
Mehr Infos über das Buch "Goldene Schreibregeln"
E-Book ohne Anmeldung kaufen
Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
Ich war also zu dieser Zeit über jeden Schreiber-Job heilfroh. Auch über jenen, den mir ein Verleger anbot – für ein Honorar, dass meine Familie und mich immerhin einen Monat lang über Wasser halten würde. Es ging um die Überarbeitung einiger nicht ganz so gut gelungener Texte, die dringend für eine bereits terminierte Veröffentlichung benötigt wurden. Dieser Veröffentlichungstermin schien unbedingt eingehalten werden zu müssen, in dieser Hinsicht wirkte der Verleger einigermaßen panisch. Ich kannte ihn kaum. Aber insgesamt wirkte er seriös. Außerdem wusste ich, dass er gerade ein kleines Fotoarchiv aufgekauft hatte. Er schien gut im Geschäft zu sein, folgerte ich daraus. Ich unterschrieb einen Projektvertrag, erhielt eine Kopie davon und legte los.
Ich erledigte die Arbeit im vorgegebenen Zeitlimit, stellte meine Rechnung, doch die Honorarüberweisung blieb aus.
Ach ja, das liebe Geld, seufzte mein Verleger nur, als es mir nach etlichen Fehlversuchen endlich mal gelang, ihn telefonisch zu erreichen. Nun ja, fuhr er fort, so hoch sei die Summe ja nicht, eigentlich könnte ich morgen um 15 Uhr zu ihm kommen und das Honorar in bar abholen. Ich stand zur vereinbarten Zeit vor seiner Tür. Niemand öffnete auf mein Klingeln. Wir telefonierten erneut, es gab weitere Verabredungen zwecks Geldübergabe, sie scheiterten sämtlich. Ich ließ nicht locker – wie auch, das Geld war in meinem bescheidenen Haushalt fest eingeplant und quasi schon ausgegeben – und schaffte es irgendwann tatsächlich, den Verleger vor seiner Wohnung abzufangen und ihm einen Scheck in Höhe des vereinbarten Honorars abzuringen.
Ich eilte frohgemut zur Sparkasse und präsentierte der Mitarbeiterin meines Vertrauens die Beute. Die gute Frau kannte mich und vor allem meine finanzielle Lage schon länger. Sie ließ den Scheck auf dem Tresen liegen, ohne ihn zu berühren, seufzte gequält und atmete tief. Mehr kam erst mal nicht von ihr.
Mein Stimmungsbarometer sackte augenblicklich in den Skalenbereich Sturmwarnung.
„Was ist?“ wollte ich trotzdem wissen.
„Das darf ich Ihnen eigentlich nicht sagen“, wand sie sich. „Aber wenn ich diesen Scheck jetzt annehme, dann muss ich ihn auch buchen …“
„Prima. Deshalb bringe ich ihn ja her.“
„Nur, wenn ich diesen Scheck buche – dann platzt er. Und Sie bekommen Ihr Honorar nicht.“
„Bitte?“
„Ganz unter uns: Ich betreue auch die Konten dieses Herrn. Dieser Scheck ist nicht gedeckt. Stecken Sie den bloß wieder ein. Und sehen Sie zu, wie Sie auf andere Weise zu Ihrem Geld kommen.“
„Wie denn?“
Sie zuckte unglücklich mit den Achseln.
Ich steckte bedrückt das unnütze Papier ein und verließ das Geldinstitut, um daheim meinen Projektvertrag herauszusuchen und von einem Anwalt prüfen zu lassen. Zum Glück sah ich mir den Vertrag vorher noch einmal genau an: Auf meiner Kopie fehlte die Unterschrift des Verlegers.
Ich sah nur noch eine Möglichkeit, an mein Geld zu kommen.
Am Ende einer kurzen, wenngleich keineswegs schmerzlosen Konfrontation mit meinem betrügerischen Auftraggeber bilanzierte ich: eine eingetretene Tür, ein mit schlagenden Argumenten befeuertes Wortgefecht und die Barauszahlung meines Honorars in kleinen Scheinen, ergänzt mit Münzgeld aus einem notgeschlachteten Keramik-Sparschwein. Danach gingen wir auseinander und vermieden es künftig, dass sich unsere Wege kreuzten. Ich weiß also nicht, ob sich der Verleger wegen dieser unrühmlichen Episode schämt oder ob er sich überhaupt noch daran erinnert.
Ich zumindest bin alles andere als stolz darauf.
Egal, wie dringend man Geld benötigt: Verträge sollte man genau studieren, bevor man sie unterzeichnet. Und wenn letzteres geschieht, dann ist peinlichst darauf zu achten, dass der Vertragspartner ebenfalls seine Unterschrift leistet. Das sollte selbstverständlich sein, trotzdem ist mir dieser Fehler unterlaufen. Ihnen passiert das nicht – Sie haben nun von meiner gutgläubigen Dummheit gelesen und werden nicht die gleiche begehen. Abgemacht?
Um jedoch überhaupt einen Vertrag für etwas, das man geschrieben hat, angeboten zu bekommen, muss man erst einmal einen Vertragspartner finden. Einen Buchverlag für Ihren ersten Roman, zum Beispiel.
In Deutschland gibt es über zweitausend Verlage. Allein in Deutschland erscheinen Jahr für Jahr an die neunzigtausend neue Bücher. Darunter sind jede Menge Fach- und Sachbücher, doch auch wenn Sie Romane schreiben sollten, sind Sie nicht konkurrenzlos: Die Zahl der jährlichen Roman-Neuerscheinungen lag hierzulande zuletzt ziemlich stabil knapp über der Marke von vierzehntausend Titeln. Ein Literatur-Junkie, der sich absolut keinen neuen Roman entgehen lassen möchte, müsste also täglich 39 Bücher lesen, um stets am Ball zu bleiben. In Schaltjahren hätte er dann mal einen Tag frei, damit er sich beim Augenarzt eine neue Lesebrille verschreiben lassen kann.
Für die Leser ist die Auswahl an Büchern also riesengroß. Autoren können sich unter vielen Verlagen den zu ihnen passenden wählen. Verlage wiederum suchen sich programmkompatible Autoren aus der Masse zuverlässig nachwachsender Literaten heraus. Doch wie findet man zueinander?
Gute Frage. Große Frage.
Während vieler Jahre verbrachte ich die „Frankfurter Buchmesse“ am Stand eines befreundeten Verlegers. Manchmal schon deswegen, weil er gerade wieder ein neues Buch von mir herausgebracht hatte. Ansonsten aber, weil ich die Atmosphäre am Messestand liebe. Auf der Buchmesse genieße ich die Begegnungen mit den vielen Menschen, die sich professionell oder aus Leidenschaft (meistens beides) mit Literatur beschäftigen. Es sind oft wunderbare, erfreuliche Begegnungen. Leider trifft das nicht auf jede davon zu. Es gibt eine Situation, die jeder kennt, der für einen Verlag am Messestand steht. Eine Situation, die so gut wie immer allen Beteiligten peinlich ist und die eigentlich nie zu etwas führt. Nämlich folgende:
Vorsichtig pirscht sich JEMAND an den Messestand heran und nimmt Witterung auf. Mit dem Blick eines scheuen Rehs äugt JEMAND in alle Richtungen, taxiert die anderen Besucher, vor allem das Verlagspersonal am Stand. Um zunächst bloß nicht angesprochen zu werden, nimmt JEMAND nacheinander sämtliche am Stand ausgelegten Verlagstitel zur Hand und heuchelt inniges Interesse daran – selbst an dem abseitigen, völlig unverkäuflichen und lediglich aufgrund eines erheblichen Druckkostenzuschusses produziertem Buch über Quantenphysik, verfasst in unverständlichstem Fachchinesisch und nur deshalb hier präsent, weil leider versehentlich vom Verlagspraktikanten in die Messekiste gepackt.
JEMAND wartet geduldig den Moment ab, bis möglichst alle anderen Besucher weitergezogen sind und die nächsten noch am Nachbarstand herumlungern. Dann nimmt er einen längst von ihm angepeilten VERLAGSMITARBEITER aufs Korn.
JEMAND: „Arbeiten Sie hier?“
VERLAGSMITARBEITER: „Ja.“
JEMAND: „Schöne Bücher.“
VERLAGSMITARBEITER: „Danke.“
JEMAND: „Sind ein paar feine Romane dabei.“
VERLAGSMITARBEITER: Nickt nur ergeben, denn er weiß, was nun kommt.
JEMAND: „Wissen Sie, ich schreibe ja auch…“
VERLAGSMITARBEITER: Hat es längst geahnt und sagt nichts.
JEMAND: „Eigentlich bin ich hier auf der Messe, um einen Verlag zu finden, der mein Werk herausbringt.“
VERLAGSMITARBEITER denkt: Warum immer ich? – erkundigt sich trotzdem artig: „Um was geht es denn darin genau?“
JEMAND: „Das ist nicht so ganz einfach zu erklären. Aber ich hab’s dabei…“
Schon zieht JEMAND eifrig ein 600-Seiten-Skript aus Rucksack / Tasche / Plastiktüte. Wahnsinnsgeschichte, das sagen alle. Freunde / Verwandte / Nachbarn wären einhellig der Meinung, da könnte man glatt ein Buch draus machen. JEMAND redet und redet. Zunehmend Verzweiflung im Blick, die ganze Gestalt macht „Bittebitte“ – bis der VERLAGSMITARBEITER dem Anliegen mit wohltrainierter Standardformulierung die Absage erteilt. Hier sind drei der beliebtesten:
„So etwas entscheidet mein Chef, der ist aber nicht auf der Messe.“
„Ihr Roman ist sicher großartig. Leider wollen wir unser Verlagsprogramm demnächst auf Kochbücher umstellen.“
Und, je nach Verlagsgröße, entweder: „Wir sind nur ein kleiner Regionalverlag. Ihr Werk gehört unbedingt in einen großen Publikumsverlag. Die finden Sie sämtlich in der Halle XY.“
Oder: „Wir sind ein großer Publikumsverlag. Da geht Ihr Werk im Morast des Mainstreams verloren. Was Sie brauchen, ist ein kleiner, feiner Regionalverlag – finden Sie in der Halle YX.“
JEMAND zieht geschlagen von dannen, VERLAGSMITARBEITER atmet diskret auf.
Vielleicht ist jetzt leider der Literaturwelt ein Mensch abhandengekommen, der grandios gut schreiben kann. Und ein Verlag hat sich um die Chance gebracht, dessen bahnbrechendes Werk zu veröffentlichen, damit den Kassenschlager des Jahres zu liefern und endlich groß herauszukommen. Wahrscheinlich ist das nicht, aber man weiß es ja nie.
Bevor Sie also Ihren frisch vollendeten Roman an sämtlichen Ständen einer Buchmesse oder überhaupt jedem Verlag anbieten, dessen Adresse sich irgendwo recherchieren lässt, sollten Sie einige strategische Überlegungen anstellen.
Zuallererst diese: Für Autoren auf Verlagssuche gilt Ähnliches wie für Flirtwillige auf einer Dating-App. Wer sich wahllos überall anbietet, kriegt entweder gar keine(n) ab – oder eine(n), den man eigentlich nicht haben will. Man benötigt also bei der Verlagssuche (genau wie bei der Dating-App) vorab ein paar Anforderungs- und Ausschlusskriterien, um den Kandidatenkreis überschaubarer zu gestalten.
Beginnen wir bei Ihrem Produkt. Bevor Sie Ihren Roman anbieten, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was Sie da zu Markte tragen. Angesichts der vierzehntausend jährlichen Roman-Neuerscheinungen deutschlandweit (plus der sicher noch ungleich höheren Dunkelziffer jener Romane, die hoffnungsvoll geschrieben, aber niemals auf dem Buchmarkt erscheinen), werden potentielle Verleger immer die Frage stellen, um was es in Ihrem Werk eigentlich geht. Und zwar, bevor sie sich die Mühe machen, die vorgelegten 600 Seiten (oder wie viele es auch immer sein mögen) selbst zu lesen oder von Verlagsmitarbeitern lesen zu lassen.
Ihre Antwort sollte dann möglichst überzeugend ausfallen. „Ein Mann, eine Frau, viel Hin und Her in der Liebe, aber am Ende wird alles gut“, eine solche Beschreibung trifft auf etliche Geschichten zu, ohne das Besondere der Ihren herauszustellen. Brechen Sie den Kern Ihrer Erzählung, die Konflikte Ihrer Hauptfiguren auf wenige, aussagekräftige Sätze herunter. Schreiben Sie diese Sätze auf, denn Sie werden sie brauchen: In jedem Anschreiben auf der Verlagssuche. Auch später, wenn Sie mit Veranstaltern kommunizieren, um Autorenlesungen zu vereinbaren. Oder mit Journalisten, die darüber berichten sollen, aber leider Ihren Roman vorher nicht lesen werden und deshalb über dessen Inhalt allzu leicht Unsinn verbreiten, sofern Sie ihnen nicht mit einem griffigen Kurztext eine gut verständliche Steilvorlage liefern. Lernen Sie diesen Kurztext getrost auswendig, dann haben Sie diese hilfreichen Formulierungen notfalls auch im Gespräch parat.
Weiterer Vorteil dieses Kurztextes: Sie wissen allerspätestens jetzt auch selber, was eigentlich das Besondere an Ihrem Roman ist. Das hilft Ihnen, den Kreis Ihrer potentiellen Verlagspartner enger zu ziehen.
Recherchieren Sie, welche Verlage Bücher im Programm haben, die thematisch nah an Ihrem Werk liegen. Vielleicht gibt es Autorinnen oder Autoren, mit denen Sie sich stilistisch wahlverwandt fühlen – dann schauen Sie, in welchem Verlagshaus diese Leute veröffentlichen. Erweitern Sie beim Besuch möglichst vieler Buchhandlungen Ihren Horizont über das Angebot auf dem Literaturfeld, das Sie selbst beackern möchten (oder schon beackert haben, falls Ihr Roman bereits geschrieben ist). Passionierte Online-Shopper und E-Book-User mögen das für Altmodisch halten. Es gibt jedoch genug Leser, die nach wie vor Wert auf Gedrucktes und Gebundenes legen, was sich in die Hand nehmen lässt. Und der Wert guter Verlagsarbeit auf diesem Gebiet lässt sich nicht im Internet, sondern vor allem in der Buchhandlung erfahren: Sind die Verlagstitel hier überhaupt präsent? Wie sind sie handwerklich gestaltet? Von chronischen Cover-Missgriffen bis hin zur sofortauflösenden Buchrücken-Billigstbindung gibt es einiges, was schief laufen kann und was man als Autor gerne wüsste, bevor man sein literarisches Baby in fremde Hände gibt.
Wenn Sie die Verlage, in denen Ihr Werk ein Zuhause finden könnte, eingegrenzt haben, dann versuchen Sie mehr über die Verlagshäuser herauszubekommen. Oder über den Kleinverlag, dessen spezielles Programm perfekt zu ihrem Buch passen würde.
Vermutlich ist jeder froh, für sein Erstlingswerk überhaupt einen Verlagspartner zu finden. Die Frage „großer Verlag“ oder „kleiner Verlag“ ist in dem Fall eher zweitrangig. Sollte man jedoch Ambitionen hegen, mehr als nur ein Buch zu schreiben oder gar eine Karriere als Literatur-Vollprofi anzustreben, stellt sich diese Frage schon. Ich kenne beides aus eigener Erfahrung und fasse hier einige „Für und wider“-Argumente zusammen, die mir wesentlich erscheinen. Entscheiden müssten Sie letztendlich selber. Welche Lösung die Bessere ist, lässt sich nicht eindeutig festlegen.
„Großer Verlag“ – was dafür spricht:
1. Durch das Renommee des etablierten Verlagsnamens wird der Autor automatisch als Profi wahrgenommen – von Kritikern, vom Buchhandel, von den Lesern. Sogar, wenn das Buch gar nicht so super ist.
2. Der „große Verlag“ deckt einen großen Markt ab. Sein Programm ist überall präsent, auch im deutschsprachigen Ausland. Die Stückzahl Ihrer ersten Taschenbuchauflage ist wahrscheinlich fünfstellig. Er verfügt über eine komplette Organisation. Es gibt sogar eine Presseabteilung, die Ihr Buch ankündigt. Und die Sie betreut, falls man Sie zur Prime-Time in die angesagteste TV-Show des Jahres einlädt.
„Großer Verlag“ – was dagegen spricht:
1. Sie mögen sich als Profi fühlen. Aber sofern Sie noch keinen Top-Ten-Kracher in der Bestsellerliste platziert hatten, wird Ihr Werk auf Seite 78 des halbjährlich erscheinenden Verlagsnovitäten-Programms genannt – das war’s dann auch schon. Im zeitbegrenzten Verkaufsgespräch mit den Einkäufern großer Buchhandelsketten kommt der eifrige Verlagsvertreter eher selten so weit, einen „Hinterbänkler-Titel“ besonders zu empfehlen. Er hat ihn übrigens ohnehin nie gelesen. Nicht aus Ignoranz. Die Novitäten-Lektüre kann er zeitlich neben seinem Job gar nicht schaffen.
2. Ihr Buch wird landesweit in den allermeisten Buchhandlungen auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen liegen. Höchstwahrscheinlich entdecken Sie dort sogar kleine Stapel Ihres Werkes. Sie platzen vor Stolz. Moment mal: Das soll gegen den „großen Verlag“ sprechen? Warten Sie einen Moment, genau genommen: Warten Sie einen Monat. Dann streben die nächsten neuen Titel dieses Verlages nach Weltruhm. Sofern es der Ihrige während dieser Zeitspanne noch nicht in die Bestsellerliste geschafft hat, werden von dem kleinen Bücherstapel vielleicht ein oder zwei Exemplare in der jeweiligen Buchhandlung verbleiben – der Rest wird an den Verlag zurückgeschickt, um in dessen Lager der Makulatur entgegen zu dämmern. Nach weiteren drei Monaten ohne Bestsellersensation treiben Sie Ihr Buch nicht mal mehr als Einzelstück im Regal auf. Sollte sich bei der nächsten Inventur doch noch eines anfinden, stellt es der Buchhändler in die Grabbelkiste, oder es endet als Altpapier. Immerhin wurden insgesamt vielleicht ein paar tausend Stück verkauft, doch das genügt nicht. Und Sie haben etliche Monate oder gar Jahre daran geschrieben – jedenfalls viel länger, als Ihr schönes Buch überhaupt im Handel lag. So ein Jammer. Ganz ehrlich.
3. Was ist mit der Presseabteilung? Ihr Buch ist erschienen, jetzt müssten doch in allen Blättern die zahlreich angeleierten Rezensionen erscheinen und die Initialzündung zum raketenhaften Aufstieg in die Bestseller-Medaillenränge liefern? Das Problem: Der „große Verlag“ haut Monat für Monat einen Haufen Neuerscheinungen raus. Die Presseabteilung pflegt zwar einen enormen Medien-Verteiler – aber im „Gießkannenprinzip“. Jede Verteileradresse erhält nicht bloß die Information über Ihr Buch, sondern selbstverständlich auch die über die anderen Novitäten des Monats. Und es gibt nicht bloß einen „großen Verlag“, der so arbeitet – fast alle machen es so. Ich habe früher selbst eine Zeit lang Buchneuerscheinungen für eine Zeitung rezensiert. Dieses renommierte Blatt erschien überregional und wöchentlich. In jeder Ausgabe räumte man mir Platz für eine kurze Rezension ein. Vier Bücher pro Monat. Um noch einmal die weiter oben im Text genannten Zahlen heranzuziehen: In Deutschland erscheinen etwa 7500 Buchtitel monatlich, weit mehr als tausend davon sind Romane. Falls Sie nun meinen, damit könnte man die Öffentlichkeit ein klein wenig überfordern, stehen Sie mit dieser Ansicht nicht alleine da. Leider ist es eine Tatsache. Ach ja – das mit der Prime-Time-TV-Show können Sie unter diesen Umständen natürlich sowieso vergessen.
„Kleiner Verlag“ – was dafür spricht:
1. Die persönliche Verbindung. Im Gegensatz zum Großverlag geht die Leitung des „kleinen Verlags“ mit der Entscheidung für Ihr Werk ein viel bedeutenderes Risiko ein. Schließlich geht der Verlag mit den Kosten für Lektorat, Druck, Ausstattung, Werbung und Vertrieb in Vorleistung. Da die Finanzdecke bei den meisten Betrieben dieser Art nicht übermäßig dick ist und es vielleicht nur ein paar Neuerscheinungen pro Jahr gibt, zieht ein gefloppter Titel unter Umständen weitreichende Konsequenzen nach sich. Es ist daher durchaus ein großes Kompliment für einen Autor, wenn sich ein „kleiner Verlag“ für ihn entscheidet. Im Idealfall bekommt das neu produzierte Literatur-Baby so zwei Elternteile. Und jeder, der in diesem Verlag arbeitet – vielleicht nur stundenweise als Minijob – kennt Ihr Buch. Sogar der Verlagsvertreter hat es gelesen. Falls es einen gibt, muss man einschränkend anmerken.
2. Ein „kleiner Verlag“ agiert zwar selten landesweit oder gar international, ist jedoch auf seiner Spielwiese – also in seiner Marktnische und in seiner Region – in der Regel gut vernetzt. Das gilt vor allem für den Buchhandel in seiner Stammregion. Die Erstauflage Ihres Buches liegt zwar vermutlich nur irgendwo zwischen 1000 und 2000 Stück. Es wird weder bei Erscheinen noch danach in jeder Buchhandlung liegen – aber die, die es führen, werden es allein schon aus Verbundenheit zu Ihrem Kleinverlag längerfristig im Laden vorrätig haben. Sind die 2000 Stück abverkauft – selbst wenn es ein, zwei Jahre oder vielleicht länger dauert – druckt der Verlag wahrscheinlich eine Nachauflage. So bleibt Ihr Werk selbst nach Jahren noch im Handel präsent.
3. Ein „kleiner Verlag“ ist meist eine Lokalgröße. Wenn in diesem Hause eine Neuerscheinung angekündigt wird, berichtet vermutlich nicht die Weltpresse – aber die lokalen Medien sind dabei. Und sei es nur, weil der Verleger sonst keine Anzeigen mehr im Käseblatt schaltet.
„Kleiner Verlag“ – was dagegen spricht:
1. Wegen des weitgehend unbekannten Verlagsnamens wird der Autor automatisch als Amateur wahrgenommen – von Kritikern, vom Buchhandel, von den Lesern. Sogar, wenn das Buch ziemlich super ist.
2. Wegen des begrenzten Aktionsradius des „kleinen Verlages“ und der geringen Auflagenhöhe wird Ihr Buch vermutlich nie zum gebührenden Weltruhm gelangen. Zwar gibt es alle Jahrzehnte wieder ein Literaturwunder der Kategorie „Büchlein eines bis dato unbekannten Autors aus Kleinverlag-Produktion fällt einem enorm prominenten Menschen in die Hände – dieser hält es in die Kamera und übermorgen haben es alle“. Es gibt ja auch Leute, die knacken den Jackpot im Lotto. Sie und ich sind allerdings vermutlich nie dabei.
3. Kleine Verlage sind personell übersichtlich ausgestattet. Manchmal bestehen sie lediglich aus einer einzigen Person, nämlich der des Verlegers oder der Verlegerin. Darin liegt ein Teil des Charmes dieser Kleinunternehmen. Allerdings nicht, wenn die Belegschaft in wesentlichen Bereichen länger ausfallen sollte und die Verlagsarbeit brach liegt (im Falle eines Ein-Personen-Unternehmens mal eben gleich zu 100 Prozent) – und das, obwohl man doch als Autor gerade raketenmäßig auf die Medaillenplätze der Bestsellerliste durchstarten wollte. Vielleicht verhebt sich Ihr Verleger auch finanziell an einem anderen Projekt (möglicherweise kauft er ein kleines Fotoarchiv auf) und kann Ihnen Ihr spärliches Honorar nicht zahlen. Kleiner Trost: Sie wissen ja seit dem Eingangsabschnitt dieses Kapitels, was in so einem Fall zu tun ist.
Angesichts dieser Tatsachen setzen manche Autoren lieber gleich auf die Veröffentlichung der eigenen Werke im Selbstverlag. Oder sie verzichten völlig auf Gedrucktes und publizieren ihre Geschichten unschlagbar kostengünstig ausschließlich im Internet – im E-Book-Format, als Selfpublisher. Wirklich erfolgsgekrönt sind beide Verfahren selten. Das konkurrierende Angebot ist in beiden Fällen unüberschaubar riesig. No-Name-Literaten ohne kampferprobte Verlagskomplizen fallen in dieser Masse überhaupt nicht auf – im Falle selbstpublizierter E-Books oft sogar nicht mal für geschenkt, buchstäblich. Spätestens, wenn man für die selbstpublizierte Geschichte einen Verkaufspreis aufruft, der einem halbwegs die Existenz sichern soll, wird die Luft ganz, ganz dünn.
Und Sie wollten sich doch vor allem mit Schreiben beschäftigen, nicht mit Marketingstrategien.
So prüfe, wer sich ewig bindet. Sogar, wenn es nur für die Halbwertzeit eines Buchprojekts ist. Man kann auch prüfen lassen, indem man sich einen Agenten sucht, der die Arbeit der Verlagssuche sowie lästige Vertragsverhandlungen und das fristgerechte Kassieren der Tantiemen abnimmt. Das kostet Autor/in in der Regel 15 Prozent seiner sämtlichen Buch- und/oder Filmeinnahmen, und zwar für alle Zeiten seines eigenen Urheberrechts. Es kann sich trotzdem lohnen.
Aber auch das muss jeder für sich entscheiden.
Diese Regel stammt aus dem Tatort-Schreibtisch-Buch:
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Autorenportrait von Jan Schröter
© Autorenfoto: Hocky Neubert
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Autoren live: Tatort-Schreibtisch-Hörbuch der Woche
Jan Schröter: "Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte ..."
Tom Schröder will Autor werden! Ein berühmter Autor, das klappt garantiert, ist Tom sich sicher. Dass der Weg zum Erfolg ihn auf jede Menge Abwege führt, macht die Sache kompliziert...
Egal, ob als Blumenverkäufer auf dem Hamburger Isemarkt oder in den Dünen mit Doro, zwischen Textilschmugglerinnen in Südamerika oder auf Drehbuch-Recherche in Australien, Toms schräger Charme schlägt noch in verlorensten Lebenslagen durch - bis ihn Romane und Drehbücher fast das Leben kosten ...
Wer kann einen autobiographischen Roman besser lesen als der Autor selbst? Das hier ist der Beweis!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
ISBN 9783946312345
Hörbuch zum Download: 9,99 €
Hörbuch ohne Anmeldung kaufen

Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
Autorenportrait von Jan Schröter
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
Wer kann einen autobiographischen Roman besser lesen als der Autor selbst? Das hier ist der Beweis!
»Jan Schröter ist ein Spezialist für existentielle Fragen in lockerem Unterhaltungston, und er beantwortet sie mit einem sehr feinen, leisen Humor.« - BRIGITTE
ISBN 9783946312345
Hörbuch zum Download: 9,99 €
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Jan Schröter kennt die Höhen und die Tiefen des Autorendaseins schmerzlich genau. Er arbeitete als Journalist und Kolumnist, schrieb Reiseführer und Kurzgeschichten, massierte die Herzen der Zuschauer mit seinen Drehbüchern für den ZDF-Kultdampfer „Das Traumschiff“ und war jahrelang Stammautor der ARD-Serie „Großstadtrevier“. Bekannt geworden ist er durch seine absurd-komischen Krimis und Romane, in denen er augenzwinkernd und nicht ohne Mitgefühl seine Figuren ins Chaos stürzt.
Ergänzend zu dem Roman »Wie mich mein Deutschlehrer fast umbrachte …« hat Jan Schröter ein zweites Buch geschrieben: »Jan Schröters Goldene Schreibregeln«. In diesem Werk lässt er die Leser hinter die Kulissen des professionellen Schreibens und des Lebens als Autor blicken, natürlich mit einer satten Portion Humor und höchst unterhaltsam.
Autorenportrait von Jan Schröter
„Tatort Schreibtisch - Autoren live“ ist eine Hörbuch-Reihe, in der renommierte und beliebte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre eigenen Bücher vorstellen. Jeden Monat erscheint ein Roman, ungekürzt und wie bei einer Autoren-Lesung vom Autor selbst eingesprochen. Das ist für Fans eine Chance, ihre Lieblingsautoren ganz neu kennenzulernen, und für alle anderen eine gute Gelegenheit, neue und besondere Autoren zu entdecken.
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Tatort-Schreibtisch-Autor der Woche
Eine entlegene Gegend in den italienischen Marken. Eine zum Tagungshotel umfunktionierte Dorfschule und -kirche. In diesem Setting habe ich Sebastian Fuchs zum ersten Mal kennenlernen dürfen. Wir entdeckten zusammen das Gelände, erkundeten zugewachsene Wege und verfallene Häuser – und gelangten schon bald zu entlegenen Themen und in lebendige Gedankenschleifen...
Ich stellte fest: Das ist jemand, der das intensive Gespräch sucht und Ideen konsequent weiterspinnt, immer mit spielerischem Witz. Auf dem Rückweg verfielen wir in einen Rausch aus rhythmisch aneinandergereihten Wortkaskaden, eine Improvisation, die erst endete, als der Anstieg durch den Tannenwald uns den Atem nahm.
Einige Tage später zeigte Sebastian sein Soloprogramm „Radio im Kopf". Ab diesem Bühnenmoment begriff ich: Da ist noch mehr dahinter: Dieser Mensch lebt sein Mund- und Handwerk mit einer Präzision und Frische, die einen verblüfft und ansteckt. Ich lernte Sebastian also zum zweiten Mal kennen.
Einige Jahre und ungezählte kreative, professionelle und inspirierende Treffen später zog es mich nach Berlin. Beim gemeinsamen Sport fiel mir auf, mit welch starkem Willen und planendem Kopf Sebastian ans Werk geht. Das war das dritte Kennenlernen.
Und heute kann ich sagen: Ich kenne kaum einen Menschen, bei dem Zielstrebigkeit, künstlerische Vitalität und Lebensfreude eine so innige Verbindung eingehen.
Christoph Walesch ist Kommunikations-Trainer in Berlin.
Sebastian Fuchs ist Tatort-Schreibtisch-Autor und hat den Tatort-Schreibtisch-Ratgeber "Mit der Stimme Bilder malen" geschrieben. Er ist in dem Sammelband "Hört mir jemand zu?" erschienen.
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Sebastian Fuchs: Das Mund- und Handwerk leben
Ein Autorenportrait von Christoph WaleschEine entlegene Gegend in den italienischen Marken. Eine zum Tagungshotel umfunktionierte Dorfschule und -kirche. In diesem Setting habe ich Sebastian Fuchs zum ersten Mal kennenlernen dürfen. Wir entdeckten zusammen das Gelände, erkundeten zugewachsene Wege und verfallene Häuser – und gelangten schon bald zu entlegenen Themen und in lebendige Gedankenschleifen...
Ich stellte fest: Das ist jemand, der das intensive Gespräch sucht und Ideen konsequent weiterspinnt, immer mit spielerischem Witz. Auf dem Rückweg verfielen wir in einen Rausch aus rhythmisch aneinandergereihten Wortkaskaden, eine Improvisation, die erst endete, als der Anstieg durch den Tannenwald uns den Atem nahm.
Einige Tage später zeigte Sebastian sein Soloprogramm „Radio im Kopf". Ab diesem Bühnenmoment begriff ich: Da ist noch mehr dahinter: Dieser Mensch lebt sein Mund- und Handwerk mit einer Präzision und Frische, die einen verblüfft und ansteckt. Ich lernte Sebastian also zum zweiten Mal kennen.
Einige Jahre und ungezählte kreative, professionelle und inspirierende Treffen später zog es mich nach Berlin. Beim gemeinsamen Sport fiel mir auf, mit welch starkem Willen und planendem Kopf Sebastian ans Werk geht. Das war das dritte Kennenlernen.
Und heute kann ich sagen: Ich kenne kaum einen Menschen, bei dem Zielstrebigkeit, künstlerische Vitalität und Lebensfreude eine so innige Verbindung eingehen.
Christoph Walesch ist Kommunikations-Trainer in Berlin.
Sebastian Fuchs ist Tatort-Schreibtisch-Autor und hat den Tatort-Schreibtisch-Ratgeber "Mit der Stimme Bilder malen" geschrieben. Er ist in dem Sammelband "Hört mir jemand zu?" erschienen.
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